Beim Sodener Stadtteil Hausen verläuft die Neubau-Strecke in einem Abstand von 350 Meter kurz oberirdisch.
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Beim Sodener Stadtteil Hausen verläuft die Neubau-Strecke in einem Abstand von 350 Meter kurz oberirdisch.

Flüsterbremsen sollen eingebaut werden

Kinzigtalbahnstrecke: Baubeginn bestenfalls in sieben Jahren

  • Hanns-Georg Szczepanek
    vonHanns-Georg Szczepanek
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Der Abschnitt zwischen Brachttal und Bad Soden-Salmünster der geplanten neuen Kinzigtalbahnstrecke stand am Mittwochabend im Mittelpunkt eines Online-Forums der Deutschen Bahn. In dem Livestream mit Projektleiter Dirk Schütz zählte die DB Netz AG als Veranstalterin etwa 250 Nutzer.

  • Die Deutsche Bahn plant eine Neubaustrecke, um die Kinzigtalbahn zu entlasten.
  • Um dieses Thema ging es bei einem Online-Forum, das die Bahn einberufen hatte.
  • Der Projektleiter Dirk Schütz beantwortete Fragen und informierte über die geplante Strecke.

Region - Sowohl die Einführung als auch das Schlusswort der gut 90-minütigen Online-Veranstaltung überließ die Bahn dem Bad Soden-Salmünsterer Rathauschef Dominik Brasch (parteilos). Projektleiter Dirk Schütz rief den Zuhörern zunächst in Erinnerung, dass die bestehende Kinzigtalbahn durch die Neubaustrecke (NBS) deutlich entlastet würde.

Während sich bislang Güterverkehr, Fernverkehr und Regionalverkehr auf den beiden Gleisen drängten, verteile sich der Schienenverkehr künftig auf vier Gleise. Güter- und Fernverkehr sollen laut Schütz ausschließlich über die neue Strecke geführt werden, wodurch die Lärmbelastung in den bewohnten Gebieten sinke und die Züge auch schneller verkehren könnten.

Kinzigtalbahnstrecke: Zwei Drittel der Neubaustrecke sollen in Tunnel verlaufen

In Blickrichtung Fulda trennen sich Bestands- und Neubaustrecke bei Neuwirtheim, bei Kalbach mündet die NBS nach gut 44 Kilometern in die Schnellstrecke Würzburg–Fulda ein. Gut zwei Drittel der NBS, 31 Kilometer, sollen in Tunneln verlaufen, oberirdische Abschnitte haben die Planer „siedlungsfern“ vorgesehen.

Für diese Streckenteile (inklusive der Brückenbauten) werde im anstehenden Raumordnungsverfahren mit etwa drei Meter hohen Lärmschutzwänden geplant. Diese könnten durch die Detailprüfung im nächsten Verfahrensschritt noch höher werden.

Kinzigtalbahnstrecke: Flüsterbremsen für den Schallschutz

Der Schallschutz werde auch dadurch erweitert, dass bereits bis Ende 2020 die sogenannte Flüsterbremse im Güterverkehr bundesweit zum Standard werden soll. Durch ein geändertes Bremssystem rauen die Stahlreifen der Waggons nicht mehr so auf und gleiten dadurch insgesamt leiser über die Schienen.

Nach Angaben von Dirk Schütz waren im Abschnitt der Neubaustrecke im Jahr 2016 etwa 39.000 Menschen von Lärm-Grenzwertüberschreitungen im Bahnverkehr betroffen. Nach Inbetriebsnahme der NBS werde sich deren Anzahl – bei gleicher Datenbasis – auf etwa 14.000 verringern.

Online-Forum der Deutschen Bahn: Projektleiter beantwortete Fragen

Als Beispiel führten die Veranstalter eine wissenschaftliche Lärmsimulation des Fraunhofer Heinrich-Hertz-Instituts vor, in der ein Güterzug bei Nacht auf der Bestandsstrecke nahe Niederzell fährt. Der Messwert liegt bei der Durchfahrt zwischen 57 und 67 Dezibel/A. In der Simulation kommt derselbe Zug auf der geplanten NBS-Brücke bei Niederzell auf 46 bis 54 Dezibel/A. Eine Verringerung um zehn Dezibel/A nehme das menschliche Ohr als Lärm-Halbierung wahr, hieß es in der Darstellung.

Die Kartengrafik der Bahn soll am Beispiel von Hausen mittels „Lärmfarben“ zeigen, dass die Neubaustrecke in der Summe weniger Lärm als die Bestandsstrecke verursacht. Obendrein entstehe dieser oberirdisch viel häufiger weit abseits von Siedlungen.

Vor und während des Online-Forums bestand die Möglichkeit, Fragen schriftlich zu stellen. Projektleiter Schütz beantwortete diese dann im Bündel. So gingen Fachfragen zu Zuggewichten oder Neigungswinkel ebenso ein wie jene, ob die sogenannte Vorzugsvariante am Rande des Vogelsbergs ebenso detailliert ausgearbeitet worden sei wie die von der Bahn favorisierte Antragsvariante im Kinzigtal.

Klargestellt wurde unter anderem, dass die Autobahn 66 an keiner Stelle verlegt werde und sich auch niemand Sorgen um Erschütterungen bei Tunnelbau oder -durchfahrten machen müsse, weil keine Siedlungen untertunnelt würden.

Online-Forum der Deutschen Bahn: Einige Fragen noch ungeklärt

Das Klingbachtal und das Hirschbachtal zu unterqueren, ist laut Schütz planerisch nicht möglich gewesen, unter anderem wegen Vorgaben zu Evakuierungen in Notfällen. Bei Schlüchtern sei eine Verknüpfung von Neubau- und Bestandsstrecke vorgesehen.

Ob eine fehlende Lärmschutzwand auf 160 Metern vor dem Bahnhof Salmünster noch gebaut würde, konnte Schütz ebenso wenig sagen wie die Frage nach einem Ausgleich für Immobilienbesitzer beantworten, wenn deren Mietwohnungen in Hausen durch die neue Bahnstrecke „nicht mehr so gefragt“ seien.

Wie hoch das jährliche Lkw-Aufkommen während der Bauphase in Stadt- oder Ortsteilen sein werde, sei derzeit nicht wirklich zu beantworten. Die Deutsche Bahn wolle aber die baubedingt anfallenden Massen nicht nur mittels Lastzügen über die A 66 abtransportieren, sondern auch Ladepunkte für den Transport per Schiene schaffen.

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