Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) diskutiert mit Bürgern auf dem Zentralen Marktplatz.
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Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) diskutiert mit Bürgern auf dem Zentralen Marktplatz.

Coronabedingte Absage

Hanauer Oberbürgermeister stellt sich hinter Forderungen von Kundgebungsteilnehmern

  • Sebastian Reichert
    vonSebastian Reichert
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Nach der coronabedingten Absage einer Demonstration mit Tausenden erwarteten Teilnehmern zum Gedenken an die Opfer des rassistisch motivierten Anschlags hat Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) die Veranstalter für ihre Reaktion gelobt.

Hanau - Diese seien „vorbildlich mit der für sie sicher enttäuschenden Absage der Demonstration umgegangen“, erklärte Kaminsky am Sonntag. Statt der Demo hatten Angehörige und Freunde der Anschlagsopfer sowie die „Initiative 19. Februar“ für Samstag zu einer Kundgebung aufgerufen, an der in einem Kernbereich rund 250 Menschen teilnahmen und weitere 100 Interessierte im nahen Umfeld.

Die Kundgebung war zeitgleich in mehrere Städte übertragen worden, dies habe man unterstützt, erklärte Kaminsky. Er stellte sich zugleich erneut hinter die vielfach von den Rednern an die Adresse der Ermittlungsbehörden gerichtete Forderung nach Aufklärung des Anschlags. Wenn der Eindruck entstehe, egal ob begründet oder nicht, dass etwas verheimlicht werde, dann schade das der Trauerarbeit, so Kaminsky.

In Hanau hatte am 19. Februar ein 43-jähriger Deutscher neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen. Er und seine Mutter wurden später tot aufgefunden. Zuvor hatte der Mann Pamphlete mit Verschwörungsmythen und rassistischen Ansichten im Internet veröffentlicht. Angehörige und Vertreter der „Initiative 19. Februar“ fordern auch deshalb Aufklärung und werfen den Behörden unter anderem vor, „Warnsignale“ nicht ernst genommen zu haben.

Hintergrund der Absage der Demonstration, zu der 3000 bis 5000 Menschen erwartet worden waren, war ein starker Anstieg der Corona-Infektionszahlen in Hanau. Die Zahl der Teilnehmer an der Kundgebung war deshalb auf 249 begrenzt worden. (dpa)

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