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„Alarmstufe Rot“: Aktion soll auf prekäre Lage an Kliniken aufmerksam machen

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Von: Hanns-Georg Szczepanek

Klinikprotest in Gelnhausen
Mit Trillerpfeifen verliehen Beschäftigte der Main-Kinzig-Kliniken der Protestaktion auf dem Krankenhausgelände in Gelnhausen unüberhörbar Nachdruck. © Hanns Szczepanek

Die meisten Krankenhäuser sind derzeit „kranke Häuser“, die umgehend Finanzhilfen aus Berlin bräuchten, wenn ihnen nicht die Insolvenz drohen soll. Dies ist die Kernbotschaft von Klinikleitungen aus ganz Hessen, die Dienstag zum Auftakt einer Aktionskampagne in Gelnhausen zusammenkamen.

Gelnhausen - Mit dem Titel „Alarmstufe Rot“ machen die Deutsche Krankenhausgesellschaft und ihr Landesverband in Hessen fast schon beschwörend auf eine prekäre Finanzlage der Kliniken angesichts der Preissteigerungen durch Inflation oder Energiekosten aufmerksam. Nach den Corona-Jahren, in dem sich das medizinische und Pflegepersonal zeitweise bis über die Grenzen der physischen und psychischen Belastungsfähigkeit hinaus für die Gesellschaft aufgeopfert habe, benötigten die Krankenhäuser nun selbst Unterstützung.

Main-Kinzig-Kreis: „Alarmstufe Rot“ - Lage an vielen Kliniken prekär

„Hessenschau“-Moderator Andreas Hieke führte die Pressevertreter und das Klinikpersonal vor einem Aktionsmobil auf dem Parkplatz der Klinik an die Aktionswochen heran. Er verwies auf die Relevanz der gut 1900 Krankenhäuser in Deutschland, die an vielen Standorten größter Arbeitgeber seien und jährlich etwa 120 Milliarden Euro Umsatz generierten. Zerfledderte Schirme im Publikum verwiesen symbolisch auf den ausbleibenden Schutz durch Rettungsschirme. Zuschüsse für den Mehraufwand durch die Pandemie seien bereits für 2022 weitgehend gestrichen worden.

Als Präsident der hessischen Krankenhausgesellschaft kritisierte Dr. Christian Höftberger, dass der Bund über den dreimonatigen Tankrabatt und das 9-Euro-Ticket viele Milliarden Euro bereitgestellt habe, die Kliniken aber als „Rückgrat der Gesundheitsversorgung“ bislang in Berlin kein Gehör gefunden hätten. Schon im Aufruf zu der Kampagne schreibt sein Verband, dass der Bund durch viele Versprechungen, „zu viele Worte und wenig Taten“ auffalle. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) schweige über Monate beharrlich oder gebe negative Rückmeldungen.

Hauptproblem ist laut Höftberger die staatlich geregelte und gedeckelte Vergütung in der Gesundheitswirtschaft, die zum Ende eines Jahres festgelegt werde, im Folgejahr jedoch keine Anpassung mehr ermögliche. So gelte für 2022 ein Plus von 2,32 Prozent (Landesbasisfallwert) gegenüber 2021, doch die teils exorbitanten Preissteigerungen in diesem Jahr seien damit nicht auszugleichen. Der Orientierungswert für 2023 liege bei 3,45 Prozent. Da die Inflationsrate jetzt schon bei 8 bis 9 Prozent rangiere, seien weitere Defizite absehbar. Deshalb fordert Höftberger vom Bund „vier Prozent Ausgleich auf alle Rechnungen“. Von den gut 130 Kliniken in Hessen stünden die meisten „mit dem Rücken zur Wand“. (Lesen Sie hier: Neue Knie gibt es künftig nur noch in Schlüchtern: Prothetik-Klinik soll im Herbst starten)

Der örtliche Pflegedirektor Samuel Palitzsch (Gelnhausen) und ein Vertreter der Ärzteschaft betonten unter starkem Beifall, dass „wir unseren Job machen, und wir machen ihn gern“. Die Politik müsse den ihren aber nun auch tun. Oberarzt Dr. Achim Kress ergänzte, dass die Krankenhausfinanzierung grundsätzlich neu strukturiert werden müsse. Jetzt brauche es aber eine Soforthilfe, „damit hier nicht die Lichter ausgehen“.

Krankenhaus-Mitarbeiter kritisieren Politik

Klinikgeschäftführer Dieter Bartsch nannte hierzu eine eindrucksvolle Zahl für die beiden Kreiskrankenhäuser mit ihren etwa 2000 Beschäftigten. Während sich im Jahr 2021 die Energiekosten auf etwa 2,5 Millionen Euro belaufen hätten, seien 2022 wohl 8,5 Millionen Euro nötig.

Landrat Thorsten Stolz (SPD) fasste die Lage der Kliniken in energischen Worten zusammen. Von Gelnhausen gehe „ein klarer Hilferuf nach Berlin und Wiesbaden, dass wir eine auskömmliche und überlebensfähige Klinikfinanzierung hinbekommen müssen“. Wenn drei Viertel der 133 Kliniken in Hessen für dieses Jahr rote Zahlen ankündigten und 50 von diesen wohl bald Liquiditätsprobleme bekämen, dann müsse jedem klar sein: „Wir haben bereits Fünf nach Zwölf.“

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