Die Außenansicht des Landgerichts Hanau. (Symbolfoto)
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Der Fall wurde am Mittwoch im Landgericht Hanau verhandelt. (Symbolfoto)

Landgericht Hanau

Nach Untreue-Eklat: Teil-Berufsverbot und Bewährung für Rechtsanwältin aus Steinau

Nach drei Minuten war schon alles vorbei. Eine Rechtsanwältin aus Steinau stand am Mittwoch als Beschuldigte vor dem Landgericht Hanau. Die von ihr angestrengte Berufung zog die 51-Jährige nach einer kurzen Einlassung von Richterin Angela Peter aber wieder zurück. Deshalb ist das vom Amtsgericht im Februar gefällte Urteil nun rechtskräftig.

Hanau/Steinau - Das Amtsgericht Gelnhausen hatte unter dem Vorsitz von dessen Direktor Andreas Weiß die Anwältin wegen Untreue durch Unterlassen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte im Februar sogar 22 Monate gefordert.

Die Juristin aus Steinau war im vorliegenden Fall offenbar mit zwei Erbschaftsangelegenheiten amtlich betraut worden. Anstatt die Summen im fünfstelligen Bereich aber auf ein separates Anderkonto zu buchen, seien die Summen auf Privat- und Geschäftskonten übertragen worden. Weil sich die Beträge dann mit laufenden Kosten vermischten, habe sie nach eigener Aussage irgendwann den Überblick verloren.

Das Nachlassgericht hatte die Unregelmäßigkeit jedoch bemerkt und zur Anzeige gebracht. Vor dem Schöffengericht in Gelnhausen ging es konkret um 35.000 Euro. Dort räumte die 51-Jährige die gemachten Fehler umfassend ein und hatte bereits vor dem Prozess alle in Rede stehenden Beträge zurückgezahlt.

Untreue durch Unterlassen: Bewährung und Teil-Berufsverbot für Anwältin aus Steinau

Offenbar war schon kurz vor Verhandlungsbeginn in Hanau der Verzicht aus das Berufungsverfahren abgesprochen worden. Dennoch wandte sich Richterin Angela Peter nochmals persönlich an die Angeklagte und riet ihr dringend dazu, die Berufung zurückzuziehen. Es gebe keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass das Urteil des Landgerichts deutlich milder ausfallen könnte: „Eine Bewährungsstrafe bleibt es auf jeden Fall, es tut mir leid. Auch wenn Sie sich eine Geldstrafe wünschen würden.“ Dem stimmten die Steinauerin und ihr Rechtsbeistand zu, die sich dazu vor der Verhandlung beraten hatten. Für die Rechtsanwältin gilt nun ein partielles Berufsverbot, das nach Ablauf eines Jahres endet. So lange darf sie sich nicht mehr als Nachlasspflegerin betätigen. Nun kann auch die Rechtsanwaltskammer den Fall aufarbeiten.

Weil die Rechtsanwältin ehrenamtlich als Kommunalpolitikerin in Stadt und Kreis tätig gewesen ist, zog sie bereits Anfang Mai die Konsequenz aus dem Urteil in erster Instanz und trat von allen Ehrenämtern zurück, auch wenn diese mit ihrer Anwaltstätigkeit nicht in Verbindung standen. „Ich möchte betonen, dass ich mein Fehlverhalten vor Gericht von vornherein eingeräumt habe und durch mein Handeln durch direktes Zurückzahlen dieser Gelder zuzüglich Zinsen niemand finanziellen Schaden erlitten hat“, schrieb sie in einer öffentlich verbreiteten Erklärung.

Außerdem betonte sie darin, dass sie zu keinem Zeitpunkt die Absicht gehabt habe, sich zu bereichern oder jemandem Schaden zuzufügen. Dennoch erwarte sie vonseiten der Öffentlichkeit kein Verständnis. „Ja, ich habe einen Fehler gemacht in einer Zeit, in der ich gesundheitlich stark beeinträchtigt war. Und ja, ich bin bereit, die Konsequenzen zu tragen.“ (dk, hgs)

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