Justitia mit ihrer Waage
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Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe. (Symbolbild)

Bistum Fulda teilt mit

Nach Strafprozess gegen Pfarrer aus Marborn: Kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet

Ein katholischer Priester ist zu einer Haftstrafe von zwölf Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Wie am Mittwoch bekannt wurde, wird nun außerdem ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet.

Update, 2. September, 14.49 Uhr: Nach Abschluss des Strafprozesses gegen den katholischen Priester bleibt dem 52-jährigen jegliche Ausübung priesterlicher Tätigkeiten untersagt. Dies teilte das Bistum Fulda in einer Pressenotiz mit. Zudem muss er sich einem kirchenrechtlichen Verfahren stellen.

Das Amtsgericht Gelnhausen hatte dem Bistum Fulda am Mittwoch bestätigt, dass der Strafbefehl gegen den Priester inzwischen rechtskräftig geworden. Das Amtsgericht hat ihn mit einem Jahr Gefängnis auf Bewährung – bei einer Bewährungszeit von vier Jahren – bestraft. Außerdem muss der Mann eine bereits begonnene Therapie fortsetzen und der betroffenen Jugendlichen eine Entschädigung von 800 Euro zahlen. Nach Abschluss dieses strafrechtlichen Verfahrens wird nun das kirchenrechtliche Verfahren weiter geführt. Dabei werden die Ergebnisse des staatlichen Strafverfahrens berücksichtigt.

Marborner Pfarrer droht kirchenrechtliches Verfahren

Kirchenrechtlichen Verfahren sehen bei schwerwiegenden Straftaten - wie beispielsweise Erwerb, Aufbewahrung und Verbreitung strafrechtlich relevanter Bilder Minderjähriger eine Einschaltung der Glaubenskongregation in Rom vor. Die Glaubenskongregation trifft nach Abschluss der kirchenrechtlichen Voruntersuchung im Bistum Fulda - auf der Grundlage eines Votums des Diözesanbischofs - eine Entscheidung über den weiteren strafrechtlichen Prozessweg.

Der Priester war von August 2007 bis Anfang 2020 Pfarradministrator in Marborn. Nachdem die Staatsanwaltschaft Hanau das Bistum Fulda über das Ermittlungsverfahren informierte, hat Bischof Dr. Michael Gerber den Mann im Januar von seinem Amt entbunden und ihm das Ausüben aller Tätigkeiten als Priester untersagt.

Sprecher des Fuldaer Priesterrats: „Gerechtigkeit nur bedingt erreicht“

Update, 10. August, 11.43 Uhr: Der katholische Pfarrer in Bad Soden-Salmünster und Sprecher des Priesterrats im Bistum Fulda, Dr. Michael Müller, hat sich zum dem Fall zu Wort gemeldet. Er unterstreicht: „Wenn das Urteil nach Ablauf der Berufungsfrist in Kraft tritt, wurde im Namen des Volkes in diesem Fall Recht gesprochen. Das kirchliche Disziplinarverfahren wird folgen und vermutlich eine drastische Sanktion aussprechen.“ Damit meint Pfarrer Müller, der die Kurstadt zum 1. Dezember verlässt und Gemeindepfarrer in Hünfeld wird, unter anderem die Zwangs-Laisierung des ehemaligen Pfarrerskollegen in Marborn, also die Annullierung der Priesterweihe.

„Mit diesen Urteilen wird zwar Recht gesprochen, aber Gerechtigkeit und Genugtuung werden nur bedingt erreicht. Viele Menschen sind verletzt und enttäuscht, und das zu Recht. Es bleiben viele Fragen. Es bleibt zerstörte Glaubwürdigkeit. Als Ortspfarrer wie auch als Sprecher des Priesterrates des Bistums Fulda wünsche ich mir, dass dieser Fall umfassend aufgearbeitet wird“, so Michael Müller.

Nach seinen Worten gilt es vor allem zu klären, unter welchen Umständen nach einer bereits erfolgten Verurteilung der erneute Einsatz des Pfarrers in der Seelsorge verantwortet wurde, eben in Marborn und Romsthal. „Ich hoffe auf die Mitarbeit der Menschen vor Ort. Wir müssen Licht ins Dunkel bringen.“ Gleichzeitig gelte: Jederzeit könnten sich Menschen, die sich in irgendeiner Weise betroffen fühlten, an die unabhängigen Beauftragten des Bistums Fulda wenden. (hgs)

Urteil gegen Priester: Gericht in Gelnhausen setzt Haftstrafe zur Bewährung aus

Erstmeldung vom 4. August: Gegen einen 52 Jahre alten katholischen Priester aus dem mittleren Kinzigtal ist am Dienstag vor dem Amtsgericht Gelnhausen unter anderem wegen des Besitzes von einschlägigem Bildmaterial ein Strafbefehl über eine Haftstrafe von 12 Monaten erlassen worden, ausgesetzt auf vier Jahre zur Bewährung.

Zur Last gelegt wurde ihm neben des Besitzes von strafbaren Bildern, die Kinder und Jugendliche zeigen, auch Nötigung und Beleidigung. Er muss seine bereits begonnene stationäre Therapie fortsetzen und zudem eine Schadenswidergutmachung von 800 Euro an eine junge Frau zahlen.

Der Angeklagte war zur Hauptverhandlung nicht erschienen, lediglich sein Verteidiger. (sim)

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