Landespolizeipräsident Roland Ullmann aus Linsengericht hat den Polizeiberuf von der Pike auf gelernt.
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Landespolizeipräsident Roland Ullmann aus Linsengericht hat den Polizeiberuf von der Pike auf gelernt.

100-Tage-Bilanz

Die Polizei als Freund und Helfer ist sein Leitbild -Landespolizeipräsident Roland Ullmann über seinen Beruf

Roland Ullmann aus Linsengericht hat den Polizeiberuf von der Pike auf gelernt. In seiner Karriere arbeitete er zunächst im Streifendienst, später in der Führungsebene der Polizeipräsidien. Seit diesem Sommer ist er Landespolizeipräsident. 

Region - Unlängst zog Ullmann seine 100-Tage-Bilanz. In diesem Zusammenhang gewährte der neue Polizeichef, der in Somborn geboren und aufgewachsen ist und heute mit seiner Familie in Linsengericht lebt, auch private Einblicke. (Lesen Sie hier: Vom Polizeipräsidium Südosthessen: Roland Ullmann wird neuer Landespolizeichef).

„Ich hatte das Glück, in 47 Jahren Dienst in sehr unterschiedlichen Verwendungen in der Schutz- und Kriminalpolizei eingesetzt worden zu sein“, sagt der sportliche 63-Jährige. Dies sei überwiegend bei der Kriminalpolizei gewesen. „Ich möchte keine dieser Stationen in irgendeiner Form missen und möchte auch keine besonders hervorheben.“

Eigentlich wollte Ullmann Flugzeugingenieur werden, erzählte er 2010, als er neuer Polizeipräsident für Südosthessen wurde, der „Frankfurter Rundschau“. Doch als er erfuhr, dass es bei der Polizei auch eine Hubschrauberstaffel gibt, fiel ihm die Entscheidung leicht. Da war er 16 Jahre alt.

Landespolizeipräsident Roland Ulmann: Die Polizei als Freund und Helfer - das ist mein Leitbild

Nach seiner Ausbildung an der hessischen Polizeischule von 1973 bis 1976 war Ullmann erst Schutzmann bei der Polizeidirektion Hanau, dann Sachbearbeiter bei der Kriminalpolizei. Mit dem Aufstieg in den gehobenen Dienst kam 1984 auch der Wechsel zur Kriminalpolizei, wo er zwei Jahre lang dem Mobilen Einsatzkommando angehörte und die Führungsgruppe für die Bekämpfung von Raub und Rauschgiftdelikten leitete.

Nach einem Studium an der Deutschen Hochschule der Polizei baute Ullmann als Kriminalrat im Polizeipräsidium Frankfurt die bundesweit erste Kriminalinspektion für Organisierte Kriminalität aus. Das Landespolizeipräsidium, an dessen Spitze er nun steht, ist ihm nicht fremd: Nach mehrjähriger Arbeit als Dozent an der Deutschen Hochschule der Polizei war er hier Referatsleiter für strategische Aufgaben. Auch in anderen Polizeipräsidien ist Ullmann, zuletzt Leiter des Polizeipräsidiums Südosthessen in Offenbach, kein Unbekannter: Er war Vizepräsident der Polizeipräsidien Mittelhessen in Gießen (2003 bis 2006) und Westhessen in Wiesbaden (2006 bis 2008).

Leitsatz von Ulmann: Der Mensch steht im Mittelpunkt

„Es gibt einen Leitsatz, den ich von einem der geschätzten ehemaligen Polizeipräsidenten übernommen habe: Der Mensch steht im Mittelpunkt“, sagt Ullmann über seine Arbeit. Außerdem halte er eine Bereitschaft und Offenheit für neue Dinge für wichtig – „und die Fähigkeit, die Perspektive zu wechseln, sich in die Sicht des Gegenübers zu versetzen“. Dem verheirateten Vater einer erwachsenen Tochter bedeutet es im Privatleben viel, Zeit für die Familie zu haben, Kontakte zu Freunden und Bekannten zu pflegen. „Und mir ist es auch wichtig, auch mal Zeit für mich selbst zu haben“, sagt er.

„Wir unternehmen gerne gemeinsame Reisen – gerne auch in ferne Länder“, erzählt Ullmann. „Eine für dieses Jahr geplante Reise nach Südafrika musste corona-bedingt leider ausfallen, aber die holen wir gerne nach.“ Im Alltag achte er auf gesunde Ernährung und Bewegung, etwa bei Radtouren oder Wanderungen. „Am Wochenende stehen auch mal Arbeiten am Haus oder im Garten auf dem Programm – dabei kann ich super abschalten.“

Ziel des Landespolizeipräsidenten: Vertrauen zurückgewinnen

Das ist ganz sicher auch wichtig für den neuen Landespolizeipräsidenten. Denn die Leitung der hessischen Polizei trat Ullmann im Juli zu einem schwierigen Zeitpunkt an. „Ich gestehe, es gibt einfachere Zeiten, eine solche Aufgabe zu übernehmen“, sagte er bei seiner Vorstellung. „Aber das schreckt nicht ab, das motiviert.“ Der Verdacht, dass in den Reihen der Polizei ein rechtes Netzwerk existieren könne, wiegt schwer. Seine erste Ankündigung lautete deshalb: „Ich werde dafür arbeiten, dass Vertrauen, das offensichtlich Schaden genommen hat, wiederhergestellt wird.“

Das passt gut zu seiner grundsätzlichen Überzeugung, was die Ordnungshüter anbelangt: „Die Polizei als Freund und Helfer – das ist mein Leitbild seit 47 Jahren“, sagt Ullmann. (dpa, lhe, wel)

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