Timo Jacob-da Rosa will die Wahl zum Bürgermeister in gut vier Wochen für sich entscheiden. Für Steinau hat er große Pläne.
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Timo Jacob-da Rosa will die Wahl zum Bürgermeister in gut vier Wochen für sich entscheiden. Für Steinau hat er große Pläne.

Wahl am 1. November

„Ich sehe das Gute und weiß, was möglich ist“: Timo Jacob-da Rosa (SPD) will Bürgermeister in Steinau werden

  • Sabine Simon
    vonSabine Simon
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Wenn es nach ihm geht, wird Timo Jacob-da Rosa (SPD) Steinaus nächster Bürgermeister. Und er bringt durchaus passende Qualifikationen mit. Der 31-Jährige hat „Allgemeine Verwaltung“ studiert, arbeitet für die Kreisverwaltung in Gelnhausen. Im Wahlkampf setzt er vor allem auf den Dialog.

Steinau an der Straße - Als in Steinau ein Bürgermeister gesucht wurde, habe er nicht lange gezögert, sagt Timo Jacob-da Rosa, der am 1. November als Kandidat der SPD ins Rennen geht. „Ich bin seit vielen Jahren Mitglied in der Partei. Für mich war es der nächste Schritt, irgendwann mehr Verantwortung zu übernehmen. Das Amt als Bürgermeister ist dafür perfekt. Mit meinem Alter von 31 Jahren sehe ich mich durchaus in der Tradition erfolgreicher Bürgermeister in der Region“, erklärt er seine Motivation. Dabei könne er seine politischen Ambitionen und sein Können in Sachen Verwaltung optimal kombinieren.

Und Verwaltung kann der 31-Jährige ziemlich gut. Im Zuge seiner Ausbildung beim Main-Kinzig-Kreis studierte er „Allgemeine Verwaltung“. Nach Stationen beim Fahrerlaubnisrecht und als Teamleiter „Gewerbewesen“ in der Kreisordnungsbehörde ist er derzeit in der Sachgebietsleitung der Verkehrsbehörde des Main-Kinzig-Kreises tätig. Jacob-da Rosa kennt sich aus mit kommunaler Verwaltung, der hessischen Gemeindeordnung, mit Fördertöpfen und bürokratischen Abläufen. „Es gilt, keine Förderung mehr zu versäumen. Hier muss es einen Mitarbeiter geben, der sich nur darum kümmert, gern auch in Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen.“

Timo Jacob-da Rosa (SPD) tritt als Bürgermeister in Steinau an

Im Gespräch mit Jacob-da Rosa wird schnell klar: Polemik oder Streitlust sucht man bei ihm vergebens. Der 31-Jährige schlägt ruhigere Töne an, seine Vorhaben sind durchdacht und nicht einfach „Wahlversprechen, die nachher nicht eingehalten werden“, betont er. Als Bürgermeister müsse man vermitteln können, zwischen den einzelnen Interessen, meint der 31-Jährige und blickt kritisch auf die vergangenen Jahre: die Querelen mit seinem Vorgänger, die tiefen Gräben, die es teilweise gibt. Jacob-da Rosa will sie zuschütten, die städtischen Gremien einen, eine gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung gewährleisten. Das sei bitter nötig.

Was er mit Steinau vorhat, fasst der Sozialdemokrat so zusammen: Digitalisierung der Verwaltung, um effizienter und sachorientierter arbeiten zu können. Wobei ihm natürlich klar ist, dass in einer Stadt wie Steinau mit rund 11.000 Einwohnern einiges anders läuft als in einem größeren Verwaltungsapparat wie dem des Main-Kinzig-Kreises.

Jacob-da Rosa findet, „Steinau ist wie gelähmt“. Die finanzielle Schieflage schwebe wie ein Damoklesschwert über der Stadt. Hinzu komme der Investitionsstau. „Hier sind über Jahre viele Dinge versäumt worden“, sagt der Bewerber um den Chefposten im Rathaus und meint damit unter anderem den Kita-Neubau samt Kinderbetreuung, das Thema Straßensanierung, die geplante Bahn-Neubaustrecke, die vielen Leerstände in der Innenstadt oder auch die Ausweisung neuer Baugebiete. „Steinau hat viele Baustellen“, sagt er und will die Stadtteile dabei nicht außer Acht lassen.

Themen

Stadtteilkonferenzen

Gemeinsam mit Bürgern, Vertretern des Stadtparlaments und der Ortsbeiräte bis Ende 2020 in allen Stadtteilen, ab 2021 regelmäßig.

Moderne Verwaltung

Steinau zu einem der modernsten Rathäuser im Kreis umgestalten; Verwaltung digitalisieren; mobiles Bürgerbüro für die Stadtteile.

