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Kiwis ernten, reisen – und dann kam Corona: Clara Schäfer und Lina Müller warten auf Rückflug aus Neuseeland

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Christchurch/Breunings/Herolz - „Wir sitzen hier in einem Hotel in der Nähe des Flughafens von Christchurch und warten seit zwei Wochen auf unseren Rückflug“, sagt Clara Schäfer. Die 19-Jährige aus Breunings ist am 22. Oktober mit ihrer Freundin Lina Müller (18) aus Herolz nach Neuseeland aufgebrochen. Per „Work and Travel“ entdeckten die beiden das Land, eine Form des Reisens, bei der sich junge Erwachsene das Geld für ihren Aufenthalt vor Ort verdienen – etwa mit Farmarbeit wie Äpfelpflücken.

„Die Polizisten haben uns über den Lockdown wegen der Corona-Krise aufgeklärt“, sagt Clara. „Touristen sollten sich umgehend zum Flughafen in Christchurch oder in Wellington begeben. Für uns war Christchurch am nächsten, aber selbst das war acht Stunden von dort entfernt, wo wir uns befanden“, fügt sie hinzu. Per Inlandsflug ging es schließlich weiter.

Das mühsam auf der Reise angesparte Geld müssen Clara und Lina jetzt für die Tilgung der nun ungeplanten Hotelkosten aufwenden. Eigentlich sollte es zum Milford Sound, einem Fjord, gehen.

Wie es weitergeht, wissen sie noch nicht

Wie es zuhause weitergeht, wissen sie noch nicht. Lina will im Herbst ein Studium beginnen und hofft, dass sich die Lage bis dahin beruhigt hat. Clara wollte eine Ausbildung machen, vorher aber noch Erfahrungen sammeln, um sich für eine Berufsrichtung zu entscheiden. Ob ihr das bis August möglich sein wird, bezweifelt sie.

Kontakt zu anderen „Travel-Workern“ – also reisenden Arbeitern – aus Deutschland und Frankreich, die ebenfalls noch vor Ort sind, halten sie über soziale Netzwerke. Manche konnten auf den Farmen bleiben, auf denen sie gerade arbeiten, verdienen auf diese Weise weiter Geld und haben eine Unterkunft.

Nett und gastfreundlich, auch in der Krise

Clara und Lina beschreiben die Neuseeländer als nett und gastfreundlich, auch in der Krise. „Viele haben uns spontan ihre Hilfe oder ein Gästezimmer angeboten“, erzählt Clara. Von einem Hotel sei ihnen sogar eine kostenlose Taxifahrt organisiert worden.

Als Deutsche in der jetzigen Lage hätten sie sich aber auch rechtfertigen und beantworten müssen, seit wann sie im Land sind. „Das war natürlich blöd für uns. Aber solche Leute gibt es überall. Wenn wir erklärt haben, dass wir bereits seit fünf Monaten da sind, war das dann für alle in Ordnung“, sagt Clara. Vom Reisen haben die beiden trotz allem nicht genug. Wenn Corona irgendwann vorbei ist, können sie sich vorstellen, nach Australien zu reisen – oder nochmal nach Neuseeland zurückzukommen.

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