Marc Graf, Philipp Gärtner und Kerim Viebrock (von links) produzieren mit ihrem Unternehmen „Green Pioneers“ Hanfextrakt aus regionalem Anbau.
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Marc Graf, Philipp Gärtner und Kerim Viebrock (von links) produzieren mit ihrem Unternehmen „Green Pioneers“ Hanfextrakt aus regionalem Anbau.

Cannabidiol wirkt schmerzstillend

Mit Hanf verdienen sie ihr Geld: Diese Jungunternehmer aus Bad Soden-Salmünster sind Marktführer

Hanf (Cannabis sativa) zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt, besitzt zahlreiche positive Eigenschaften und hat dennoch einen schlechten Ruf. Das wollen drei Jungunternehmer ändern, die seit 2019 die Pflanzen anbauen.  

Bad Soden-Salmünster/Malkes - Zum Trio gehört Medienfachwirt Marc Graf aus Bad Soden-Salmünster. Seine Partner sind Mediengestalter und Art Director Philipp Gärtner sowie Kerim Viebrock, gelernter Schreiner und studierter Gestalter im Handwerk.

CBD-Öl, das aus Hanf gewonnen wird, löst keine berauschende Wirkung aus. Dafür gilt der Extrakt mit dem Wirkstoff Cannabidiol als vielseitig anwendbar. So wird CBD-Öl etwa eine schmerzlindernde Wirkung nachgesagt. Zudem soll es gegen neurologische Beschwerden wie Schlafstörungen helfen.

Sowohl Gärtner als auch Graf entstammen landwirtschaftlichen Betrieben, und Viebrock hat wie Graf Erfahrung in der Selbständigkeit. Dennoch war die Firmengründung kein Selbstläufer. Allein die Recherche zur Rechtslage für den Anbau von Nutzhanf nahm ein halbes Jahr in Anspruch. Auch die Erstellung eines Businessplans war zeitraubend.

„Nach drei Monaten Recherche haben wir Nägel mit Köpfen gemacht“, erinnert sich Graf an die Firmengründung im Dezember 2018. Der Zeitpunkt war ideal: Denn CBD-Öl liegt im Trend. „Das hat bei der Firmengründung zwar eine Rolle gespielt. Wir wollen aber weg vom Hype um CBD, deshalb stellen wir Hanfextrakt her“, erklärt Graf.

Die „Green Pioneers“ verdienen mit Nutzhanf ihr Geld - und sind Marktführer

Vor einem Jahr fuhren sie die erste Ernte ein. Auf sechs Hektar hatten die „Green Pioneers“ spezielle Sorten von Nutzhanf angebaut. Auch die Ernte selbst stellte sich als schwieriges Unterfangen heraus, wie Graf berichtet: „Die Hanffasern sind sehr robust, was die Ernte mit herkömmlichen Maschinen erschwert.“

Deshalb ernteten über zwei Wochen hinweg jeden Tag etwa 30 Helfer, überwiegend Freunde und Verwandte des Gründer-Trios, den Nutzhanf per Hand. Die Pflanzen wurden gebündelt und in einer umgebauten Halle am Firmensitz im Fulda- Stadtteil Malkes getrocknet.

Das Ergebnis: 1,4 Tonnen trockenes Blattmaterial, das zu Hanfextrakt verarbeitet wird. Dabei wird die CO₂-Extraktion angewandt, sodass die sogenannten Cannabinoide erhalten bleiben. Der Stoff Tetrahydrocannabinol (THC), der beim Konsum von Cannabis berauschend wirkt, ist in ihren Sorten mit weniger als 0,2 Prozent in kaum messbaren Mengen enthalten. Dieser Wert ist von der EU festgelegt und wird streng kontrolliert.

Jungunternehmer haben Hanf-Verkaufsstellen in Malkes und Bad Soden-Salmünster - weitere sollen folgen

Nachdem Ernte und Produktion abgeschlossen waren, ging es in der eigenen Manufaktur in Fulda an die Abfüllung des Hanfextrakts. Schließlich erfolgte im Frühjahr der Verkaufsstart – wegen Corona ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt. „Der April war ein düsterer Monat. Es war einer der bisher härtesten Momente für uns“, sagt Graf.

Dennoch schafften es die drei, die Zahl der Vertriebspartner zu erhöhen. Mittlerweile ist ihr Hanfextrakt hessenweit sowie im Onlineshop erhältlich. Verkaufsstellen im Main-Kinzig-Kreis gibt es unter anderem in Bad Soden-Salmünster und demnächst in Brachttal. Weitere Verkaufsstandorte sollen folgen.

Dass die Jungunternehmer einen Nerv getroffen haben, zeigt sich an der Ausweitung der Anbaufläche von sechs Hektar auf 32 Hektar. Diese Größe konnten die „Green Pioneers“ freilich nicht mehr per Hand bewältigen. „Als erstes deutsches Hanfunternehmen verwenden wir seit diesem Jahr eine spezielle Erntemaschine. Das Besondere dabei ist, dass die Maschine die Blätter von der Pflanze zupft und die Stiele stehen lässt“, erklärt Graf. Die Stiele werden für die Herstellung von Baustoffen weiterverarbeitet.

Beim Anbau von Nutzhanf werden keine Pestizide oder Dünger benötigt - trotzdem gibt es Bio-Line

Da beim Anbau von Hanf keine Pestizide oder Dünger benötigt würden, sei ein Bio-Zertifikat eigentlich nicht nötig, stellt Marc Graf fest. Dennoch liefern 7 der 32 Hektar Anbaufläche in diesem Jahr Biomaterial, weshalb es bald eine Bio-Linie geben soll.

Langfristig planen die „Green Pioneers“, weitere Produkte rund um und mit Nutzhanf zu entwickeln, etwa im Kosmetik- und Lebensmittelbereich. „Unser Ziel ist es, einer der größten Nutzhanfproduzenten in Deutschland zu werden. Man soll bei einem Bedarf an Hanf nicht mehr an uns vorbeikommen können“, betont Graf. (Von Marah Naumann)

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