Justitia mit ihrer Waage
+
Das Verfahren gegen den 34-jährigen Mann wurde vor dem Amtsgericht Gelnhausen eingestellt. (Symbolbild)

Verfahren in Gelnhausen

Konflikt vor Kindergarten in Schlüchtern: Wollte der Angeklagte eine Erzieherin anfahren?

Die Einstellung des Strafverfahrens gegen einen 34-Jährigen hat vor dem Amtsgericht in Gelnhausen für große Emotionen gesorgt. Der Schlüchterner soll mit dem Auto auf eine Erzieherin zugefahren sein.

Schlüchtern - „Das schlägt dem Fass den Boden aus“, empörte sich der Anwalt der Nebenklage. In seinem 47. Anwaltsjahr bringe ihn diese Entscheidung auf die Palme. Die Entscheidung zur Einstellung hatte Richterin Sarah Lehmann in Absprache mit dem Vertreter der Staatsanwaltschaft und dem Angeklagten getroffen.

Ein 34-Jähriger aus einem Schlüchterner Stadtteil (Main-Kinzig-Kreis) musste sich wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Ein erster Verhandlungstag war aufgrund von Sprachschwierigkeiten des Beschuldigten gescheitert. Im zweiten Anlauf übersetzte ein Dolmetscher die Anklageschrift.

Demnach soll der 34-Jährige am 29. September 2020 auf der Anfahrt zum Kindergarten plötzlich eine abrupte Lenkbewegung in Richtung einer Kindergärtnerin, die gerade am Straßenrand stand, gemacht und erst kurz vor ihr abgebremst haben. Als die 60-Jährige ihn darauf ansprach, soll er bekundet haben, er habe ihr ein bisschen Angst machen wollen.

So ähnlich argumentierten auch die Angeklagten in einem Fall, der sich in Bad Soden ereignet hatte. Die Täter behaupteten, das Opfer mit Schüssen nur erschrecken zu wollen. Der Angeklagte im aktuellen Fall stritt sämtliche Vorwürfe vor Gericht ab. Jeden Tag bringe und hole er sein Kind aus der Einrichtung.

Schlüchtern: Wollte der Angeklagte (34) eine Kindergärtnerin anfahren?

Dabei versuche er, mit seinem Auto wegen der Kinder stets vorsichtig zu fahren. An besagtem Tag sei die 60-Jährige plötzlich auf die Straße getreten. Es sei aber zu keiner gefährlichen Begegnung gekommen, er habe etwa zehn bis 15 Meter vor ihr geparkt. Dennoch habe er sich bei der Frau unmittelbar entschuldigt, damit er nicht falsch verstanden werde.

Die Geschädigte berichtete hingegen von bewusstem Lenken und abruptem Abbremsen – nur etwa zehn Zentimeter vor ihr. Sie habe sich bedroht gefühlt und sprach von einem „Schockzustand“. Wegen einer früheren Unfallverletzung sei es bei ihr zu einem „Retro-Erlebnis“ gekommen. Sie habe seither körperliche und zudem psychische Beschwerden, sei in ärztlicher Behandlung und arbeitsunfähig.

Rund zwei Wochen zuvor soll es nach Angaben ihres Anwalts schon einmal zu einer Begegnung der Kontrahenten gekommen sein, bei welcher der Beschuldigte mit seinem Auto knapp am Wagen der Frau vorbeifuhr. Als sie ihn seinerzeit zur Rede stellte, habe er erklärt, sie müsse sich keine Sorgen machen, er habe schließlich gute Bremsen.

Gericht in Gelnhausen - Angeklagter tätigt seltsame Äußerungen

Der Angeklagte zweifelte an den Krankheitssymptomen der Frau und mutmaßte, sie strebe eine schnelle Verrentung an. Und: Wenn er sie in der Einrichtung wiedersehe, dann werde er das tun, was er bisher nicht getan habe. Diese Äußerung wollte der Anwalt der 60-Jährigen näher erläutert wissen. Der 34-Jährige ergänzte: Er wolle dann dafür sorgen, dass die Frau dort nicht mehr arbeiten darf.

Ohnehin werde nach seiner Einschätzung in dem Kindergarten über den Vorfall gelacht. Und auch diese Aussage traf er: Er „drehe durch“, wenn er als Arbeitsloser wegen dieses Strafverfahrens seinen Berufswunsch Kraftfahrer nicht verwirklichen könne. Er sage die Wahrheit.

Wenn nicht, solle „Gott dafür sorgen“, dass er nach der Gerichtsverhandlung nicht mehr nach Hause komme. Da letztlich Aussage gegen Aussage stand, wurde das Verfahren ohne Auflagen eingestellt. Eine geladene Zeugin wurde nicht gehört, da sie angeblich schon bei der Polizei ausgesagt habe, nichts gesehen zu haben. (ls)

Das könnte Sie auch interessieren