Foto: Tim Bachmann

Kultursommer geplant: Schlüchterner Stadtplatz wird neu gestaltet

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

SCHLÜCHTERN - „Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.“ Kerstin Baier-Hildebrand spielt mit diesen geflügelten Worten auf die Projekte an, die in Schlüchtern anstehen. „Wir werden die Innenstadt auf den Kopf stellen.“ Langer- und Kreissparkassen-Abriss – „es wird laut, es wird dreckig“, darum will die Stadtverwaltung einen kulturellen Gegenpol schaffen. Der Rathausplatz soll’s richten.

Von unserem Redaktionsmitglied Tim Bachmann

Laut Kerstin Baier-Hildebrand will die Stadtverwaltung das kulturelle Leben im kommenden Jahr in der Innenstadt bündeln. Konkreter noch: auf dem Stadtplatz.

Dieser soll ein neues Gesicht erhalten und mit möglichst vielen Veranstaltungen den Sommer über belebt werden. Für das ganze kulturelle Drumherum stehen laut Etatplanungen deutlich über 100.000 Euro zur Verfügung. Weitere Gelder sollen eingeworben werden. Aus Fördermitteln (auch aus dem Kreis-Kulturfond) oder aus Wettbewerben. Doch es gibt ein Problem: „Die Zeit drängt“, berichtete Baier-Hildebrand den etwa 20 Vereins-Vertretern und Gewerbetreibenden, die sich zum ersten „Brainstorming“ im Jugendbüro Checkin eingefunden hatten.

Dort ging es um die Symbiose des Wettbewerbs „Ab in die Mitte“, der im kommenden Jahr unter dem Motto stehen wird: „Unser Weg. Natürlich in die Innenstadt.“ Dafür sollen nun sieben Veranstaltungen von Juni bis Oktober 2020 passend zum Thema gefunden werden. Anmeldeschluss: 5. Februar. Preisverleihung: April 2020. „Sie können sich vorstellen, dass wir das als Stadtverwaltung nicht allein packen“, bekannte Baier-Hildebrand und warb um Ideen und Mitarbeit. „Es ist nicht nur der Weg wichtig, sondern in unserem Fall auch das Ziel: Der Stadtplatz.“

„Ideenfinden“ noch vor Weihnachten

Trotz einiger kurzfristiger Absagen wollte die Stadtverwaltung das erste „Ideenfinden“ noch vor Weihnachten durchziehen, erklärte die für Kultur zuständige Abteilungsleiterin der Stadtverwaltung. Denn es stehe nicht nur die Bewerbung für „Ab in die Mitte“ an, sondern auch die Teilnahme am „Kultursommer Main-Kinzig-Fulda“. Anmeldeschluss hierfür: 14. Februar.

Und dann will sich die Stadt noch beim Festival „Garten-Kunst-Genuss“ präsentieren. Dieses steht unter dem Themenschwerpunkt „Wasser“ und beginnt mit dem Hellen Markt 2020. Dafür prädestiniert seien Mauerwiese und Kinzig, so Baier-Hildebrand. Und zusätzlich finden auch noch die „Interkulturellen Wochen“ unter dem Motto „Vielfalt entdecken“ statt, an denen Schlüchtern mitwirken soll. Anmeldeschluss: Mai 2020. „Und der internationale Museumstag ist auch noch. Die Zeit drängt wirklich. Packen wir es an“, ermunterte Baier-Hildebrand mit einem Lächeln.

