Elke Weber mit neun jungen Gastkatzen im ehemaligen Kinderzimmer.
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Elke Weber mit neun jungen Gastkatzen im ehemaligen Kinderzimmer.

Katzen- statt Kinderzimmer

Elke Weber und Bernd Casper aus Bad Soden-Salmünster kümmern sich um herrenlose Katzen

  • Sebastian Reichert
    vonSebastian Reichert
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14 Gastkatzen und 5 eigene leben im Haushalt von Elke Weber und Bernd Casper in Kerbersdorf, einem Stadtteil von Bad Soden-Salmünster im Main-Kinzig-Kreis. Sie nehmen verwilderte Tiere in ihrer Pflegestelle auf, versorgen sie und vermitteln sie an neue Besitzer.

Bad Soden-Salmünster - Das Paar hat das Kinderzimmer nach dem Auszug der jüngsten Tochter katzengerecht eingerichtet. Dort gibt es Möglichkeiten zum Klettern, Kratzen und Verstecken. Auch den Gang zum Katzenklo erlernen die jungen Tiere dort.

Eine Stunde dauert es morgens, die tierischen Gäste und die fünf eigenen Katzen zu füttern und deren Klos herzurichten. Kranke Tiere werden mit Medikamenten versorgt.

Katzen werden kastriert und tätowiert

Elke Weber und Bernd Casper streicheln die anfangs scheuen Tiere unentwegt und gewöhnen sie so an den Kontakt mit dem Menschen. Denn sie sollen alle in Haushalte vermittelt werden.

Eine Katzenmutter mit fünf eigenen Tierkindern versorgt gerade vier weitere Kätzchen, die ohne Mutter aufgenommen worden sind. Noch zeigen die kleinen Waisen fauchend ihre spitzen, kleinen Zähnchen, wenn ihnen eine menschliche Hand zu nahe kommt.

420.000 Katzen-Nachkommen in sieben Jahren

Die Mitglieder des Tier- und Naturschutzvereins Unterer Vogelsberg, dem sich Elke Weber und Bernd Casper angeschlossen haben, fangen die verwilderten und herrenlosen Katzen, um sie kastrieren und tätowieren zu lassen. Damit wollen sie den Kreislauf, der sich aus der Gebärfreudigkeit der Gattung ergibt, unterbrechen.

Nur wenige Wochen nach der Geburt, bei der eine Katze in der Regel drei bis sechs Junge wirft, sind die Muttertiere wieder aufnahmebereit. Jungtiere sind im Alter von sechs Monaten geschlechtsreif. Katzen vermehren sich durchschnittlich zwei Mal pro Jahr. Pro Wurf überleben etwa drei Kätzchen. Dann summiert sich die Anzahl der Nachkommen in sieben Jahren auf 420.000 Tiere.

Vorhaben der Kastration nicht überall gern gesehen

Neben der hohen Fertilität sind wildlebende, herrenlose Katzen großem Elend ausgesetzt, berichtet Elke Weber. Diese leiden vielfach an Hunger und Krankheiten und können dann auch Katzen anstecken, die als Freigänger mit Menschen zusammenleben. Deshalb hatten die Tier- und Naturschützer im Frühjahr zu einem runden Tisch zum Katzenschutz nach Lauterbach eingeladen.

Ausgehend vom Bundesnaturschutzgesetz als Rechtsgrundlage können Kommunen Verordnungen erlassen, die die Kastration von Katzen auf ihrem Gebiet vorschreiben. Etliche Städte und Gemeinden haben dies bereits getan. Das bietet für die Tier- und Naturschützer den Vorteil einer Rechtsgrundlage. Denn bisher sind die Tierfreunde mit ihrem Vorhaben nicht überall willkommen. 

37 verwilderte Katzen an einem Bauernhof gefanden

Elke Weber und Bernd Casper berichten von ganz unterschiedlichen Erfahrungen. So erinnern sie sich an einen Bauernhof in der Umgebung, wo sie im vergangenen Jahr innerhalb von 14 Tagen 37 verwilderte Katzen eingefangen hatte.

Die Vorsitzende des Tier- und Naturschutzvereins Unterer Vogelsberg, Anke Feil aus Birstein, ist Tierärztin. Sie kastriert die gefangenen Katzen. Diese bekommen deshalb keinen Nachwuchs mehr und streunen weniger, wodurch die Gefahr sinkt, Opfer im Straßenverkehr zu werden.

Da kastrierte Katzen weniger in Revierkämpfe verwickelt sind, werden Infektionskrankheiten eingedämmt, was wiederum die Lebenserwartung der Tiere anhebt. Da die Tiere tätowiert sind, lassen sie sich bei Verlust leicht zuordnen. (bak)

Kontakt

Wer eine Katze aufnehmen, selbst eine Katzenpflegestelle einrichten möchte oder Fragen hat, der kann sich an Elke Weber und Bernd Casper wenden. Sie sind erreichbar unter der Telefonnummer (06056) 209033 oder mobil (01512) 1676312 sowie an den Tier- und Naturschutzverein Unterer Vogelsberg, Telefon (0 66 68) 9199377, E-Mail (1.vorsitzende@tina-uvb.de) c/o Anke Feil, Zum Ahl 1, 63633 Birstein.

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