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Der Kinzigstausee zwischen Steinau und Ahl hat ein reiches Naherholungspotenzial und ist ein hervorragendes Gewässer für viele heimische Fischarten. Kürzlich wurden dort viele tote Fische entdeckt.

Fischsterben im Kinzigstausee

Sachverständiger bestätigt milden Winter als Grund

Die Kinzigtalsperre bei Ahl hat nicht nur zentrale Bedeutung für den Hochwasserschutz an der Kinzig, sie ist auch ein Gewässer mit hohem Naherholungswert. Gerade deshalb hat in der vergangenen Woche ein Fischsterben Sorge bereitet. Die Ursache ist inzwischen geklärt.

Ahl - Der viel zu milde Winter macht den Fischen zu schaffen, denn statt Winterruhe sind sie aktiv, und im Frühjahr geht einigen Fischen dann die Energie aus – letztlich eine Folge des fortschreitenden Klimawandels. Zur Klärung der Ursache des in den vergangenen Tagen in der Kinzigtalsperre aufgetretenen Fischsterbens wurde vom Wasserverband Kinzig der vereidigte Fischereisachverständige Dr. Gerhard Rudi Pelz aus Petersberg beauftragt.

Er kam zu dem Ergebnis, dass es sich primär um ein als „Energiemangelsyndrom” (EMS) bekanntes komplexes Krankheitsbild handelt, das auf folgende Ursachen zurückzuführen ist: Während Fische in „normal kalten” Wintern unter Eis mit geringer Aktivität in strömungsgeschützten Tiefstellen verharren und dadurch ihren Energieverbrauch minimieren, wurde diese „Winterruhe” durch die ungewöhnlich milde Witterung im vergangenen Winter unterbunden. Der erhöhte Stoffumsatz bei zugleich geringem Nahrungsangebot bewirkte einen Energiemangel, der im Frühjahr nicht mehr ausgeglichen werden konnte. Tödlich war dies nur für einen kleinen Teil des Fischbestandes im Kinzigstausee.

Eisfreie Fläche eine weiterer Grund für Probleme am Kinzigtalsstausee

Sekundär kommt bei EMS hinzu, dass der warme Winter und die nahezu eisfreie Wasserfläche verstärkt natürliche Fischfeinde, insbesondere Kormoran, Graureiher und vielerorts auch Bisam, anlockt. Eine schützende Eisdecke fehlt, und die Jagd auf Fische bewirkt bei diesen neben energiezehrendem Fluchtverhalten eine bedrohliche Stresssituation. Bei betroffenen Fischen sind häufig keine äußerlichen Anzeichen einer Erkrankung oder einer starken Abmagerung erkennbar. Ihre Energieversorgung stellt sich jedoch auf „Notversorgung” um, manchmal mit der Folge von Schleimhautdefekten mit Verpilzung oder Schuppensträube.

Zudem begünstigen höhere Wassertemperaturen das Auftreten von Parasitosen und Infektionskrankheiten. EMS tritt vorwiegend bei Karpfen, aber auch bei anderen Fischarten auf. Bei den verendeten Rotaugen kommt hinzu, dass sie in diesem Jahr zu einem frühen Zeitpunkt (Ende April/Anfang Mai) ablaichten und ihre Sterblichkeit nach dem Laichgeschäft erhöht ist.

Frühjahrsfischsterben durch EMS treten auch an flacheren, nur wenige Meter tiefen Seen und Teichen auf, wenn im Winter auf der Eisdecke Schlittschuhlaufen stattfindet. In Winterruhe befindliche Fische werden durch die starken Kratz- und Klopfgeräusche aufgeschreckt und verbrauchen in dem zu dieser Zeit oft sauerstoffarmen Wasser einen Teil ihrer Energiereserven, welcher ihnen dann im Frühjahr fehlt. Das Fischsterben aufgrund von EMS erscheint somit keineswegs „mysteriös”, sondern dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit auf natürliche Zusammenhänge in Verbindung mit dem milden Winter zurückzuführen sein. Durch Vorbeugung oder rettende Maßnahmen hätte es nicht verhindert werden können.

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