Für Frank Kaufmann geht ein Lebenstraum in Erfüllung.
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Für Frank Kaufmann geht ein Lebenstraum in Erfüllung.

Schlüchterner auf Jakobsweg

Frank Kaufmann erfüllt sich trotz Amputation seinen Lebenstraum - mit Hilfe

  • Tim Bachmann
    VonTim Bachmann
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Der Schlüchterner Frank Kaufmann (57) träumte vom Jakobsweg. Doch eine Beinamputation vor vier Jahren ließ diesen Traum wie eine Seifenblase platzen. Aber wo ein Wille ist, ist bekanntlich auch ein Weg. Auf einem Bein kann er lang und steinig werden.

Schlüchtern/ Santiago de Compostela - Nach mehreren Knieoperationen und bakteriellen Infektionen hat Frank Kaufmann aus Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis) im Jahr 2017 sein Bein verloren. Allerdings nicht seinen Lebensmut.

„Damit war sein Traum, den Jakobsweg zu gehen, scheinbar unmöglich“, berichtet Dieter Engels (67). „Als wir uns vor zwei Jahren in der S-Bahn nach Wiesbaden kennengelernt haben, hatte ich gerade mit meinen drei Söhnen den Caminho Portugues do Costa hinter mir“, erinnert sich der 67-Jährige.

Main-Kinzig-Kreis: Frank Kaufmann läuft trotz Amputation den Jakobsweg

Engels wird Kaufmann im Rückblick wie ein Engel vorkommen. Denn mit der Begegnung erhielt auch der Traum vom Camino wieder Futter. „Nach vielen Treffen beschlossen wir, den Weg gemeinsam zu gehen. Mit Tagesetappen von zehn bis 15 Kilometern“, berichtet Engels. Ende September starteten sie den Caminho da Costa an der Atlantikküste, also am Strand entlang. Meist auf Holzstegen.

Der Blick auf den Atlantik war sicherlich ein emotionaler Moment für den 57-jährigen Schlüchterner, der vor vier Jahren sein Bein verloren hat.

„Für den ersten Tag haben wir uns eine kurze Etappe ausgesucht und die Übernachtung in einer Pilgerherberge geplant. Aufgrund von Franks Handicap wird er in der Herberge ein eigenes behindertengerechtes Einzelzimmer erhalten“, berichtete Engels kurz vor dem Abflug. (Lesen Sie hier: Ein halbes Jahr Unterricht auf hoher See: 15-Jähriger aus Fulda segelt mit Schulschiff über Atlantik)

Und so sollte es dann auch kommen: Frank und Dieter starteten um 12.50 Uhr von Frankfurt nach Porto. Dort schauten sie sich die Stadt an und holten sich in der Kathedrale den ersten Stempel ab. „Nachdem wir einen Tag Porto besichtigt haben, ging es los. Wunderbar entspannt auf Holzbohlen am Atlantik entlang ging es bis Pavoa de Varzim“ – auf drei Beinen auf dem Camino.

Auf drei Beinen über den „Camino“

Das ungleiche Wanderduo machte sich dann auf den Weg nach Fao und am nächsten Tag weiter nach Viano do Castello. „Die Brücke dort war eine echte Herausforderung für Frank. Fast einen Kilometer lang, eng mit Stolperfallen für Fußgänger und rasenden Autofahrern“, schildert Engels.

Inzwischen haben die Wanderfreunde die erste Woche und einige spannende Etappen hinter sich gebracht. Von „vielen interessanten Begegnungen“ berichtet Engels. Im Volksmund heißt es oft: „Der Weg ist das Ziel.“ Das gilt umso mehr für Kaufmann, der sich mit Engels’ Hilfe seinen Lebenstraum erfüllt.

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