Ein Lastwagen fährt die Straße Zum Gerlingsberg in Richtung Gundhelm hinauf.
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Lastwagen, die die Straße Zum Gerlingsberg in Richtung Gundhelm in den frühen Morgenstunden hinauffahren, lassen so manchen Anwohner aus dem Schlaf schrecken.

Maßnahmenpaket

Die Leidensfähigkeit scheint erschöpft - Herolz hofft auf Lärmberuhigung

Rücksichtslose Raser und erhebliche Lärmbelastung: Die Anwohner der Brückenauer Straße und der Straße Zum Gerlingsberg in Herolz leiden seit mehr als 20 Jahren unter der Verkehrssituation und wollen dies nicht länger hinnehmen. In einer Sitzung des Ortsbeirats kamen sie zu Wort, das Gremium beschloss ein Maßnahmenpaket.

Herolz - Ortsvorsteher Simon Dzierzawa zeigte sich erfreut über die ungewöhnlich vielen Gäste und fasste die bisher ergriffenen Maßnahmen zur Regulierung der Hauptverkehrsadern „Brückenauer Straße“ und „Zum Gerlingsberg“ zusammen. Die beiden digitalen Geschwindigkeits-Anzeigetafeln an den Ortseingängen aus Sannerz und Ahlersbach, die Versetzung des Ortsschildes um mehrere Hundert Meter in Richtung Innenstadt und die Einführung der Tempo-30-Zone in Höhe der Grundschule hätten nach Meinung einiger Betroffener die Lage verbessert, anderen wiederum reiche dies nicht aus, so die Rückmeldungen, die Dzierzawa erhalten hat. Er beleuchtete den Lärmaktionsplan des Landes kritisch und kündigte einen Termin mit Bürgermeister Matthias Möller am 22. Oktober an.

Ewald Bickert, ehemaliger CDU-Stadtverordneter, erinnerte an die Protestaktionen der Herolzer vor gut 20 Jahren zur Errichtung einer stationären Radaranlage, die eine Unterschriftensammlung sowie eine Demonstration mit Straßenblockade beinhalteten. Dies habe damals Kritik und Ärger von Seiten der Stadt nach sich gezogen. Am Ende blieb das Ansinnen erfolglos. Er hoffe, dass sich dies nun ändere, sagte Bickert.

300.000 Euro für Verkehrsberuhigung? Stadtverordnete müssen entscheiden

Die Hoffnung scheint berechtigt, denn wie der Ortsvorsteher ausführte, beschäftigten sich die Stadtverordneten am 2. November mit dem Thema. Sie stimmen darüber ab, ob 300.000 Euro für die Verkehrsberuhigung in Herolz in den Haushalt eingestellt werden. Damit könnten unter anderem zwei Blitzertürme finanziert werden.

In der folgenden, sehr regen Diskussion berichtete Rudi Mihm von Ruhestörungen in den frühen Morgenstunden, verursacht durch Lastwagen, die den Gerlingsberg „hinaufdonnerten“, und plädierte für eine „Einhegung des Verkehrs“ und eine Banneraktion, um den Unmut sichtbar zu machen. Ortsbeiratsmitglied Rudolf Falk stellte eine erste Auswertung der Geschwindigkeits-Anzeigetafeln vor. Demnach seien etwa 425 000 Werte in zweieinhalb Monaten gesammelt worden. Die Anzahl der Übertretungen lag bei fast 29 Prozent, die höchste registrierte Geschwindigkeit betrug 131 Stundenkilometer. Die Messungen erfolgten etwa 50 Meter vor den Displays.

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Ortsschilder könnten versetzt werden

Um eine schrittweise Verbesserung der Verkehrssituation herbeizuführen und das Stadtparlament dazu zu bewegen, positiv über die Investition in Höhe von 300 000 Euro zu entscheiden, einigten sich die Anwesenden auf ein gemeinsames Vorgehen, welchem der Ortsbeirat einmütig zustimmte. So sollen die Wünsche den Fraktionen vorab zugesendet werden. Diese umfassen: zwei Blitzer, mehrere Türme zum Wechseln, zusätzliche Messungen an anderen Durchgangsstraßen, Tempo 30 im gesamten Ort (insbesondere Brückenauer Straße und Zum Gerlingsberg), eine Beschilderung sowie weitere Lärmschutz- und Geschwindigkeitsmaßnahmen. Um der Sache Nachdruck zu verleihen, ist überdies die Teilnahme an der Sitzung des Stadtparlaments sowie eine Unterschriftenaktion vorgesehen. Weitere Punkte sind das Aufhängen von Protestbannern sowie das Bestreben, die Ortsschilder in Richtung Sannerz und Gundhelm versetzen zu lassen.

Wie Dzierzawa erläuterte, schieden er und Schriftführerin Gerda Marburger zur Kommunalwahl am 14. März aus dem Ortsbeirat aus, die übrigen Mitglieder wollen weitermachen. Bis zur Abstimmung der Liste im Dezember sollen Leute angesprochen werden. Der Gang zur Urne wird im Feuerwehrhaus und in der Schule möglich sein. Das Ortsbeiratsbudget in Höhe von knapp 4000 Euro soll verwendet werden für die Verrohrung des Mühlgrabens, die Umrüstung der digitalen Verkehrsdisplays auf Photovoltaik, Reparaturmaterial für Ruhebänke, so am Sonnenweg, sowie für ein Helferessen als Dank an besonders engagierte Mitbürger. (kat)

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