Erzähl-Festival auf dem Stadtplatz

Die sieben Veranstaltungen für „Ab in die Mitte“ ergeben sich zum Teil aus bestehenden Terminen: Kinzigtal total (13. September), welches in der Streckenführung über den Rathausplatz laufen könnte („Das haben wir in der Vergangenheit etwas stiefmütterlich behandelt“, so Baier-Hildebrand), das Straßenmusik-Festival (5. September) und das regionale Wochenende mit Bergwinkelmarkt am 19. und 20. September sowie feststehende „Kultursommer-Termine“ wie der Auftritt der „Nachtigallen“ am 6. Juni. Darüber hinaus plant die Stadtverwaltung ein Familienfest am 4. und 5. Juli. Hinzukommen könnte das Weinfest der Spätzünder (15. August), das 70-jährige Bestehen der Bürgergarde, das am 13. und 14. Juni groß gefeiert wird, und zum Tag der Deutschen Einheit ein Auftritt der Stadtkapelle, die das Motto „Berlin“ nochmals aufgreifen will. Auch Märchenerzähler John Rogers hatte sich im Vorfeld erkundigt, ob er aus Schlüchtern ein „Erzähl-Mekka“ machen dürfe. Seine Idee: Ein Erzähl-Festival auf dem Stadtplatz.

Natürlich hoffe man seitens der Stadtverwaltung, bei den Planungen auch auf Kuki und Kulturwerker zählen zu können. „Wir stehen im ständigen Austausch“, versicherte Baier-Hildebrand nun.

Musikalische Unterstützung gesichert

Ein weiterer Vorschlag aus der „Ideenfinder-Gruppe“: „Rock am Hinkelhof“ könnte mit vier Gruppen den Stadtplatz bespielen, so für das Festival werben und dabei den Kartenvorverkauf starten. Der Motorsport-Club könnte die Austragung der Deutschen Meisterschaften am 20. und 21. Juni nutzen, um vielleicht mit den Oldtimerfreunden eine Sternfahrt zu organisieren. Oder einen Autokorso zum Stadtplatz. Und Stefan Richter vom Eisenbahner Musikverein Elm sicherte die Bereitschaft zu, musikalisch zu unterstützen.

Gerd Neumann warf ein, dass man auch ein sportliches Ereignis folgen lassen könnte. „Vielleicht ein Beach-Volleyball-Turnier?“ Oder: „Heißluftballon-Wettbewerb.“ Die SG Schlüchtern, vertreten durch Wolfgang Krein, könnte sich eine Laufveranstaltung vorstellen. Weitere Ideen und Vorschläge wurden diskutiert, verworfen, aufgenommen. So regte Casa-Azzurra-Chef Kenan Kolasinac an, die Termine für die Fußball-Europameisterschaft nicht aus den Augen zu verlieren. „Ein sehr guter Hinweis“, bekannte Baier-Hildebrand. „Public viewing“ auf dem Stadtplatz – warum nicht?

250 Ergebnisse

Apropos Stadtplatz: Stadt Schlüchtern und die NH-Projekt-Stadt hatten während des Helle Marktes 2018 Bürger dazu aufgerufen, ihre Wünsche für die Stadtplatzgestaltung einzubringen. Etwa 250 Ergebnisse wurden nach Angaben aus dem Rathaus dokumentiert, sortiert und sollen als Grundlage für die Neugestaltung dienen. Mittel hierfür stehen über das Förderprogramm „Aktive Kernbereiche“ zur Verfügung.

Jetzt geht es an konkrete Umsetzungen, denn während der Umbauphase von Langer und Kreissparkasse soll mit der Mammut-Veranstaltungsreihe „Kultursommer 2020“ die Attraktivität und Belebung der Innenstadt gesteigert werden. Erste Idee: eine Bühne vor der Fassade, die sich gegenüber dem Rathaus befindet. Dort soll vieles vonstatten gehen. Zusätzlich werde die Verkehrsregelung am Stadtplatz geändert. Wie konkret, das vermochte Baier-Hildebrand allerdings noch nicht zu sagen.

Gerd Neumann berichtete, das Motto laute: „Dem Stadtplatz eine Bühne.“ Denn nicht die Bühne stehe im Fordergrund, sondern die Entwicklung des zentralen Standortes in der Innenstadt. Große Ereignisse werfen eben nicht nur ihre Schatten voraus, sie hinterlassen auch welche. Die Zukunft des Stadtplatzes beginnt jetzt.

Das könnte Sie auch interessieren