Mit einem Kochmesser soll der Tatverdächtige mehrfach auf seinen Adoptivvater eingestochen haben. (Symbolbild)
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Mit einem Kochmesser soll der Tatverdächtige mehrfach auf seinen Adoptivvater eingestochen haben. (Symbolbild)

19 Stich- und Schnittverletzungen

Prozess um Vatermord in Hanau: Rechtsmedizinerin überrascht von Brutalität

Es ist sein Geburtstag. Daheim in Großauheim steht noch ein Kuchen im Ofen. Doch statt zu feiern, liegt Norbert D. (alle Namen geändert) am 14. Februar auf einem kalten Obduktionstisch in der Frankfurter Rechtsmedizin.

Hanau - Sein Adoptivsohn Christian soll ihn am Vorabend getötet haben. Der Leichnam erzählt viel darüber, auf welch brutale Weise das passiert sein muss. Dies war Thema am dritten Verhandlungstag im Vatermord-Prozess am Landgericht Hanau. Christian D. soll nach Einschätzung des psychiatrischen Gutachters im Zustand die Tat bei uneingeschränkter Zurechnungsfähigkeit begangen haben. Es gebe keine Anzeichen für eine seelische Störung oder eine massive Rauschgifteinwirkung.

Vatermord-Prozess in Großauheim: 19 Schnitt- und Stichverletzungen

Das Nasenbein und mehrere Rippen sind gebrochen, außerdem Zungenbein und Kehlkopf – mehrfach. Letzteres passiert dann, wenn der Hals eines Menschen mit viel Kraft zugedrückt wird. Davon zeugen auch die Würgemale am Hals von Norbert D., ebenso wie flächenhaften Einblutungen als sichtbare Folge dessen, was Mediziner eine „kreislaufrelevante Strangulation“ nennen. Eine, bei der das Opfer das Bewusstsein verliert. Darüber hinaus ist der tote Körper übersät von den blau-rötlichen Folgen stumpfer Gewalteinwirkung und mindestens 19 Schnitt- und Stichverletzungen. Tödlich war die mit der Nummer neun, ein Stich in den Brustkorb mit einem Kochmesser, der die Aorta ebenso wie die Lungenschlagader vollständig durchtrennte.

Danach dürfte Norbert D. nur noch wenige Augenblicke am Leben gewesen sein. Wie viel er allerdings bis dahin mitbekommen hat, wie stark er die Schmerzen empfand oder ob vielleicht eine Ohnmacht ihn davor bewahrte, kann Rechtsmedizinerin Dr. Constanze Niess nicht mit Sicherheit sagen. Im Prozess gegen Christian D., der wegen Mordes an seinem Adoptivvater angeklagt ist, finden durch sie die Erkenntnisse aus der gerichtlichen Leichenschau Eingang in die Hauptverhandlung – und damit auch zahlreiche Hinweise darauf, dass sich die Tat wohl tatsächlich exakt so abspielte, wie sie der Angeklagte ebenso detailliert wie emotional unbeteiligt geschildert hat.

Rechtsmedizinerin überrascht von Brutalität

Die Rechtsmedizinerin schätzt dessen Angaben als plausibel ein. Zugleich merkt sie aber an, dass ihr eine Tat wie diese in ihrer beruflichen Laufbahn noch nie zuvor begegnet sei. „Oft erschrecken sich Täter, wenn sie beispielsweise ihr Opfer würgen und dieses bewusstlos wird und ergreifen dann Notfallmaßnahmen“, erklärt Niess. Christian D. aber habe mit unveränderter Brutalität zu Ende gebracht, was er begonnen hatte.

Die Verhandlung in Hanau wird am Dienstag, 14. Juli, fortgesetzt. (nic)

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