Eine Gedenktafel mit dem Abbild des vom NSU ermordeten Enver Simsek hängt am Tatort an einem Baum.
+
Eine Gedenktafel mit dem Abbild des vom NSU ermordeten Enver Simsek hängt am Tatort an einem Baum.

Zum Gedenken

Erstes NSU-Opfer: Platz in Jena nach Enver Şimşek aus Schlüchtern benannt

Zum Gedenken an die NSU-Opfer ist am Samstag in Jena ein Platz nach dem türkischstämmigen Blumenhändler Enver Şimşek aus Schlüchtern benannt worden. Hinterbliebene legten weiße Rosen nieder. 

Update vom 19. September, 15.33 Uhr: In Jena ist ein Platz nach dem ersten bekannten Mordopfer der rechtsextremen Terrorzelle NSU benannt worden. Auf einer Gedenktafel wird an den vor 20 Jahren in Nürnberg erschossenen Blumenhändler Enver Şimşek aus Schlüchtern und an die anderen neun Mordopfer des NSU-Terrors erinnert. Hinterbliebene Şimşeks, Politiker und Jenaer Bürger legten am Samstag weiße Rosen nieder.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) rief Polizisten dazu auf, rassistischen und rechtsextremen Einstellungen in ihren eigenen Reihen deutlich entgegenzutreten. Zudem sei eine wissenschaftliche Analyse zu Rassismus bei der Polizei mehr als überfällig, sagte er angesichts jüngst aufgedeckter rechtsextremer Chatgruppen von Polizisten in Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern. Ramelow: „Gerade im Polizeiapparat ist eine Kultur notwendig, dass man nicht schweigt und nicht wegschaut.“

Abdulkerim Şimşek, Sohn des NSU-Opfers Şimşek, erinnerte daran, dass damals die Ermittler seine Familie ins Visier nahmen und vielfältigen Verdächtigungen aussetzte statt von einer rechtsextremistischen Gewalttat auszugehen. „Der Staat ist weiterhin auf dem rechten Auge blind“, sagte er. Die Urteile im Münchner NSU-Prozess seien zu milde gewesen und schreckten rechte Gewalttäter nicht ab. Zudem seien bis heute nicht alle Hintergründe zur Terrorserie und ihrer Unterstützer aufgeklärt, betonte der 33-Jährige. „Wir müssen noch heute davon ausgehen, dass Mittäter frei herumlaufen.“ Der neue Enver-Şimşek-Platz befindet sich im Jenaer Stadtteil Winzerla - dort, wo sich die Haupttäter in den 1990er Jahren radikalisiert haben. 

Einstige Heimat der NSU-Terroristen benennt Platz nach Enver Şimşek aus Schlüchtern

Erstmeldung vom 19. September, 9.50 Uhr: Jena/Schlüchtern - Der Blumenhändler Enver Şimşek wurde vor 20 Jahren in Nürnberg erschossen und ist das erste von insgesamt zehn bekannten Mordopfern der rechtsextremen Terrorzelle. In Jena hatten sich die Haupttäter des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in den 1990er Jahren radikalisiert und waren dann in Sachsen untergetaucht. Zur Benennung des Enver-Şimşek-Platzes in der zweitgrößten Stadt Thüringens wird die Familie des Toten ebenso wie der türkische Generalkonsul Serdar Deniz erwartet.

„Dieser Platz steht für die ehrende Erinnerung an Enver Şimşek“, erklärte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) vorab. „Er steht aber auch dafür, dass die mörderische Ideologie des Rassismus und des Rechtsterrorismus nicht gebannt sind und dass die Aufarbeitung des NSU-Komplexes längst nicht abgeschlossen ist.“ (dpa)

Lesen Sie hier: Heute vor 20 Jahren ermordete der NSU sein erstes Opfer – Blumenhändler Enver Simsek aus Schlüchtern galt lange als Täter Und: Kundgebung zum Gedenken an Schlüchterner NSU-Opfer Enver Şimşek in Nürnberg

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema