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Lukas Kornherr erwischte einen der letzten Flieger von Barcelona nach Hause

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bad soden-salmünster - „Innerhalb weniger Stunden war Barcelona eine Geisterstadt.“ Die Erinnerungen sind bei Lukas Kornherr aus Salmünster noch ganz frisch.

Schließlich erlebte der Masterstudent die Entwicklung im Zuge des Corona-Virus hautnah mit. Ende Januar hatte er den Hörsaal am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), einer der deutschen Exzellenz-Universitäten, die rund 45 bilaterale Kooperationsverträge mit Partnerhochschulen unterhält, mit dem Hörsaal in der polytechnischen Universität von Katalonien („Universitat Politècnica de Catalunya“) getauscht. Er wollte in seinem Fachgebiet Wirtschaftsinformatik ein Auslandssemester absolvieren, Studentinnen und Studenten aus anderen Ländern kennenlernen. Unterstützt wurde dies durch das Erasmus-Programm der EU.

Leichte Unruhe bei den Studenten

Noch am Mittwoch ging an der Universität in Barcelona alles seinen gewohnten Gang, obwohl durch die Nachrichten über das Corona-Virus bereits eine leichte Unruhe bei den Studenten zu spüren war. Die Vorlesungen fanden aber statt, die Professoren spulten wie gewohnt ihr Programm ab. Die zahlreichen bekannten Parks von Barcelona waren wegen des schönen Wetters stark gefüllt, die überfüllten Straßen erlebten den üblichen (Feier)Abend-Verkehr mit zahlreichen Hupkonzerten. Und die öffentlichen Gebäude waren für jedermann zugänglich, die Geschäfte geöffnet.

„Die Regale mit Toilettenpapier waren meist leer“

Das änderte sich am vergangenen Freitag schlagartig. Die katalanische Regierung schloss bereits die ersten Einrichtungen und Geschäfte, wobei die Geschäfte für den täglichen Gebrauch weiter aber offen blieben. Hamsterkäufe auch in Spanien. Lukas Kornherr: „Die Regale mit Toilettenpapier waren meist leer.“

Aus für Unibetrieb per Mail

Die Kunde machte die Runde, dass die spanische Regierung eine Ausgangssperre verhängen wolle. Spekulationen schossen ins Kraut. Am Abend dann zumindest eine Gewissheit. Die Universität wird geschlossen, die einwöchigen Osterferien, die eigentlich erst in drei Wochen anstanden, wurden zunächst um weitere drei Wochen vorgezogen und erweitert. Das Aus für den Unibetrieb traf am Freitagabend per E-Mail ein.

Pulsierendes Leben kam zum Erliegen

Am Samstag und Sonntag kam dann in ganz Barcelona das pulsierende Leben zu erliegen, die Menschen blieben meist in den eigenen vier Wänden und gingen nur zum Einkaufen vor die Tür. (Fast) keine Autos auf den Straßen in und um Barcelona. Und die Parks und Strände waren fast menschenleer, ganz zu schweigen von den öffentlichen Einrichtungen, die mittlerweile nicht mehr zugänglich waren.

Weltstadt zur Geisterstadt geworden

Die Weltstadt Barcelona war zu einer Geisterstadt geworden. „Ein beklemmender Eindruck“, so Lukas Kornherr im Rückblick.

Was tun?, fragten sich Lukas und seine Kommilitoninnen und Kommilitonen, die vor allem aus der EU, aber auch von anderen Kontinenten, wie Südamerika, kamen. Hier bleiben in einer Geisterstadt? Oder nach Hause fliegen?, wo das Corona-Virus ebenfalls den Menschen zu schaffen machte. Die Informationen verdichteten sich, dass die spanische Regierung noch am Wochenende eine Ausgangssperre über das gesamte Land verhängen werde, was am Sonntag Gewissheit war.

Noch einen Flieder erwischt

Das gab wohl letztlich den Ausschlag, dass Lukas Kornherr und die meisten Austauschstudenten zurückkehrten. Lukas erwischte noch einen Flieger am Sonntagabend. Andere mussten länger auf einen Flug in die Heimat warten. Am Flughafen in Barcelona die ersten Sicherheitsmaßnahmen: Abstand halten von 1,5 Metern zum Nachbarn bei der Busfahrt vom Gate zum Flugzeug. Das Flugzeug selbst war allerdings bis auf den letzten Platz besetzt. Kein Abstand. Und auch bei der Fahrt vom Flugzeug ans Gate in Frankfurt von Sicherheitsmaßnahmen keine Spur. Dichtes Gedränge im Bus.

Wirtschaftsinformatik per Skype

Trotzdem: Die Heimat Bad Soden-Salmünster hat den Studenten Lukas Kornherr wieder. Der Kontakt nach Spanien zur Uni riss aber nicht ab. Inzwischen wird der Lehrstoff für Wirtschaftsinformatik wieder vermittelt. Per Skype, also ohne persönlichen Bezug. Der soll, so hofft der Student, bald wieder kommen. Lukas Kornherr will sein Auslandssemester in Barcelona unbedingt beenden, allerdings nicht in einer Geisterstadt. Diese Hoffnung will er sich nicht nehmen lassen. / kb

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