Wohnen mit Blick aufs Schloss: Jens Knobeloch hat jeden Tag den schönsten Blick vor Augen.
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Wohnen mit Blick aufs Schloss: Jens Knobeloch hat jeden Tag den schönsten Blick vor Augen.

Wahl am 1. November

„Ich mache Sachen ganz oder gar nicht“: Jens Knobeloch brennt für den Posten als Bürgermeister in Steinau

  • Alexander Gies
    vonAlexander Gies
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Jens Knobeloch sieht sich als Macher. Wenn der 49-jährige Bürgermeisterkandidat den Raum betritt, dann ist der Saal mit einem mal nicht nur erfüllt von seiner großen Statur, sondern von seiner markanten Stimme, die selbstbewusst Sätze sagt wie: „Meine Aufgabe ist es, Probleme zu erkennen und zu lösen. Die Erfolge stellen sich dann schnell ein. Das motiviert.“

Steinau an der Straße - Über seine Tätigkeit sagt Knobeloch: „Ich lebe für meine Arbeit. Ich identifiziere mich mit ihr. Ich gebe alles.“ Nach acht Stunden Schaffen hört er nicht auf. „Das war schon beim Joggen oder im Fitness-Studio so. Ich mache Sachen ganz oder gar nicht“, sagt der Familienvater. Übertragen auf den ersehnten Job im Rathaus soll das bedeuten: Hier will einer Vollgas geben.

Seit elf Jahren ist Knobeloch als selbständiger Interimsmanager tätig. Dann taucht der studierte Betriebswirt als Herr der Zahlen für eine bestimmte Zeit in ein Unternehmen ein, erstellt Jahresabschlüsse und kümmert sich um die Finanzierung. Er überprüft Abläufe, die Personalsituation, führt neue Prozesse ein – solange, bis das Unternehmen wieder alleine laufen kann. Die ganze Woche. Freitags kommt er heim. „Wo ich war, hat’s geklappt“, stellt Knobeloch selbstbewusst fest.

Bei seiner Tätigkeit habe er gelernt, zuzuhören: „Ich frage die Leute nicht aus, ich höre ihnen zu und leite meine Schritte daraus ab. Den Weg gehen wir dann gemeinsam. Ich sitze ja selbst mit im Boot. Ein Mann – ein Wort. Man muss sein Wort halten“, lautet sein Credo. So will er auch als Bürgermeister wirken: „Gestalten statt verwalten, fördern und fordern.“

Jens Knobeloch will Bürgermeister in Steinau werden

Wenn man den Erfolg seiner Arbeit an den Geschenken ablesen könnte, dann könne er wohl stolz auf sich sein, sagt seine Frau Laila amüsiert: „Zwei oder drei Wochen ist das in den Firmen ultrastressig, aber wenn er geht, dann erhält er immer die schönsten Geschenkkörbe.“

Mit ihr, dem zwölfjährigen Sohn und seiner achtjährigen Tochter lebt Knobeloch im Elternhaus am Rande der Steinauer Innenstadt. Vom Wohnzimmerfenster aus hat er einen wunderbaren Blick aufs Schloss. Während des Gesprächs läutet sein Handy: „Ja Mama, ich bin gleich da und helfe dir. Aber geh ja nicht allein raus“, sagt der Sohn, und seine Stimme klingt in diesem Moment gar nicht mehr so dominant.

Knobeloch ist Steinauer. „Meine Partei heißt Steinau“, lautet sein Slogan. Fünf Jahre lang (bis ins Jahr 2011) war er FDP-Partei- und Fraktionsvorsitzender in seiner Heimatstadt, bis der Beruf ihn zu sehr forderte. Als Bürgermeister kommt für ihn nur „ein Steinauer“ in Frage, „weil nur das Nachhaltigkeit garantiert“. Andernfalls sei der Amtsinhaber irgendwann wieder weg, sagt Knobeloch, erwähnt den bisherigen Rathauschef aber nicht beim Namen.

Themen

• Für eine politische Kultur des Miteinanders

• Neue Baugebiete

• Keine Erhöhung der Grundsteuer über vergleichbare Hebesätze hinaus

• Wassernutzungsgebühren stabilisieren

• Erweiterung der Kinderbetreuungsplätze

• Sicherstellung der Nahversorgung

• Neue Geschäfte und Gastronomie in der Innenstadt

• Förderung der Kultur

• Die Museen überregional neu positionieren

• Erhalt beider Freibäder

• Gründung einer „Vereins- und Ehrenamtsagentur“ im Rathaus

• Mittelfristige Senkung des Gewerbesteuerhebesatzes

• Neuansiedlung von Unternehmen und Erschließung weiterer Industrieflächen

• Hotel für Geschäftsreisende im Industriegebiet mit Kantine für dort Tätige

• Interkommunale Zusammenarbeit

Wenn der ehemalige Handballer und Tennisspieler über seine Vorstellungen spricht, dann gilt der Grundsatz: Nur wer groß denkt, der kann auch Großes erreichen. „Die Lösung für Steinau heißt Wachstum: Mehr Firmen und Einwohner bedeuten mehr Gewerbe- und Einkommensteueranteile“, lautet Knobelochs Rechnung. Dafür müsse man ausreichend Gewerbe- und Bauflächen bereit halten. „In Steinau gibt es ja nichts. Da muss man klotzen“, sagt der Kandidat. „40 oder mehr“ Bauplätze in einem ersten Rutsch sollten es schon sein. Das Werben um Firmenneuansiedlungen, die Jobs versprechen, ist für ihn Chefsache. In der Vergangenheit seien „Anfragen verschlafen“ worden, findet er.

Knobeloch: Ich mache Sachen ganz oder gar nicht

Groß, oder besser: positiv denken, das fordert Knobeloch ganz grundsätzlich: „Schlüchtern steht für eine Vision. Steinau spart nur. Hier wird nur der Kollaps kommuniziert.“ Man dürfe aber nicht alles schlecht reden, sondern betonen, was gut sei und die Stadt auszeichne. „Wer nur spart, der kann nicht überleben, weil notwendige Maßnahmen unterbleiben“, sagt der Finanzfachmann.

Beispiel Tourismus: „Ein Museum muss keine Gewinne erwirtschaften, wenn es dafür die Gaststätten und Hotels tun.“ Deshalb müsse der Werbeetat erhöht werden: „Wir sind ein authentischer Ort für die Brüder Grimm. Das müssen wir nutzen“, sagt Knobeloch. Einen Bedarf für ein Hotel sieht er auf jeden Fall, eventuell für zwei: Eines mehr touristisch ausgerichtet, eines für die Firmen im Gewerbegebiet. Dort sollte es auch eine Kantine für alle Firmen geben.

Sparen sei durchaus eine Option, dann aber an der richtigen Stelle: „Ich sage, ein neuer Kindergarten für vier Millionen Euro sind zwei Millionen zu viel. Ich würde die Pläne einstampfen und eine Kernsanierung prüfen. Das kann nicht so teuer sein“, findet Knobeloch. Auch beim geplanten Konzept müsse man „drei Schritte zurücktreten: Vielleicht brauchen wir einen Betriebskindergarten, vielleicht einen im Wald oder auf einem Bauernhof?“, fragt er rhetorisch.

Egal, wie die Lösung ausfällt, Jens Knobeloch wird überzeugen müssen. Aber das sei kein Problem für ihn, betont er: „Ich unterhalte mich gerne, bin geradlinig und rede mit jedem.“

Und ein respektvoller Umgang sei für ihn selbstverständlich – so weit ist es in Steinau schon gekommen, dass man dies betonen muss.

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