Fotos: Engelbert Strauss, Hanns Szczepanek

Henning Strauss über CI-Factory: „Es geht um Innovation statt Kapazität“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - Zufrieden mit dem Bauverlauf der CI-Factory am Distelrasen äußert sich Mitinhaber Henning Strauss im Interview mit unserer Zeitung. Und auch die wirtschaftliche Entwicklung sei erfreulich: Das Unternehmen habe derzeit die Kapazitätsgrenze erreicht.

Ist beim Bau der CI-Factory im Großen und Ganzen alles nach Plan verlaufen oder gab es positive wie negative Überraschungen?

Der Bau verlief nach Plan. Wir bedanken uns bei allen beteiligten Unternehmen für die gute Zusammenarbeit. Besonders hervorzuheben: Die Kooperation mit unseren Partnern aus der Region, die einen großen Teil der gebäudetechnischen Anlagen installiert haben und auch in Zukunft deren Wartung durchführen werden.

Die Firma Adidas hat kürzlich ihre erst vor wenigen Jahren eröffnete „Speedfactory“ wieder geschlossen. Dort sollten weitgehend automatisiert pro Jahr 500 000 Sportschuhe hergestellt werden. Bereitet Ihnen diese Entwicklung mit Blick auf die CI-Factory in Schlüchtern Sorge?

Schuh ist nicht gleich Schuh – bei unserem Konzept zur Herstellung gebrandeter Firmenschuhe sind zwei Besonderheiten hervorzuheben: Wir verknüpfen intelligente Logistik und Fertigung, das macht uns effizient. Außerdem wichtig: Arbeitsschuhe haben lange Lebenszyklen, ein Basis-Modell kann im Baukastenprinzip über viele Jahre hergestellt werden. Bei Vollauslastung sind wir technisch in der Lage, 400 000 Schuhe jährlich zu fertigen. Unterm Strich geht es uns am Distelrasen aber vielmehr um Innovation und Know-How als um die Kapazität.

Vor anderthalb Jahren erklärten Sie, die jährlichen Zuwachsraten Ihres Unternehmens seien „deutlich zweistellig“. Ist das nach wie vor so? Wie sehen Sie die mittelfristige Entwicklung?

Auch 2019 war ein gutes Jahr – dank der großen Nachfrage haben wir aktuell unsere Kapazitätsgrenzen erreicht. Mit der CI-Factory eröffnen sich uns nun zum richtigen Zeitpunkt neue Wachstumsmöglichkeiten. Wir sehen Marke und Unternehmen gut für die Zukunft positioniert. Insbesondere im Ausland sehen wir großes Wachstumspotenzial.

Mit Blick auf die CI-Factory sprechen Sie davon, immer mehr zu einer „textilen Werbeagentur für unsere Kunden“ zu werden. Was meinen Sie damit?

Wir nehmen einen starken Wunsch nach Individualität wahr. Für Firmen jeder Größe wird es immer bedeutsamer, sich als eigene Marke zu präsentieren. Die Mitarbeiter sollen als Markenbotschafter gut aussehen – sie transportieren den Charakter ihres Arbeitgebers und prägen so sein Image. Insbesondere kleine und mittelgroße Kunden aus dem Handwerk schätzen unsere Branding-Expertise.

Werden auf die CI-Factory ähnliche Projekte, ähnliche Vorhaben folgen?

Ganz aktuell entsteht im ländlichen Süden von Bangladesch eine Kleinserienfertigung für maßgeschneiderte Firmenkleidung. Die beiden neuen Standorte bilden ein Produktions-Tandem: Am Distelrasen entwickeln wir Branding-Konzepte und Prototypen und produzieren individuelle Arbeitsschuhe. In der Schwesterproduktion fertigen wir textile Sonderserien, vom Polo exakt in Firmenfarbe bis zur selbstkonfigurierten Jacke und Cargohose. Im Tandem können wir so bald individuellste Outfits von Kopf bis Fuß anbieten.

Wie wird die Region zwischen Fulda und Gelnhausen von dem neuen Produktionsstandort auf dem Distelrasen profitieren?

Die CI-Factory schafft mittelfristig etwa 350 neue Arbeitsplätze in der Heimat. Die Wertschöpfung bleibt in der Region. Die CI-Factory wirkt gemeinsam mit anderen Großprojekten wie ein Magnet für die Region und zieht Folgeinvestitionen nach sich. Wir freuen uns, wenn man uns als bekannte Marke mit der Region in Verbindung bringt und wir so auch für den Standort werben. / ag, hgs

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