Zweimal Heiliger und eine Heilige: Fred-Markus „Freddy“ Heiliger mit der Stadtpatronin Katharina und seinem Konterfei auf einem Wahlkampfplakat in der Steinauer Brüder-Grimm-Straße.
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Zweimal Heiliger und eine Heilige: Fred-Markus „Freddy“ Heiliger mit der Stadtpatronin Katharina und seinem Konterfei auf einem Wahlkampfplakat in der Steinauer Brüder-Grimm-Straße.

Wahl am 1. November

„Ich habe eben eine starke soziale Ader“: Bürgermeisterkandidat „Freddy“ Heiliger möchte Steinau etwas zurückgeben

  • Tim Bachmann
    vonTim Bachmann
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Fred-Markus „Freddy“ Heiliger (52, parteiunabhängig) will Bürgermeister von Steinau werden. Nicht, um nochmal richtig Kohle zu scheffeln. „Das ist meine Stadt. Ich möchte meiner Stadt etwas zurückgeben. Und ich bin der Meinung, dass ich helfen kann.“ Ideen hat er einige. „Und anderen Ideen gegenüber bin ich aufgeschlossen.“

Steinau an der Straße - Freddy Heiliger ist in Steinau bekannt. Die Grimmstädter wissen, der Polizeibeamte ist kein „Anzugträger“, kein „Prahlhans“, sondern schlicht einer von ihnen. Aus dem kleinen Jungen von nebenan, dessen Großeltern einst den „Konsum“-Markt in der Brüder-Grimm-Straße (am Standort des heutigen „Tabasco“) führten, ist ein gestandener Kerl geworden. Eine echte Steinauer Type. Da wundert es kaum, dass er seinen Gesprächspartner von der Zeitung mit Jogginghose und Adiletten bekleidet empfängt. „Der Freddy halt“, würden wohl einige Steinauer sagen.

Nach seiner Schulzeit an der Brüder-Grimm-Schule hat der gebürtige Schlüchterner den Beruf des Einzelhandelskaufmanns in Steinau erlernt. Seit 33 Jahren ist Heiliger, der seit seiner frühesten Kindheit nur Freddy genannt wird, allerdings Polizist. Bei der Polizei hat er viele Stationen durchlaufen, seit 2006 ist er für die Ermittlungsgruppe Hanau tätig. Mit dem Pendeln kennt er sich folglich aus. Er ist sicher, dass die Bahn-Neubaustrecke kommen wird – und muss. „Wir müssen nun gucken, was für uns erträglicher ist.“

„Freddy“ Heiliger tritt in Steinau als Bürgermeisterkandidat an

Heiliger, der Helmut Schmidt als großes politisches Vorbild nennt, ist „zwar im Herzen Sozialdemokrat“, wie sein Vater, der SPD-Ehrenmitglied war, aber in den vergangenen zehn Jahren habe er sich nicht mehr mit der politischen Entwicklung der Bundes-SPD identifizieren können. Also hat er sich entschieden, als parteiunabhängiger Kandidat anzutreten. Und auch die Politikverdrossenheit, die in Steinau zu Teilen vorherrsche, könne er in gewisser Weise nachvollziehen. „Ich mag das Parteigeklüngel nicht. Das hilft Steinau nicht weiter“, sagt der 52-Jährige.

Das, was aus Sicht von Heiliger einen guten Bürgermeister ausmacht, ist soziale Kompetenz. Und daran habe es in der Vergangenheit gemangelt. Nun gelte es, gemeinsam anzupacken. Der Rathauschef sei da als „Vermittler und Friedensstifter“ gefragt.

In dieser Funktion würde sich der 52-Jährige gern sehen. „Ich habe eben eine starke soziale Ader“, sagt er. Schon seit Kindertagen sei er ehrenamtlich aktiv. Der ehemalige Libero des FV Steinau hat im Bereich der Jugendarbeit viel geleistet. In seiner Zeit als junger Fußballer fiel auch die Aufforderung, als mal wieder ein Elfmeterschütze gesucht wurde: „Freddy, mach’ mal. Du kannst doch Verantwortung übernehmen.“ Er hat die Verantwortung übernommen und fortan die Elfer geschossen.

