Fotos: Tim Bachmann

Karl Th. Hahn übergibt Werke von Wild ans Stadtarchiv

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - Der Name Josef Georg Wild ist Jüngeren wohl kaum ein Begriff. Ein Zustand, der sich ändern sollte, denn Wild ist ein wahrer Künstler. Vielmehr: Er war, denn der Maler starb vor 50 Jahren. Einige seiner Werke hat er seinem Weggefährten, KN-Ehrenredakteur Karl Th. Hahn (81), hinterlassen. „Die Schätze dürfen nicht verloren gehen“, befand Hahn unlängst und übergab die Werke dem Stadtarchiv.

Von unserem Redaktionsmitglied Tim Bachmann

Zwei große Mappen hat er unter den Arm geklemmt, als er das Schlüchterner Stadtarchiv im Keller der Stadthalle schnellen Schrittes betritt. „Da sind die Schätze“, sagt Karl Th. Hahn an Stadtarchivar Bernd Ullrich gewandt und lächelt. „Ich bin schon ganz gespannt“, erzählt Ullrich, der zwar mit dem Namen Josef Georg Wild etwas anfangen kann, allerdings mit dessen Werken nicht allzu vertraut ist, wie der Schlüchterner Stadtarchivar bekennt.

Dann klappen die beiden Männer die erste Mappe auf: Aquarelle, Linol- und Kupferstiche, Tusche- und Kreidezeichnungen kommen zum Vorschein. Darunter viele vollendete Werke, einige Entwürfe, die der Künstler von beiden Seiten bemalt hat. Stillleben, Porträts, Landschaften – zahlreiche Werke von Josef Georg Wild, die seine Passion verdeutlichen.

Entwicklung einer „tiefen Freundschaft“

„Guck mal, dass ist die Krämerstraße. Toll“, sagt Ullrich beim Begutachten einer Aquarellzeichnung. „Sowas hat er ratzfatz gemalt“, weiß Hahn zu berichten. Denn er kannte den Maler über viele Jahre. Schon bald nachdem die Eheleute Wild im Jahr 1954 nach Schlüchtern gezogen waren, „entwickelte sich eine tiefe Freundschaft von mir und meiner Frau Ursula zu ihnen, die Jahrzehnte lang anhielt“, berichtet Hahn.

Diese Freundschaft war der Grund dafür, dass Elisabeth Wild nach dem Tode ihres Mannes im Jahr 1970 zwei Sammelmappen mit dessen Werken, die er zu Lebzeiten nicht hat verkaufen können, dem Freund Karl Th. Hahn überließ. Viele Jahre lang hütete Hahn die Werke „wie einen Schatz“. Aber nicht gänzlich von der Öffentlichkeit versteckt. Denn zehn Jahre nach dem Tod des Freundes organisierte er eine Ausstellung in der Schlüchterner Kreissparkasse. „Eine Gedächtnisausstellung, die von mir ausgerichtet wurde“, so der KN-Ehrenredakteur.

Und da er inzwischen auch nicht mehr der Jüngste sei, und die „Schätze nicht verlorengehen dürfen“, beschloss er, sie dem Stadtarchiv zu vermachen. Sehr zur Freude von Bernd Ullrich.

Gerne Landschaften gemalt

Zurück in die Gegenwart: Auf dem großen Tisch im Stadtarchiv sammeln sich die Werke. Gespannt werten Hahn und Ullrich den Fundus aus. „Er hat gern Landschaften gemalt“, berichtet Hahn. „Und Porträts hatten es ihm angetan.“ Darin sind sich die alten Freunde wohl ähnlich. Doch während Josef Georg Wild seine Porträts mit Pinsel und Farbe fertigte, nutzte Hahn die Macht der Worte.

Gut und gern 30 Bilder von Wild sind in der ersten Mappe zu finden. Darunter auch einige frühe Werke, Schwarzweiß- und Rötelzeichnungen.

Zeichnung der Autobahn Richtung Wiesbaden

Dann klappen Hahn und Ullrich die zweite Mappe auf. „Das ist doch bei der Autobahn in Richtung Wiesbaden“, stellt Ullrich zu einem Bild fest. „Ja, er wurde zum Zeichnen dienstverpflichtet“, berichtet Hahn. Die beiden Herren beäugen weiter die Werke, tauschen Wissen aus. „Ach, schau an, Gundhelm“, frohlockt Ullrich. Und: „Die Türme Schlüchterns scheinen es ihm angetan zu haben.“ Einige Linolstiche belegen dies.

„Vielleicht werden sie irgendwann einmal als sehr wertvoll angesehen. Bei vielen Malern war es ja so, dass sie zur Lebzeit nicht hoch geschätzt und später sehr berühmt wurden“, meint Hahn.

Und was soll mit den Bildern jetzt geschehen? „Ausstellen“, sagt Ullrich. Aber dafür müssen noch ein paar Dinge geklärt werden.

Zur Person Josef Georg Wild

Josef Georg Wild (1905 bis 1970) wurde im Frankfurter Stadtteil Griesheim geboren und lebte ab 1954 in Schlüchtern. „Er war ein zurückhaltender Mensch, der sich in keiner Weise über andere erhoben fühlte“, beschreibt ihn sein Freund, Karl Th. Hahn. Schon während seiner Volksschulzeit hatte Wild den Plan, Maler zu werden. Der Weg dorthin führte über die Zeichnungsregistratur der Adlerwerke, Privatunterricht, Abendkurse sowie ein Studium an der Frankfurter Städtischen Kunstschule.

Bis März 1932 war er Vollschüler in der Malerklasse des Professors J. W. Cissarz, dessen Meisterschüler er wurde. In einem Zeugnis bescheinigte ihm Cissarz großen Fleiß und ernstes Streben. Bei allem Schaffen habe er vorzügliche Arbeit geleistet. Nach Abschluss des Studiums stellte ihm die Stadt Frankfurt ein geräumiges Atelier, in dem er fast ein Jahrzehnt lang voller Schaffenskraft wirken konnte. 1942 wurde er zum Militärdienst eingezogen, 1943 musste er an die Ostfront, wo er 1945 in russische Gefangenschaft geriet.

Zurück aus dem Krieg begann seine Zeit im Bergwinkel, genauer: in Herolz. Dort lebte Elisabeth Wild, die er 1938 geheiratet hatte, in der Nähe ihrer Eltern. Die ursprüngliche Wohnung in Frankfurt war durch eine Bombe zerstört worden. Ab 1951 leitete Wild in den Wintermonaten Kurse in Plakatschrift der Schlüchterner Volkshochschule.

Ab 1954 hielt er Unterricht an der Kreisberufsschule. Zunächst waren es nur wenige Stunden, in denen er im kaufmännischen Bereich Fachunterricht über Dekoration und Schriftenmalerei gab. Später unterrichtete er viele Jahre lang umfangreich in technischer Malerei. / th

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