Ein Wolf blickt in die Kamera.
+
Für ein totes Reh im Sinntal war der Wolf nach Einschätzung von Experten wohl nicht verantwortlich.

Problem mit Proben

Fachfrau gibt Entwarnung: „Rein spekulativ“ - Wohl kein Wolfsriss im Sinntal

Bilder eines bei Sinntal-Weiperz angeblich von einem Wolf gerissenen Reh kursieren seit dem Wochenende im Internet. Nun gaben Experten Entwarnung.

Weiperz - Peter Thomé, ehrenamtlicher „sachkundiger Helfer“ vom sogenannten Monitoring großer Beutegreifer in Hessen, der den Tierkadaver begutachtet hat, dementiert auf Nachfrage unserer Zeitung die in den sozialen Medien verbreiteten Informationen über einen Wolfsriss. Susanne Jokisch, Wolfsbeauftragte vom Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, erklärt ebenfalls, dass es keinen Hinweis auf einen „großen Beutegreifer“ gegeben habe.

Den Tod des Tieres dem Wolf zuzuschreiben, sei „rein spekulativ“. Jokisch kritisiert aber, dass das Reh nicht an Ort und Stelle gelassen wurde. Um Hinweise auf einen möglichen Wolfsriss erkennen zu können, sei es wichtig, den Fundort so zu belassen, wie er ist. „Der Gutachter muss sich die Situation vor Ort anschauen“, sagt sie. Das Tier aufzuladen und zum Gutachter zu bringen, wie in diesem Fall geschehen, sei falsch. „Da gehen wichtige Spuren verloren. Die Ladefläche eines Pickups ist ein Mikrokosmos. Darauf werden Menschen, Hunde oder tote Tiere transportiert. Beim Verladen und Verbringen verflüchtigt sich daher jede Wolfs-DNA, auch etwa durch Sonnenlicht.“

Osthessen: Immer wieder Berichte von möglichen Wolfsrissen

In diesem Jahr standen Wölfe bereits in der Gemeinde Hauneck und auch in Mosbach (Rhön) unter Verdacht: Hier sollten sie nicht nur für ein entzweigerissenes Reh, sondern auch für die Verletzung eines Islandpferdes verantwortlich sein.

Bei dem Fall in Weiperz sei es daher nicht mehr möglich gewesen, aussagekräftige Proben zu nehmen. Er gelte als offener Fall, weil nur bei Weidetieren die Notwendigkeit der Nachverfolgung bestehe. (lq)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema