Der „Treffpunkt von Fachwerk- und Märchenstraße“ in Steinau
+
Steinau nutzt den „Treffpunkt von Fachwerk- und Märchenstraße“ gezielt als Marketing-Instrument für den Tourismus. Während der Corona-Krise müssen die Besuchergruppen fortbleiben.

Für kleinere Städte wie Steinau eine Katastrophe

Wenn die Touristen wegbleiben müssen

  • Sabine Simon
    vonSabine Simon
    schließen

Die Bundesregierung ruft die Menschen weiterhin dazu auf, im Kampf gegen das Coronavirus auf private Reisen und auf überregionale tagestouristische Ausflüge zu verzichten. Das trifft besonders kleinere Städte wie Steinau.

Keine Stadtführungen, keine Besuchergruppen aus dem Ausland, und auch das Schloss hat derzeit seine Tore für Besichtigungen geschlossen. Hinzu kommt, dass in Steinau bereits seit Jahren ein Rückgang des Einzelhandels zu verzeichnen ist. Zwar gibt es einige Geschäfte entlang der Brüder-Grimm-Straße, es gibt Metzger, Bäcker und Lebensmittelgeschäfte. Doch hat gerade der Tourismus bislang zu einer Belebung beigetragen, die derzeit wegfällt.

„Große Teile der Touristen kommen aus kulturellem Interesse nach Steinau, um hier die Museen zu besuchen oder Stadtführungen zu machen“, erklärt Claudia Dorn, Leiterin des Steinauer Verkehrsbüros. Bereits im Vorfeld organisierte Studienreisen und Gruppenausflüge nach Steinau seien aufgrund der Ungewissheit storniert oder auf das kommende Jahr verschoben worden. „Wir haben seit vielen Jahren Kontakt zu einer türkischen Reiseveranstalterin mit Sitz in Deutschland, die mit zahlreichen türkischen Schülergruppen jeweils im Frühjahr und Sommer nach Steinau kommt. Sämtliche Buchungen wurden hier storniert, und wir haben das bereits vereinnahmte Geld zurücküberwiesen“, so Dorn weiter. Der finanzielle Schaden, welcher der Stadt entstehe, sei derzeit noch nicht zu beziffern.

Jede Stornierung bedeutet wegfallende Einnahmen

Klar ist: Jede Stornierung bedeute im Umkehrschluss wegfallende Einnahmen für die Museen, keine Umsätze durch den Verkauf von Eintrittskarten, kein Verdienst für die Gästeführer, keine Vermittlungsgebühren für das Verkehrsbüro beziehungsweise die Stadt. „Aber auch keine Einnahmen für die Gastronomie, für den Einzelhandel, beispielsweise den Bäcker oder den Metzger, keine Ausgaben für Andenken, den Restaurantbesuch, das Eis beim Italiener oder für das Betanken des Pkw“, so Dorn.

Die Touristen fehlten einfach. „Hierzu zählen auch private Reisen nach Steinau, beispielsweise um Verwandte oder Freunde zu besuchen.“ Besonders schmerzlich sei das Ausbleiben der internationalen Gäste. „Diese kommen in Steinau in der Tat von allen Kontinenten. Die Corona-Pandemie wird da noch lange Zeit nachwirken“, erklärt Dorn weiter.

Seit Beginn der Kontaktbeschränkungen wurden in Steinau bereits 33 Stadt- und Museumsführungen storniert. „Die Zahlen vom Schloss sind hier noch nicht mal dabei. Die Zahl der Teilnehmer aller stornierten Führungen beläuft sich aufgrund der avisierten Teilnehmer bereits jetzt auf mehr als 740 Personen“, sagt Dorn. Die Übernachtungszahlen stehen auf dabei auf einem extra Blatt. Im Jahr 2019 hatte es laut Zahlen von Spessart Touristik mit 22 068 Übernachtungen ein Plus von 7,8 Prozent zum Vorjahr gegeben. Die Verweildauer der Touristen lag dabei bei 2,6 Tagen.

Positiver Trend in den vergangenen Jahren

Insgesamt war in den vergangenen Jahren touristisch ein positiver Trend im gesamten Main-Kinzig-Kreis erkennbar gewesen. Spitzenreiter in Sachen Übernachtungen waren hier die beiden Kurstädte Bad Orb (447 014) und Bad Soden-Salmünster (361 114). Gut sah es auch in anderen Bergwinkel-Gemeinden aus: Schlüchtern hatte 25 835 Übernachtungen, Sinntal 11 676 Übernachtungen.

Derweil geht es bei Claudia Dorn erneut um Absagen: darunter die offene Märchenstadtführung mit König Drosselbart im April und die Veranstaltung am ersten Sonntag im Mai unter dem Motto „Zeitreise in Ludwig Emil Grimms Steinau“. Auch die 28. Steinauer Puppenspieltage fallen aus. „Das stimmt uns besonders traurig. Zwar liegt der geplante Termin im Herbst (19. bis 30. September), doch die Vorbereitungsphase mit der Generierung von Spendengeldern hätte bereits anlaufen müssen,“, sagt Dorn. Außerdem habe Steinau noch keinen genehmigten Haushalt.

Um die Krise zu überbrücken, wolle man noch attraktivere Angebote aus der Taufe heben, erklärt Dorn. Hier sei man gerade noch in der Entwicklungsphase. „Wir möchten zum Beispiel auf unsere attraktiven Wanderwege aufmerksam machen“, erklärt die Expertin.

Unabhängig davon könnten Besucher an einem interaktiven Stadtrundgang teilnehmen. Völlig kontaktlos. „An allen wichtigen Sehenswürdigkeiten sind QR-Codes angebracht, die man mit dem Smartphone scannt“, sagt Dorn. Sie hofft, dass sich die Lage im Herbst wieder entspannt. Auch für die Zeit nach der Krise hat das Team Ideen entwickelt. Diese sollen aber vorerst noch geheim bleiben.

Seit Anfang Juli 2020 kursierten dann Meldungen, dass die Museen in Steinau an der Straße wegen des Sparkurses der Stadt schließen, und die Sorge, dass Mitarbeiter entlassen werden müssen. Ab 15. Juli sollte es eine Demonstration für den Erhalt der Museen geben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema