Dies ist ein Beispiel für ein Flüssigmist-Erdbecken, wie es zwischen Kerbersdorf und Katholisch-Willenroth entstehen soll. Zum Schutz für Menschen wie auch für Wildtiere soll ein Erdwall samt Zaun den Zugang verwehren.
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Dies ist ein Beispiel für ein Flüssigmist-Erdbecken, wie es zwischen Kerbersdorf und Katholisch-Willenroth entstehen soll. Zum Schutz für Menschen wie auch für Wildtiere soll ein Erdwall samt Zaun den Zugang verwehren.

Bauaufsicht prüft

Erdbecken für Flüssigmist soll in Kerbersdorf entstehen - Anwohner haben Bedenken

  • Hanns-Georg Szczepanek
    vonHanns-Georg Szczepanek
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Auf einem Gelände der Baiersmühle nördlich von Kerbersdorf soll ein Erdbecken für Flüssigmist entstehen, das rund 3000 Kubikmeter fasst. Um das Für und Wider zu erörtern, trafen sich jetzt Mitglieder der Ortsbeiräte von Kerbersdorf und Katholisch-Willenroth mit Mandatsträgern der Kurstadt und den Vorhabenträgern vor Ort. Denn vonseiten der Anwohner sowie kurstädtischer Gremien sind Bedenken laut worden.

Kersbersdorf - Trägerin des Bauvorhabens ist die Rahn/Farr GbR von Andrea Rahn-Farr und Carsten Farr. Sie führen in Büdingen-Rinderbügen einen landwirtschaftlichen Betrieb mit circa 400 Stück Milchvieh, zu dem auch etwa 40 bis 50 Rinder in der Baiersmühle zählen. Dort steht das Elternhaus von Andrea Rahn-Farr, erläutert sie auf Anfrage unserer Zeitung. Einst hielt dort ihr Vater Alfred Rahn bis zu 150 Stück Vieh, doch inzwischen sind Anbindeställe nicht mehr zeitgemäß.

Der heutige Betrieb der beiden Familien bewirtschaftet den Angaben zufolge zusätzlich 380 Hektar Fläche an mehreren Standorten in Bad Soden-Salmünster, Steinau, Birstein, Brachttal und Büdingen. Rahn-Farr betont, dass es kein Problem damit gebe, den Flüssigmist (Gülle) auf eigenen Feldern auszubringen. „Wir müssen sogar meist Dünger hinzukaufen“, erklärt sie. Durch das neue Erdbecken könne aber die Verteilung des Materials zeitlich entzerrt werden. Denn die Anforderungen der aktuellen Düngemittelverordnung und andere rechtliche Vorgaben sähen nur begrenzte Zeitfenster zur Ausbringung des Naturdüngers vor. Durch widrige Witterungsbedingungen verenge sich dieses Zeitfenster weiter, sodass sich der optimale Düngezeitpunkt „manchmal nur auf ein paar Tage erstreckt“, sagt Andrea Rahn-Farr. Und dann müssten Gülle und Mist mit eigenen und zusätzlich gemieteten Lkw eilends auf die Felder gebracht werden. (Lesen Sie hier: 140.000 Liter Milch: Fritzi aus Schlitz zählt zu Hessens besten Milchkühen).

Kerbersdorf: Erdbecken für Flüssigmist soll entstehen - Anwohner äußern Bedenken

Um dieses kostenträchtige Just-in-time-Verfahren wirtschaftlicher zu gestalten und zeitgleiche Transportfahrten zu vermeiden, soll das Erdbecken bei Kerbersdorf gebaut werden. Auf dem dortigen Hof an der Baiersmühle gebe es bislang nur eine kleine Grube. Rahn-Farr betont, das Becken bestehe nicht aus Beton, sondern werde mit mindestens zwei Folien ausgelegt werden, um den Untergrund abzusichern. Auch Gewässer seien dadurch geschützt. Mit dem Aushub könne ein Erdwall erstellt werden und das Becken für den Unfallschutz und gegen unbefugten Zutritt mit einem Zaun umringt werden.

Die Geruchsbelästigung bewege sich meist in kleinerem Rahmen als von vielen erwartet. Sollte es wiederholt Beschwerden geben, „dann sind wir bereit, das Becken mit einer Folie auch nach oben abzudecken“. Denn Rahn-Farr betont: „Wir wollen das Projekt nicht auf Biegen und Brechen durchsetzen, sondern Einvernehmen herstellen. Daher würden Bedenken und Anregungen von Anwohnern und Gremien aufgenommen.

Andrea Rahn-Farr: „Wir wollen das Projekt nicht auf Biegen und Brechen durchsetzen“

Während des Lokaltermins, dem neben den beiden Ortsvorstehern Verena Schade und Winfried Weber auch die Magistratsmitglieder Reiner André und Godehard Goralewski (beide SPD) sowie SPD-Fraktionschef Matthias Schöppner beiwohnten, wurden außer der möglichen Geruchsbelästigung auch mögliche Schäden an den Transportwegen (Feldwegen) sowie Gefahren für die Wasserversorgung (Nitratwerte) durch den Eintrag größerer Gülle-Volumina angesprochen. Gleiches gelte für die nahe gelegene Salz, so Schöppner.

Nach Auskunft von Magistratssprecher Dominik Brasch (parteilos) ist das Gesuch der Bauaufsichtsbehörde im Landratsamt zu der Bauvoranfrage Ende Juni 2020 eingegangen. Der Magistrat habe nach Abwägen der vorgebrachten Bedenken keine positive Stellungnahme abgegeben. Diese ist nach Auskunft der Kreisverwaltung Main-Kinzig Anfang Januar 2021 eingegangen. Die Einwände würden nun von der Bauaufsicht und den beteiligten Fachbehörden (Gewässer-, Natur- und Umweltschutz) geprüft. Wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, sei derzeit noch nicht absehbar.

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