Anja Hartmann zeigt, wie Waldbaden geht.
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Einfach mal entspannt an einen Baum anlehnen und den Wald mit allen Sinnen genießen: Anja Hartmann zeigt, wie es geht.

Immunsystem stärken in der Natur

Waldbaden: Schlüchternerin erklärt, wie es richtig geht

Gerade jetzt in Zeiten von Corona ist ein gestärktes Immunsystem wichtig. Anja Hartmann hat dafür ein gutes Rezept: das Waldbaden. „Ein Waldbad ist Medizin zum Einatmen“, schwärmt die Schlüchternerin.

Schlüchtern - Die Wurzel des Waldbadens findet sich in Japan. In dem asiatischen Land heißt es „Shinrin Yoku“, was „Baden in der Waldluft“ bedeutet und dort medizinisch verordnet wird. In Studien wurde festgestellt, dass ein Aufenthalt im Wald auf körperlicher und psychischer Ebene positive Änderungen bewirkt. Das Immunsystem werde gestärkt, der Blutdruck und Blutzuckerspiegel gesenkt, Anti-Krebs-Proteine würden erhöht und vieles mehr, weiß die 62-Jährige. Dies geschieht durch pflanzliche Terpene, die der Mensch zum großen Teil mit der Atemluft aufnimmt.

Das stärkt nicht nur das Immunsystem. Auch Menschen mit chronischen Schmerzen oder Rückenproblemen profitieren von einem Waldbad. Dabei muss sich keiner körperlich verausgaben. Priorität hat, den Wald mit allen Sinnen zu genießen und wahrzunehmen. Achtsamkeit, Langsamkeit, Entschleunigen, Schlendern stehen im Vordergrund.

Hartmann ist „Waldbademeisterin“

Anja Hartmann, die in der Region als Übungsleiterin von Reha-Sport bekannt ist, hat eine qualifizierte Ausbildung absolviert, darf sich heute „Waldbademeisterin“ nennen und entsprechende Kurse geben, derzeit nur für Einzelpersonen oder Familien. Sie bezeichnet sich selbst als „Naturkind“. Schon von Kindesbeinen an war sie immer gern im Freien und im Wald unterwegs. Daraus hat sich eine „Liebe“ entwickelt, die bis heute anhält. Kein Tag, an dem sie nicht mehrere Stunden im Wald ist. Oft geht es schon morgens früh um sieben Uhr raus. Rund um ihren Wohnort Breitenbach oder im nahen Vogelsberg, wo es ihrer Ansicht nach sehr schöne naturbelassene Abschnitte gibt.

Um den Menschen während der Corona-Einschränkungen eine sinnvolle Beschäftigung draußen in der Natur näherzubringen und gleichzeitig eine Möglichkeit zur Stärkung des Immunsystems zu bieten, hat sich die Fachfrau eine einfache Übung zum Waldbaden überlegt, die sie unseren Lesern beschreibt. 

Ein kleiner Kurs im Waldbaden

1. Abstreifen der Gedanken und Probleme: Nach dem Ankommen im Wald mit den Händen an Armen, Beinen und dem Oberkörper entlang von oben nach unten streifen, um den Alltag mit all seinen Problemen abzustreifen.

2. Den Wald mit allen Sinnen genießen: Nach rechts und links schauen und staunen über diese wunderbare Natur. Die Rinde eines Baumes genau anschauen, sie fühlen und um den Baum herumgehen. Kleine Details der Pflanzen oder Tiere am Boden wahrnehmen. Die Augen schweifen lassen und die grüne Farbe genießen. Wer möchte, kann die Augen schließen und Dinge fühlen, die auf dem Waldboden liegen. Was ist es für ein Geruch? Dabei nichts bewerten. Alles darf so sein, wie es ist. Dabei durch den Wald schlendern, Licht- und Schattenspiel und die Geräusche wahrnehmen. Zwischendurch die Blickrichtung ändern, mal nach oben in die Baumkronen, mal nach unten schauen. Das Gesicht der Sonne zuwenden, die Augen schließen und die Wärme genießen. Wenn es zu anstrengend wird, eine Pause einlegen.

3. Atemübung: Bequem hinstellen, die Hände auf den Unterbauch legen. Den Atemrhythmus wahrnehmen, ganz entspannt. Zum Abschluss noch einmal drei tiefe Atemzüge und bewusst lange ausatmen – wer mag mit geschlossenen Augen. Danach recken und strecken und die Erkundung im Schlendergang fortsetzen. Die kleine Atemübung mehrmals wiederholen.

4. Abschluss: Vor dem Verlassen des Waldes einen Moment nachspüren, wie es einem geht. Vielleicht nochmal direkten Kontakt zu einem Baum aufnehmen, mit dem Rücken dagegen lehnen – oder einen Baum umarmen, seine Stärke spüren und dieses Gefühl mitnehmen. Am Ende beim Wald bedanken, dass man dort sein durfte.

Leser, die Bedenken wegen einer möglicherweise zu großen Kraftanstrengung haben, beruhigt sie. Bei einem zweistündigen Waldbad legt man höchstens 2,5 Kilometer zurück. Wichtig ist, dass man sich in aller Ruhe dem Wald hingebe, dem Vogelgesang, dem Duft, der Farbe Grün, dem Murmeln eines Baches. Da kann auch mal ein Baum umarmt werden, aber das muss nicht sein. Wichtig sei, dass die Menschen wieder mehr Achtsamkeit lernten. Das sei vielen abhandengekommen.

Kontakt Anja Hartmann: Telefon (06661) 916554, (0160) 7352607 oder über die Webseite.

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