Repro: Tim Bachmann

Mut machen und ein Zeichen setzen: Junglandwirt Janos Grau schreibt „Fuck Corona“ mit dem Mulcher ins Feld

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Schwarzenfels - „Das war eine spontane Aktion. Ich wollte ein Zeichen setzen“, sagt Janos Grau. Der 26-Jährige ist gelernter CNC-Fräser und kann wegen der Corona-Krise gerade nicht arbeiten. Daheim in Schwarzenfels betreibt er mit seiner Familie einen landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb.

Von unserem Redaktionsmitglied Lena Quandt

Landwirte haben im Frühjahr bekanntlich einiges zu tun. Janos Grau widmete sich Anfang der Woche jedoch einer besonderen Aktion: Mit Traktor und Mulcher hat er die Worte „Fuck Corona“ auf eine der familieneigenen Wiesen geschrieben, um sich und anderen Mut zu machen. Die Wiese befindet sich direkt an der Durchfahrtstraße des Sinntaler Ortsteils und ist somit für alle gut einsehbar.

Entschuldigung für derbes Schimpfwort

„Ich muss mich für das derbe englische Schimpfwort entschuldigen. Aber irgendwie passt es doch, weil jeder das Gleiche denkt. Ich wollte den Leuten zeigen, dass sie nicht alleine sind“, sagt der Schwarzenfelser auf Nachfrage unserer Zeitung.

Geschrieben – oder besser gesagt, gefahren – hat der 26-Jährige nach Gefühl. Zum ersten Mal habe er so etwas ausprobiert. Das Ergebnis überrasche ihn selbst, sagt er und fügt hinzu: „Das lässt sich besser lesen als meine eigene Handschrift.“ Damit die Buchstaben nicht schräg werden, steckte er sich im Vorfeld einen Teil der Wiese zur Orientierung ab. „Ich hatte mir das wesentlich schwieriger vorgestellt“, berichtet Grau.

Eine Stunde hat es gedauert

Etwa eine Stunde dauerte die Aktion, dann war der Schriftzug vollbracht. Ein Filmchen, in dem das Ergebnis zu sehen ist, hat inzwischen über die sozialen Netzwerke die Runde gemacht. Gedreht wurde es von einem Freund mittels Drohne. Graus Schwester verbreitete das Video per Handy.

In dieser unsicheren Zeit hilft es dem Junglandwirt, dass auf dem Hof immer etwas zu tun ist. „Langeweile haben wir zum Glück nicht. Wir müssen ja weitermachen“, erzählt Grau. Dass sein Berufsstand für die Versorgung der Bevölkerung genauso wichtig ist wie der Einsatz von Ärzten und Pflegern möchte Grau nicht mehr hören. „Wir machen doch nur unsere Arbeit“, sagt er.

Appelliert, zu unterstützen

Was ihn ärgert ist, „dass erst jetzt erkannt wird, wie wichtig das medizinische Personal ist“. Er sagt: „Es ist doch schade, dass erst ein Virus kommen muss, bis wir begreifen, was Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger und Pflegende tagtäglich leisten – mit oder ohne Corona. Kleine Krankenhäuser schließen, weil sie nicht wirtschaftlich sind. Aber vor der Wirtschaftlichkeit sollte doch stehen, Kranken zu helfen.“

Grau macht sich Gedanken über die Zeit nach Corona. Er bezweifelt, dass sich „alle in den Armen liegen werden“ und die Welt eine bessere sein wird, hofft aber, dass keiner vergisst, was die Einschränkung bedeutet hat. In diesem Zusammenhang appelliert er etwa an die Bürger, regionale Bäcker, Metzger, Gasthäuser und andere Betriebe auch später zu unterstützen, um deren Existenz zu sichern.

Bestellservice funktioniert gut

In Schwarzenfels klappt das während der Krise bereits gut, berichtet er und nennt Beispiele: „Die Unternehmer haben sich auf die Situation eingestellt, um uns zu versorgen. Der Metzger arbeitet etwa mit Bestellungen, damit die Waren im Laden schnell und unter erhöhten hygienischen Bedingungen abgeholt werden können. So entstehen keine Menschenansammlungen. Die beiden Gasthäuser bieten Bestellservice an.“ Mit seiner Aktion will Grau daher etwas zurückgeben.

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