Nun, da er als Strafstoßschütze nicht mehr gefragt ist, will er auf andere Weise für sein Steinau einstehen. Sein Plan ist es, die Stadt wieder zu einen. Für die Bürger (mit dem Wahlslogan: „Bürger vor allem“), für die Vereine und Organisationen, für junge Familien, die er in die Stadt locken will. „Wir müssen wachsen“, sagt der zweifache Familienvater.

Heiliger: Ich habe eine starke soziale Ader

Dementsprechend müssten Gewerbe- und Wohngebiete erschlossen werden. „Wir brauchen Firmen. Hauptsitze, keine Filialen. Und wir brauchen Zuwachs. Der Schuldenberg wird nicht kleiner“, weiß Heiliger. In diesem Punkt hofft er auf Zusammenhalt und soziale Gerechtigkeit. So soll zum Beispiel über ein Kataster erfasst werden, welche Straßen zuerst saniert werden müssen: „Das sollte nach sozialen und logischen Standards entschieden werden.“

Themen

Zuwachs

Gewerbe- und Wohnflächen ausweisen. „Steinau muss wachsen“, sagt Freddy Heiliger.

Tourismus und Kultur

„Wer an Kultur spart, der geht den Bach runter.“

Vereine, Organisationen und Brandschutz

Heiliger will einen sozialen Vereinsfonds einführen, in den er selbst einzahlt, damit Projekte auf dem kurzen Dienstweg erledigt werden können.

Soziale Kompetenz

Heiliger sind die „Grabenkämpfe“ ein Dorn im Auge. „Wir müssen an einem Strang ziehen“, erklärt er.

Um seinem Steinau etwas zurückzugeben, will er selbst etwas beisteuern und würde mit seinem Bürgermeistergehalt anfangen. Er plant, monatlich einen vierstelligen Betrag in einen sozialen Vereinsfonds einzuzahlen, aus dem dann Projekte von Vereinen und Organisationen finanziert werden könnten. „Ich möchte mit Unternehmern und Financiers sprechen, in der Hoffnung, dass sie meinem Beispiel folgen.“ Denn aus eigener Kraft werde es für Steinau einfach schwierig, die Schuldenproblematik hinter sich zu lassen. „Vielleicht habe ich auch Glück und gewinne im Lotto. Ich habe das mit meiner Frau schon besprochen. Wenn ich 30 Millionen Euro im Lotto gewinne, kommen 29 in einen Koffer und ich bringe sie aufs Rathaus“, sagt Heiliger – und lacht. Die Krux: „Ich spiele nur mittwochs. Da sind selten 30 Millionen im Jackpot.“

„Wenn ich 30 Millionen im Lotto gewinne, gehen 29 ins Rathaus“

Aber auch ohne die Lottomillionen hat Heiliger einiges vor. Er möchte, dass Steinau mit seiner Kultur und Geschichte wuchert. „Die Brüder Grimm, die Heilige Katharina, Erlebnispark, Kletterwald. Das ist unsere Stadt. Wer an Kultur spart, der geht den Bach runter“, ist sich Heiliger sicher. Er möchte vielmehr die Innenstadt beleben. Um das zu erreichen, ist wiederum der Zuwachs gefragt. „Ich habe nichts gegen ein Einkaufszentrum auf der grünen Wiese, aber die Innenstadt darf darunter nicht leiden. Kommen junge Leute, kommen auch Ideen“, sagt Heiliger, der als Beispiel den Weinladen von Julia Hämel in der Brüder-Grimm-Straße nennt.

Woran er auf keinen Fall sparen möchte, sind die Strukturen und das derzeitige Personal in der Stadtverwaltung. „Wir brauchen die Mitarbeiter und ihre Kompetenz, um Steinau wieder auf einen grünen Zweig zu bringen“, so Heiliger.

Und sollte das gelingen, sollten die Finanzen innerhalb von fünf Jahren deutlich besser aussehen, möchte er gern einen Kunstrasenplatz in Steinau realisieren. Aber bis dahin sei es noch ein langer, sicherlich auch steiniger Weg.

Freddy Heiliger ist bereit, diesen Weg zu gehen. Mit knappen Worten, vielleicht etwas hemdsärmelig, ohne ein Hemd zu tragen. Eben anders. Eben der Freddy. Und wenn er wirklich 30 Millionen im Lotto gewinnen sollte, dann würden sie ihm ein Denkmal bauen und sagen: „Der Freddy ist ein Heiliger. Wie Katharina.“

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