Lamya Yaqona mit ihren Tagespflege-Kindern am Spielen
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Lamya Yaqona mit ihren Tagespflege-Kindern, bevor die Corona-Pandemie das Tagespflege-Geschäft lahmlegte.

Lamya Yaqona schult nach Flucht um

Im Irak Lehrerin, in Deutschland Tagesmutter

Noch vor der Corona-Pandemie besuchten wir mehrfach die Tagesmutter Lamya Yaqona in der Schlüchterner Innenstadt, die Ende 2019 nur die kleine Elisa betreute. Mittlerweile sind tagsüber drei zweijährige Kinder bei ihr.

Schlüchern - Vor zehn Jahren flüchtete Lamya mit ihrem Mann und drei Kindern vor Bürgerkrieg und Terror gegen Christen nach Deutschland: „Wir wollten ja im Irak leben, aber es war so schwierig geworden: Immer war Krieg!“ Ihre Eltern und Geschwister durften in die USA und nach Kanada emigrieren, sie kam mit ihrer Familie über Syrien, durch die Unterstützung der UNO, nach Deutschland. Anfangs war sie traurig, hauptsächlich, weil sie ihre Großfamilie verlor, aber auch, weil es für sie so kalt war und sie niemanden kannte. Als sie einmal deswegen weinte, meinte die damals zehnjährige Tochter Summer tröstend: „Ach Mama, wir sind doch hier in Sicherheit und können ohne Angst nach draußen gehen.“ Ihr Sohn war damals acht, die jüngste Tochter drei Jahre alt.

Qualifizierungskurse waren notwendig

Die Fallmanagerin des Arbeitsamtes empfahl ihr 2014, sie könne doch – mit Unterstützung der fachlichen Leitung Kindertagespflege im Haus Petra – Tagesmutter werden. So wäre es möglich, eine berufliche Tätigkeit mit der Betreuung ihrer Kinder zu verbinden. Im Irak arbeitete sie bereits als Lehrerin. Um hier Tagesmutter zu werden, musste sie Qualifizierungskurse besuchen und in einer Kindertagesstätte arbeiten. Außerdem musste sie zur Betreuung ein größeres Zimmer einrichten. Anfangs durfte sie nur ein Kind annehmen, nun kann sie – wenn nicht gerade Corona tobt – bis zu vier Tagesbetreuungen übernehmen.

Die Betreuung besteht aus dem gemeinsamen Frühstück und Mittagessen. Manchmal helfen auch die Kleinen beim Zubereiten, kneten Teig oder belegen die beliebte Pizza, gerne spielen sie das Kochen nach. Im Haus gibt es genug zum Entdecken und Anregungen zum Lernen, draußen gehen die Kids mit Lamya auf den Spielplatz oder üben Fahrradfahren.

Ein berührender „multikultureller“ Moment

Die Schlüchterner und Sinntaler Tagesmütter müssen im Jahr zwanzig Fortbildungsstunden nachweisen, die in der Regel das Haus Petra anbietet oder vermittelt. Darin werden pädagogische Fragen, Störungen der Entwicklung, musische Methoden und Walderkundung offeriert (wir berichteten).

„Grün, grün, grün sind alle meine Kleider...“ Es ist ein berührender „multikultureller“ Moment, als die Irakerin Lamya die kubanisch-deutsche Elisa wickelt und ihr dabei ein deutsches Kinderlied vorsingt.

Kinder fühlen sich wohl beim Lamya

Ihre eigenen Youngsters spielen gerne mit den kleinen Gästen. Es herrscht bei Lamya eine lebendige, anregende und familiäre Atmosphäre. Für manche Kinder ist es wahrscheinlich einfacher, sich hier in eine kleine Gruppe zu integrieren, als in einer großen, nicht so überschaubaren Kita. „Einige fühlen sich hier von Anfang an alleine wohl“, erzählt Lamya, „bei anderen muss ein Elternteil noch einige Wochen beim Eingewöhnen dabei sein.“ Die Tagesmutter ist immer noch Irakerin, der Sohn und die große Tochter Summer sind Deutsche geworden und fühlen sich hier zu Hause. Summer legte am Ulrich-von-Hutten-Gymnasium ihr Abitur ab und studiert nun an der TU Darmstadt Bauingenieurwesen. Ihre beiden Geschwister besuchen das selbe Gymnasium. Einmal in der Woche kommt sie nach Schlüchtern zum Klavierunterricht in der katholischen Kirchengemeinde, in der ihre Eltern stark ehrenamtlich engagiert sind. Wenn Summer daheim ist, backt sie manchmal gerne Kuchen mit den Tageskindern.

hwk

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