Ein Traktor fährt über ein sehr trockenes Feld und wirbelt dabei Staub auf.
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Ein drittes Dürrejahr in Folge könnte sich für Landwirte zu einem großen Problem entwickeln.

Landwirte schlagen Alarm

Drittes Dürrejahr in Folge wäre ein ernstes Problem

Angesichts der wochenlangen Trockenheit warnen die Bauern in Deutschland vor neuen schweren Schäden in der Landwirtschaft. „Wenn es weiter so trocken bleibt, könnte es wieder ein sehr schwieriges Jahr für die deutsche Landwirtschaft werden“, sagte Bauernpräsident.

Main-Kinzig - „Ein drittes Dürrejahr in Folge würde viele unserer Betriebe noch härter treffen als die letzten.“ Das unterstreicht auch der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Main-Kinzig, Mark Trageser aus Linsengericht.

Corona ist das aktuell beherrschende Thema. Doch die Landwirtschaft hat – wieder einmal – mit noch ganz anderen Problemen zu kämpfen. Wegen des seit Wochen ausbleibenden Regens sind die Böden bereits ausgetrocknet. Der milde Winter und die Trockenheit haben für größeren Schädlingsbefall auf den Feldern gesorgt. Kein Wunder, dass Mark Trageser sagt: „Wir brauchen spätestens im Mai einen länger anhaltenden Regen, damit die Pflanzen sich entwickeln können.“

Ereignis „nationalen Ausmaßes“

Zur Erinnerung: Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hatte im August 2018 die damaligen Ernteschäden bereits als Ereignis „nationalen Ausmaßes“ eingestuft – und erstmals seit 2003 wieder Bundeshilfen wegen einer Dürre zugesagt. Die Ernte 2019 fiel dann wieder etwas besser aus, die Mengen bei Getreide und Raps waren aber unterdurchschnittlich.

Im März haben die heimischen Landwirte mit der Aussaat von Zuckerrüben und Sommergetreide begonnen, aktuell steht der Mais an. Ab nächster Woche sollte die Wintergerste, die zumeist als Futtergetreide genutzt wird, in Blüte stehen. Der Raps tut es bereits. Die Vorzeichen für die Ernte von Wintergerste und Raps sind durch die anhaltende Trockenheit schon jetzt schlecht. „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir auch nur einen passablen Ertrag haben werden, halte ich für sehr gering“, sagt Trageser.

Experten prognostizieren extrem heißen Sommer

Doch damit nicht genug: Wetterexperten prognostizieren auch für dieses Jahr einen extrem heißen – und trockenen – Sommer mit Temperaturen jenseits der 40 Grad und geringen Niederschlägen. Viele Betriebe, auch im Main-Kinzig-Kreis, seien schon seit zwei Jahren in Not, berichtet Trageser.

Darüber hinaus seien aktuell viele Märkte angesichts der Coronakrise kaum oder gar nicht planbar. Milchvieh- und Ackerbaubetriebe seien von Corona zurzeit zwar noch nicht betroffen, doch das könne sich rasch ändern, meint der Vorsitzende des Kreisbauernverbands. Denn: „Vieles hängt letztendlich an den konstant niedrigen Ölpreisen.“ Speziell ölexportierende Länder hätten infolgedessen nicht genug Geld, um Grundnahrungsmittel zu kaufen.

Preise für Milch und Mehl fielen zwangsläufig

Damit wiederum fielen zwangsläufig die Preise für Milch und Mehl. Oder, wie Trageser sagt: „Letztlich entscheiden in Deutschland die großen Discounter über die Preise. Diese Preise werden fallen – und damit auch die Einnahmen für die ohnehin schon gebeutelten Landwirte.“

Worüber Trageser sich freut, ist die aktuell große Solidarität der heimischen Bevölkerung gegenüber landwirtschaftlichen Betrieben, Direkterzeugern und Selbstvermarktern. Vielen Menschen sei gerade zu Zeiten von Corona wichtig zu wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen und wie sie produziert werden.

Motto sollte nicht „Hauptsache billig“ sein

Daher appelliert Trageser an alle: „Man sollte seine Nahrungsmittel gerade jetzt nicht nach dem Motto ‚Hauptsache billig‘ kaufen, sondern regionale Erzeugnisse bevorzugen. Und, was mindestens genauso wichtig ist: Man sollte sich fragen, welches Produkt gerade Saison hat und wo man es in der Region direkt beziehen kann.“

Trageser verweist unter anderem auf das „MKK-Lädchen“ am Eingang des Main-Kinzig-Forums in Gelnhausen, das seit dieser Woche wieder geöffnet hat. Das Lädchen wird von den Kooperationspartnern Main-Kinzig-Kreis, dem Verband Spessart regional und dem Kreisbauernverband gemeinsam betrieben. Zu kaufen gibt es alles, was die landwirtschaftlichen Betriebe aus Kinzigtal und Spessart zu bieten haben. Öffnungszeiten sind montags bis donnerstags von 10 bis 15 Uhr und freitags von 10 bis 13 Uhr.

Von Thomas Welz

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