Zwei Wochen lang türmte sich der „Glasberg“ vor den vollen Containern immer weiter auf.
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Zwei Wochen lang türmte sich der „Glasberg“ vor den vollen Containern immer weiter auf.

Firma nicht erreichbar

Massenweise Altglas in Schlüchtern - Nun ist der Bauhof selbst am „Glasberg“ eingeschritten

  • Tim Bachmann
    VonTim Bachmann
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Es ist weder ein schöner Anblick noch ungefährlich: Vor den Altglas-Containern in der Schlüchterner Gartenstraße türmen sich Flaschen und Gläser. Seit zwei Wochen wächst der „Glasberg“. Jetzt ist der städtische Bauhof eingeschritten.

Schlüchtern - Es ist nicht das erste Mal, dass die übervollen Altglas-Container unweit des Kreisverkehrs am Schlüchterner Industriegebiet längere Zeit auf ihre Leerung warten mussten. Doch wer der Firma „Rhenus Logistics“ aus Hanau, die auf den Altglas-Containern genannt ist, einen telefonischen Hinweis geben wollte, dass diese Container doch bitte einmal ausgeleert werden sollten, der sah sich als besorgter Bürger dieser Tage einem mehr als „unfreundlichen“ Anrufbeantworter gegenüber. (Lesen Sie hier: Ärger in Hünfeld - Unbekannte laden Müll an Haunesee ab)

Ein Anruf unter der angegebenen Hotline bringt den Hinweis, dass sich der Anrufbeantworter im Modus „ohne Aufnahme“ befindet und entsprechend das Gespräch nicht entgegengenommen werden könne. Ende des Gesprächs.

Main-Kinzig-Kreis: Altglas türmt sich in Schlüchtern - Bauhof schreitet ein

Somit kommen Nachfragen oder Beschwerden von Bürgern nicht dort an, wo sie hingehören. Also nicht bei der Tochter der Rhenus-Gruppe, oder bei der Firma Remondis Recycling in Hanau, die Vertragsinhaberin für das Altglas-Recycling im gesamten Main-Kinzig-Kreis ist, und dann auch nicht beim zuständigen Subunternehmer, der für den Abtransport zuständig ist – und auf den Containern gar nicht auftaucht. Das ist nämlich die Firma Weisgerber Umweltservice aus Wächtersbach.

Auf Nachfrage unserer Zeitung beim für die Unternehmensgruppe Rhenus zuständigen Pressesprecher, wann die Container geleert werden, woran es liegt, dass sie überhaupt übervoll sind, warum auf der Service-Nummer niemand erreichbar ist und ob es überhaupt einen regelmäßigen Leerungs-Turnus gibt, konnten kurzfristig keine Antworten geliefert werden.

Die Beschwerden aus der Bevölkerung landeten selbstredend auch bei der Schlüchterner Stadtverwaltung. Und das Müllproblem stinkt Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) ganz gewaltig. Schließlich komme es nicht von ungefähr, dass er sich mit Aktionen wie etwa „We kehr“ für ein sauberes Schlüchtern starkmache. Möller: „Die Leute haben sich vollkommen zu recht beschwert.“ Er selbst habe sich am Wochenende, als er den „Glasberg“ gesehen habe, mächtig geärgert. (Lesen Sie hier: Müll auf dem Domplatz - So hat die Stadt Fulda reagiert)

Glas-Recycling: Soll man den Deckel beim Altglas abschrauben oder nicht?

„Das kann und wird so nicht bleiben“, wetterte der Rathauschef am Montag. Entsprechend habe die Stadtverwaltung eine Notiz an die zuständige Geschäftsführung gerichtet. Darin wurde gefordert, den Unrat unverzüglich zu entfernen. „Deadline“: Montag um 15 Uhr. Doch passiert ist bis dahin nichts. Entsprechend ist der Bauhof um 15.05 Uhr selbst zur Tat geschritten, berichtete Bauhofleiter Marc Lotz.

Rathauschef Möller ärgert, dass durch den Einsatz des Bauhofs Kosten angefallen sind, die im Normalfall den Steuerzahler belasten würden. Das will die Stadtverwaltung aber verhindern. Entsprechend soll der Reinemach-Einsatz in Rechnung gestellt werden, versprach Möller.

Am Nachmittag (nach der Säuberungsaktion) meldete sich der zuständige Mitarbeiter der Firma Remondis, Matthias Vogler, der berichten konnte, dass beim Subunternehmer Weisgerber zwei Fahrer krankheitsbedingt ausgefallen waren, was die Firma nicht habe auffangen können. Trotz der Probleme mit der Hotline, von der er bis dato nichts wusste, seien Beschwerden auch bis zum Hanauer Hafen – ins Gebäude, in dem die Firmen Rhenus und Remondis sitzen – durchgedrungen. Und wenn jemand volle Container sehe, solle er sich bitte melden. Denn in der Pandemie-Zeit füllten sich die Glas-Container schneller, so Vogler, und trotz des regelmäßigen Leerungs-Rhythmus’ bedürfe es Extra-Fahrten.

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