Blick auf die Kirche St. Michael und ihren markant-eckigen Turm.
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Blick auf die Kirche St. Michael und ihren markant-eckigen Turm.

Profanierung naht

„Gefahr durch herabstürzende Teile“ - Pfarrer Kümpel zum Abbruch des St. Michael-Kirchturms

Im November 2016 musste die Bad Orber St. Michaels-Kirche aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Vom Glockenturm lösten sich Betonbrocken. Aus Gründen der Verkehrssicherung war daher eine Absperrung des Gefahrenbereichs notwendig. Seitdem verhindert ein Zaun, dass herabfallende Teile Menschen verletzen können. 

Bad Orb - Zur Klärung des Schadensumfangs und möglicher Sanierungsvorhaben wurde in Abstimmung mit der Bauabteilung des Bistums Fulda ein bauphysikalisches Gutachten in Auftrag gegeben. Zum Ergebnis sagt Pfarrer Stefan Kümpel: „Der Turm weist bezüglich der Betonqualität und der Überdeckung schwere Mängel auf. Gefahr ist in Verzug durch herabstürzende Teile. Bei der Befahrung des Turms mit einem Hubwagen wurden vorsorglich weitere Betonteile abgeklopft, die sich schon gelöst hatten.“ Vor Ort sieht man die Löcher im Turm und bereits durchbrochene Betonteile.

Die Sanierung des Turms wäre sehr teuer und nur eine Lösung auf Zeit. Schließlich sei der Turm schon einmal saniert worden. Er soll nun abgebrochen werden. „Die Planungen des Abbruchs sind abgeschlossen und vom Bistum Fulda genehmigt. Wir warten nur noch auf die Abbruchgenehmigung der Baubehörde.“ Sehr hohe Kosten zeichneten sich hierfür ab, finanzielle Unterstützung durch das Bistum werde erhofft. Für den Abriss angedacht waren die Sommerferien. Das habe nicht geklappt, weil die behördliche Genehmigung noch fehlt.

Die beiden Bronzeglocken im Turm von St. Michael bekommen eine neue Heimat. Sie werden in der Kirche St. Martin gebraucht. Doch was wird aus der Kirche? Seit Jahren reicht die Pfarrkirche St. Martin platzmäßig für die Gottesdienstbesucher aus. St. Michael wird nicht mehr als Kirche benötigt. Eine erneute Öffnung ist nicht geplant. „Mir ist bewusst, dass die Aufgabe der Kirche für viele Gläubige, die den Aufbau miterlebt und unterstützt haben und für die St. Michael auch Heimat im Glauben war, ein schmerzlicher Schritt ist“, sagt Kümpel.

Da die Kirche künftig nicht mehr als Gottesdienstraum genutzt werden wird, muss sie profaniert, also „entweiht“ oder entwidmet werden. Dies werde in absehbarer Zeit geschehen, die Orgel soll verkauft werden. Darum kümmert sich Regionalkantor Thomas Wiegelmann. Die Kirche soll nicht abgerissen werden – dies sei „ultima ratio“. „Wir sind auf der Suche nach der Möglichkeit einer Umnutzung, die der Würde des Gebäudes entspricht.“ Infrage kämen eine Urnenbegräbnisstätte oder ein Kindergarten. St. Michael wurde nach einer Bauzeit von zwei Jahren am 31. Mai 1964 durch Bischof Dr. Adolf Bolte eingeweiht. Die Verbindung von moderner Architektur und heimischem Sandstein schuf ein besonderes Gotteshaus. Von der Stadt aus sichtbar ist die Frontwand mit einem Bildnis des Kirchenpatrons St. Michael. Die wachsende Zahl von Kurgästen und die nach dem Krieg gestiegenen Einwohnerzahlen hatten zum Bau einer zweiten katholischen Kirche geführt.

Alfons Lins, damals schon Pfarrer im Ruhestand, schrieb in der Festschrift zur Einweihung: „In der Erkenntnis, dass in Bad Orb eine zweite katholische Kirche gebaut werden müsste, habe ich mich jahrelang mit viel Liebe um die Errichtung einer Michaelskirche bemüht.“ Die Vollendung habe er dann jüngeren Kräften überlassen müssen. Pfarrer war damals Johannes Kapp, der spätere Fuldaer Weihbischof.

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