Wegen sexueller Nötigung von minderjährigen Mädchen muss sich nun ein 32-Jähriger aus Steinau am Landgericht Hanau verantworten. (Symbolfoto)
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Wegen sexueller Nötigung von minderjährigen Mädchen muss sich nun ein 32-Jähriger aus Steinau am Landgericht Hanau verantworten. (Symbolfoto)

Landgericht Hanau

32-Jähriger soll Mädchen belästigt haben - Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Wegen sexueller Nötigung von minderjährigen Mädchen muss sich nun ein 32-Jähriger aus Steinau vor der 7. Großen Strafkammer am Landgericht Hanau verantworten.

Schlüchtern/Steinau - Die Staatsanwaltschaft Hanau beschuldigt den nicht vorbestraften Familienvater, von 2011 bis 2017 in vier Fällen übergriffig geworden zu sein. Er soll die zur Tatzeit sieben- bis 15-jährigen Töchter einer befreundeten Familie aus dem westlichen Main-Kinzig-Kreis bei gemeinsamen Übernachtungen zur eigenen Erregung im Brust- und Intimbereich gestreichelt haben.

Richter Sascha Rüppel stellte dem Angeklagten eine Strafmilderung in Aussicht, wenn er zu Beginn reinen Tisch mache – und somit den Opfern die „furchtbaren Schilderungen“ vor Gericht erspare. Bei einem Geständnis sei noch eine Bewährungsstrafe möglich. Der 32-Jährige beteuerte jedoch seine Unschuld.

Main-Kinzig-Kreis: Angeklagter soll minderjährige Mädchen belästigt haben

2009 lernte er seine Frau kennen, deren Mutter als Babysitterin in besagter Familie aushalf, berichtete er. So lernte er das Ehepaar, mit dessen drei Töchtern kennen. Schon bald übernachteten die Mädchen regelmäßig bei ihnen, zunächst in der damaligen Wohnung im Rhein-Main-Gebiet, nach einem Umzug auch in Schlüchtern.

Die Kinder hätten gerne am Wochenende den Kontakt gesucht. Und er habe den familiären Umgang genossen, da es in seiner Ursprungs-Familie weniger harmonisch zuging. Das Verhältnis sei mehr als freundschaftlich gewesen, seine Beziehung zu den Mädchen wie das eines großen Bruders oder gar eines Vaters. Die Besucherinnen hätten jedoch niemals mit seiner Frau oder mit ihm allein im Bett geschlafen, sondern immer separat. Er sei nie über einen längeren Zeitraum mit ihnen allein gewesen. (Lesen Sie auch hier: Mädchen (12) vor den Augen des Vaters missbraucht - Täter bekommt Bewährungsstrafe)

32-Jähriger soll Mädchen belästigt haben - Opfer (17) sagt vor Gericht aus

Die Erstattung der Anzeige habe für ihn einen erheblichen Einschnitt bedeutet. Weil er beruflich im sozialen Bereich tätig ist, verlängerte sein Arbeitgeber den Anstellungsvertrag nicht. Auch psychisch hätten ihm die Vorwürfe zugesetzt. Ein Jahr lang war er krank, musste therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Trotz der Vorwürfe stünden seine Frau und Angehörige hinter ihm.

Die häufigen Besuche bei dem befreundeten Ehepaar und das gute Verhältnis bestätigte eines der Opfer, heute 17 Jahre alt, als Zeugin vor Gericht. Allerdings berichtete sie auch – im Gegensatz zum Angeklagten – von Übernachtungen der Mädchen im Bett des Ehepaares.

In einem der Fälle sei sie Opfer der sexuellen Nötigung gewesen. In der Wohnung in der Schlüchterner Innenstadt habe sie auf der Couch geruht, als der Beschuldigte sich zu ihr legte. Plötzlich habe dieser angefangen, sie an Schulter und Rücken zu kraulen.

Nach sexueller Nötigung: Mädchen verletzte sich selbt

In der Folge habe er die Handbewegungen auch unter ihrem Slip im Intimbereich fortgesetzt. Das sei ihr „total unangenehm“ gewesen – so extrem, dass sie sich nicht bewegen, geschweige denn wehren konnte. Irgendwann sei sie dann doch ins Bad geflüchtet und habe sich dort die ganze Nacht über eingeschlossen.

Später habe sie sich einer ihrer Schwestern anvertraut. Zu ihrer Überraschung erzählte diese von gleichen Erlebnissen. Die Geschehnisse und andere familiäre Probleme hätten bei ihr Schlafstörungen und Angstzustände ausgelöst, erklärte sie unter Tränen. Nachdem sie sich auch selbst verletzt hatte, wurde sie in die Jugendpsychiatrie eingewiesen, wo sie mehrere Monate blieb. Heute lebt sie in einer betreuten Wohngruppe. Der Prozess wird fortgesetzt. (ls)

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