Familienfreundlich

Konsequent familienfreundliche Politik (Schulstandort, Kinderbetreuung, Jugend- und Vereinsarbeit, Angebote für ältere Menschen); vorausschauende Flüchtlings- und Einwanderungspolitik; mehr Neubaugebiete.

Gesund und sicher

Für Hausarztversorgung stark machen; Modellprojekt „Gemeindeschwester Plus“ initiieren; mehr Personal für die Polizeistation Schlüchtern, um Steinau zu sichern; Feuerwehren stärken.

Mobilität

Potenzial von Autobahn- und Bahnanbindung nutzen; Belastung durch Straßenausbaubeiträge so gering wie möglich halten; günstigere Bahnpreisstufe mit RMV verhandeln; Ausbau Bahnstrecke mit Augenmaß.

Unternehmen

Parkplätze für Bahnpendler ausbauen; Zusammenarbeit mit Wirtschaft verbessern; Vermarktung Industriegebiet; Vermarktung städtisches Bauland; Technologie- und Gründerzentrum etablieren.

Finanzen

Seriöser Ausgleich zwischen Investitionen in Infrastruktur und Sparen; keine Förderung mehr versäumen.

Fairness

Fairer, respektvoller Umgang mit den ehrenamtlichen Mandatsträgern, Mitarbeitern der Verwaltung und Bürgern.

Weitere Themen: unter anderem Natur, Kultur und Erholung.

Auf die Frage, wo er denn zuerst anpacken wolle, hat Jacob-da Rosa schnell eine Antwort parat: „Es wäre viel zu einfach, die Schuld anderen in die Schuhe zu schieben. Das bringt aber nichts. Als erstes muss eine Bestandsaufnahme erfolgen. Nur so können wir an den richtigen Stellschrauben drehen“, sagt der Verwaltungsfachwirt. Er wolle deshalb Stadtteilkonferenzen einführen. „So können wir herausfinden, wo der Schuh drückt.“ Hierzu passt auch sein Bürgerbüro in der Brüder-Grimm-Straße – mehr ein Ort des Dialogs, als des Wahlkampfs. Derzeit ist er in den Stadtteilen unterwegs und bietet „Gartenzaungespräche“ an. Jacob-da Rosa will „Bürgermeister für ganz Steinau“ sein. „Die Stadtteile fühlen sich abgehängt. Das will ich ändern.“

„Ich sehe das Gute und weiß, was möglich ist“

Auch innerhalb der Verwaltung müsse „aufgeräumt“ werden, sagt Jacob-da Rosa, der gleichzeitig beruhigt, dass niemand um seinen Job fürchten müsse. Es gehe um Effizienz. „Wer hat welche Qualifikationen und welche Aufgabenbereiche? Und wo können wir Mitarbeiter entlasten? Das sind die wichtigsten Schritte“, erklärt er weiter. Nur wenn die Verwaltung reibungslos funktioniere, könne man die „zentralen Aufgaben“ auch abarbeiten – selbstverständlich in enger und kollegialer Zusammenarbeit mit den städtischen Gremien.

Jacob-da Rosa hat sich viele Gedanken gemacht, wie er Steinaus Zukunft gestalten möchte. Er will die Marke Brüder-Grimm-Stadt ausbauen, ein touristisches Gesamtkonzept mit anderen Steinauer Institutionen und Städten im Main-Kinzig-Kreis entwickeln. „Und Steinaus Potenzial nutzen, gemeinsam mit dem Schloss oder dem Erlebnispark“, erklärt er. Wichtig sei, Steinau nicht kaputt zu sparen – nicht auf Kosten von Freizeit und Kultur. „Schauen Sie sich an, was wir haben: Museen, Freizeitangebote, wunderschöne Natur.Das muss ausgebaut werden.“

Mit Steinau und Schlüchtern verbindet er den größten Teil seiner Kindheit und Jugend, legte am Ulrich-von-Hutten-Gymnasium das Abitur ab. „Ich kenne die Region wie meine Westentasche und weiß, wie wir Menschen von hier ticken. Ich sehe das Gute in Steinau. Ich weiß, was möglich ist und ich weiß, was ich kann“, sagt Jacob-da Rosa, der mit seinem Mann derzeit in Hanau lebt. Wenn er am 1. November zum Bürgermeister gewählt wird, will Jacob-da Rosa, der derzeit eine Ausbildung zum Notfallseelsorger absolviert, nicht nur sofort umziehen, sondern auch der Freiwilligen Feuerwehr beitreten. „Das ist mein Beitrag für das Allgemeinwohl“, sagt der 31-Jährige, der das Krisenmanagement der Stadt in den Anfängen der Pandemie bemängelt. „Viele Bürger haben sich alleingelassen gefühlt. Daraus müssen wir lernen.“

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