Das Hanauer Landgericht hatte die 73-jährige mutmaßliche Sekten-Chefin wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt (Archivfoto).
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Das Hanauer Landgericht hatte die 73-jährige mutmaßliche Sekten-Chefin wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt (Archivfoto).

Nach Urteil gegen Sekten-Chefin

Kind in Sack erstickt: Mordanklage nun auch gegen die 60-jährige Mutter aus Hanau

Knapp ein halbes Jahr nach dem Mordurteil gegen eine mutmaßliche Sekten-Chefin in Hanau ist gegen die Mutter des getöteten Kindes Anklage wegen gemeinschaftlichen Mordes erhoben worden.

Hanau - Der 60-jährigen mit deutscher Staatsangehörigkeit wird vorgeworfen, ihren vierjährigen Sohn am 17. August 1988 aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben. Das teilten die Polizei und die Staatsanwaltschaft Hanau am Dienstag mit.

Die Frau soll das Kind in einem verschnürten Sack in die Obhut der im September verurteilten mutmaßlichen Sekten-Chefin gegeben haben, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben soll. Diese soll nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft der 60-Jährigen eingeredet und sie davon überzeugt haben, dass ihr Sohn die „Reinkarnation Hitlers, ein Machtsadist und von den Dunklen besessen“ sei. Deshalb habe die Mutter den Tod des kleinen Jungen billigend in Kauf genommen.

Hanau: Kind in Sack erstickt - Mordanklage nun auch gegen Mutter (60)

Die Frau war im September - einen Tag nach dem Mordurteil gegen die mutmaßliche Sekten-Chefin - in Leipzig festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Zunächst war gegen sie Haftbefehl wegen des Verdachts auf Beihilfe zum Mord ergangen. Durch die Ermittlungen sei man zu der rechtlichen Bewertung als mutmaßlicher gemeinschaftlich begangener Mord gekommen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstag.

Am Tag vor der Festnahme der Mutter hatte das Hanauer Landgericht die 73-jährige mutmaßliche Sekten-Chefin wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil gegen sie ist nicht rechtskräftig, da sie Revision eingelegt hat. Sie soll den bis über den Kopf eingeschnürten Jungen seinem Schicksal überlassen haben, obwohl sie die Schreie des Kindes und dessen Panik wahrgenommen habe.

Das Kind soll ohnmächtig geworden und an seinem Erbrochenen erstickt sein. Ermittler hatten den Tod des Jungen lange Jahre für einen Unfall gehalten, erst 2015 war der Fall nach Hinweisen von Sekten-Aussteigern wieder aufgerollt worden. (dpa)

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