Kann mit verschiedenen Methoden beseitigt werden: ein Gespinst des Eichenprozessionsspinners an einem dicken Ast.
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Kann mit verschiedenen Methoden beseitigt werden: ein Gespinst des Eichenprozessionsspinners an einem dicken Ast.

Kinzigstausee

Raupen kleben wie Geschwüre an Eichen: Wasserverband Kinzig sagt dem Eichenprozessionsspinner den Kampf an

Der Kinzigstausee ist zwar in erster Linie eine Hochwasserschutzanlage und ein regionales Wasserreservoir, seine Umgebung ist aber auch ein beliebtes Naherholungsgebiet. Deshalb nimmt der Wasserverband Kinzig jedes Jahr Geld in die Hand, um Gesundheitsgefahren für Erholungssuchende zu verringern. Zum Beispiel jene durch den Eichenprozessionsspinner.

Steinau/Bad Soden-Salmünster - Zahlreiche Menschen aus dem Main-Kinzig-Kreis sowie darüber hinaus nutzen gern die Rad- und Wanderwege rund um den See. Unter anderem führt der Fernradweg R3 an dem Gewässer vorbei. Allerdings trübt Jahr für Jahr der Eichenprozessionsspinner das Idyll zwischen Spessart und Vogelsberg. Der Wasserverband Kinzig betreibt daher nach eigenen Angaben „eine aufwendige Prävention, um die Population der gefräßigen Raupen auf natürlichem Weg einzudämmen“.

Dieser erhebliche Aufwand, welcher aus speziellen Vorbeuge- und Schutzmaßnahmen besteht, soll die Besucherinnen und Besucher des Areals rund um den Stausee vor dem gefährlichen Schädling schützen. Der Eichenprozessionsspinner besitzt sehr feine Gifthärchen, die bei Berührung teilweise heftige Hautreizungen hervorrufen können. Betroffene klagen zumeist über Brennen, Juckreiz und Quaddelbildung. Werden die Gifthärchen mit dem Wirkstoff Thaumetopein eingeatmet, können sie sogar schwerste Atembeschwerden auslösen, die bis zum allergischen Schock führen können, warnt der Wasserverband in einer Pressenotiz. Denn viele Menschen reagieren allergisch auf diese Giftstoffe. Deshalb wird geraten, den Kontakt zu den Raupen des Eichenprozessionsspinners so gut wie irgend möglich zu vermeiden.

Der Kinzigstausee mit der Talsperre zwischen Ahl und Steinau ist ein viel genutztes Naherholungsgebiet.

„Die Raupen kleben wie Geschwüre an den Eichen, die den Bereich rund um den See säumen“, erläutert Karwan Mahdi, Schädlingsbekämpfer des mit der Beseitigung der Nester beauftragten Unternehmens. Er erklärt, es gebe drei „schwierige Wege der Raupenbekämpfung“. In den leichter zugänglichen Bereichen würden die Raupen und die Gespinstnester abgesaugt. Dabei komme meist ein Hubsteiger zum Einsatz. Für schwerer zugängliche Stellen müsse dann auch auf die Dienste einer Klettereinheit zurückgegriffen werden. Mit besonderen Schutzanzügen sei die Raupenbekämpfung auf den Bäumen in Angriff zu nehmen. Hierzu verwende der Experte biologische Mittel, um der plage Herr zu werden. Dieses Mittel, das Nematoden enthalte, wird in die befallenen Bäume gesprüht. Die Nematoden – kleine Fadenwürmer – leben nur einen Tag, werden von den Raupen aufgefressen und diese verenden dann daran.

Für die Natur und den Menschen seien die Fadenwürmer völlig ungefährlich. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners, die sich in der Zeit von Juni bis August in den Bäumen verpuppen, ließen sich damit hingegen effektiv bekämpfen. Die Kosten in Höhe von etwa 20.000 Euro pro Jahr sind aus Sicht des Wasserverbands und seinem Geschäftsführer Holger Scheffler „zum Schutz der Menschen gut angelegtes Geld“.

Bleiben im Winterhalbjahr strengere Nachtfröste weitgehend aus, dann würden weitaus mehr Bäume befallen „und irgendwann gibt es nur noch die chemischen Mittel zur Bekämpfung“, weiß Schädlingsbekämpfer Karwan Mahdi. Darauf will der Wasserverband aber aufgrund der Nähe zum Gewässer verzichten. (hgs)

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