Fotos: Alexander Gies, privat

Aus für das Kuki! Verein löst sich auf – keine geeigneten Räumlichkeiten für das Kulturkino

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schlüchtern - Das Gerücht waberte schon eine Weile durch die Stadt. Am Freitag um 17.30 Uhr wurde es zur Gewissheit: Der Kulturverein Kuki will sich auflösen. Der Grund: Die Stadt stelle dem Kulturkino keine geeigneten Räumlichkeiten zur Verfügung.

Von unserem Redaktionsmitglied Alexander Gies

„Time to say good bye – Kulturverein Kuki sagt tschüss!“, so lautet die Überschrift über der Mitteilung, die der Verein am Freitagabend versendet hat.

Darin heißt es: Kürzlich während der Jahreshauptversammlung sei unmissverständlich klar geworden, „dass in naher und ferner Zukunft dem Kuki keine kinogeeigneten Räumlichkeiten von der Stadt zur Verfügung stehen werden“.

Intensive Aussprache

Nach intensiver Aussprache habe die Jahresmitgliederversammlung des Kuki deshalb einstimmig die Aufhebung des Vereins empfohlen. Wörtlich heißt es in dem Beschluss: „Der Verein sieht keine Möglichkeit mehr, seinen satzungsgemäßen Zielen gemäß Paragraph 2 nachzukommen. Ein Angebot an vielfältigem Programmkino ist so nicht mehr möglich. Deswegen beschließt die Mitgliederversammlung, die erforderlichen Maßnahmen für die Auflösung des Vereins Kuki Schlüchtern einzuleiten.“

Ausführlich begründen Heide Buhmann und Hanspeter Haeseler vom Vorstand des Vereins die Hintergründe dieser Entscheidung, die viel mit der von Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) in den KN (15. Februar, S. 9) vorgestellten Zwischenlösung zu tun hat.

Möller hatte vorgeschlagen, „Pop-Up-Kino“ in der Stadthalle zu ermöglichen bis ab Ende 2022 das fertiggestellte Kultur- und Begegnungszentrum auf dem Parkplatz des ehemaligen Langer-Areals genutzt werden könnte.

Grundsatz verhindert Förderung eines Vereins

Der Verein schreibt, „Kernproblem der Verwaltung (Kultur & Tourismus und Magistrat) ist die Auffassung, dass alle Vereine der Stadt einem doktrinären Gleichbehandlungsgrundsatz unterworfen werden müssten“. Dabei handele es sich um das aus der Frühzeit der Sozialdemokratie stammende „Alle oder keiner!“ – hier angewendet auf die Kultur.

Dieser Grundsatz verhindere jede Möglichkeit, Kulturaktivitäten eines Vereins speziell zu fördern, unter Berücksichtigung der jeweiligen Erfordernisse und der besonderen Voraussetzungen. Dass sich das Kuki als Verein gegründet hat, sei sozusagen sein Geburtsfehler.

Kopfschütteln über Möllers Vorschlag

Nur wenn die Stadt selbst die Kultur in die Hand nimmt, so die Argumentation, kann sie dafür auch speziell und nur für diesen Zweck ausgestattete Räumlichkeiten bereitstellen: So bei der Bibliothek, dem Museum oder dem Schwimmbad. „So muss die Stadt nun wohl oder übel in den sauren Apfel beißen, Kino selbst anzubieten, wenn es ordentlich werden soll“, lautet das bittere Fazit des Vereins.

Zum Vorschlag von Bürgermeister Möller urteilt das Kuki: „Mit seinem Entwurf eines Pop-Up-Kinos hat er nochmal versucht, diesem Dilemma zu entkommen. Mit Bildern, in roten Kinofarben ausgemalt, legt sein City-Kino nahe, es sei alles gelöst.“ Während der Versammlung des Kuki habe dieser Vorschlag nur Kopfschütteln ausgelöst.

Verteilung der Lasten

Letztlich, so meint das Kuki, „geht es um die Verteilung der Lasten. Genauer: Wer zieht den Karren?“ Pop-Up bedeute in der Realität für das Kuki Team: ständiger Auf- und Abbau des gesamten Kinoequipments, einschließlich Dolby-Tonanlage mit zahlreichen Lautsprechern, Kino-Projektor nach DCI-Norm als Voraussetzung für die Belieferung mit aktuellen Filmen, Abluft, schallgedämmte Vorführkabine, Bestuhlung und sogar noch ein Teppich. Man sei kein Club von Roadies. Zudem würde dieses Pop-Up-Kino frühestens zum Kalten Markt starten können.

Die Idee habe Möller, so mutmaßt der Verein „wohl den zahlreichen Artikeln über Pop-Up-Stores entlehnt“. Man könne leicht googeln, dass diese aus den USA stammende Marketingidee erfunden worden sei, um kurzzeitig ein schnelles Geschäft zu machen. „Sie hat deshalb in der Regel auch nur minimalistische Ausstattung, ist flüchtig und einmalig. Mit der DNA des Kuki hat dies wenig gemein“, sagen die Mitglieder.

Entwurf ohne Absprache des Vereins

Der Entwurf sei ohne Absprache mit dem Verein von einer Agentur in Szene gesetzt worden und entspreche keineswegs dem Vorschlag, den das Kuki für die Nutzung der Stadthalle gemacht habe. Die Konsequenz sei nun, dass sich beim Kuki niemand mehr finde, der den Vorstand übernehmen will, wenn das bedeute, „die Mitglieder stetig zu Pop-Up-Diensten zu überreden oder selbst der letzte Mohikaner zu sein“.

Unverständlich ist dem Kuki, warum die Synagoge nicht mehr zum Kulturkino werden könne – natürlich erst nach dem geplanten Umbau. Das sei schade, denn der Bund und seine Kulturförderung ermögliche individuelle Förderung von Kino- und Kulturvereinen, die Räumlichkeiten der Kommune als Domizil haben.

Förderungen werden zurückgewiesen

Das Kuki erhielte sechsstellige Förderungen, es müsse diese Mittel aber jetzt zurückweisen, da es nicht über eine spezielle Kinospielstätte verfügt. In zahlreichen, auch kleineren Städten, so schreibt das Kuki, werde Kulturvereinen ein eigener Raum für Kino oder andere Aktivitäten exklusiv zur Verfügung gestellt.

„Kultur macht eine Stadt spannend und lebendig. Im Wettbewerb der Regionen werden diejenigen Städte und Gemeinden wachsen und gedeihen, die Vielfalt, Weltoffenheit und Entfaltungsmöglichkeit für ihre Bürgerinnen und Bürger bieten“, so der Verein in der Mitteilung. Nun liege es an der Stadt Schlüchtern, Kultur und vielfältige Kinokultur selbst zu realisieren.

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