Susanne Riek restauriert die freigelegten Malereien im Kloster Schlüchtern, die neben floralen Mustern einen rätselhaften Stierkopf zeigen.
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Susanne Riek restauriert die freigelegten Malereien im Kloster Schlüchtern, die neben floralen Mustern einen rätselhaften Stierkopf zeigen.

Bei Renovierung

500 Jahre alter Stierkopf gibt Rätsel auf: Malereien aus dem 15. Jahrhundert im Kloster entdeckt

  • VonMarah Naumann
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Dass auch nach Jahrhunderten in alten Gemäuern kleine Sensationfunde möglich sind, zeigt das jüngste Beispiel im Kloster Schlüchtern: Im ehemaligen Brunnenraum wurden über 500 Jahre alte Malereien entdeckt, die nun aufwendig restauriert werden. Ein Motiv sorgt dabei für Rätselraten.

Schlüchtern - Erst vor wenigen Wochen waren in der Schlüchterner Stadtkirche im Zuge der Renovierung des Innenraums alte Grundmauern freigelegt worden. Nun treten auch mittelalterliche Malereien im ehemaligen Brunnenraum des Klosters im Main-Kinzig-Kreis nach Jahrhunderten erstmals wieder ans Tageslicht.

Die Wandgemälde waren 2019 bei umfassenden Renovierungsarbeiten des Kreuzgangs im Kloster entdeckt worden – und das nur durch Zufall. Denn eigentlich sollte nur der Putz erneuert werden. Doch als die alte Wandschicht abgetragen wurde, kamen Teile von Malereien zum Vorschein, die über Jahrhunderte unter dem Putz geschlummert hatten. „Die Bauarbeiten wurden in Abstimmung mit dem Landeskirchenamt sofort unterbrochen“, berichtet Klosterrentmeister Rene Leipold. Zusammen mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Restaurationsfirma Klöckner aus Biebergemünd besprachen die Verantwortlichen das weitere Vorgehen.

Main-Kinzig-Kreis: Rätselhafter Fund aus dem 15. Jahrhundert entdeckt

Dass es sich um einen kleinen Sensationsfund handelt, wusste Leipold sofort: „Nach so vielen Jahren hier immer noch etwas Neues zu entdecken, ist wirklich besonders“, freut sich der Klosterrentmeister. Glück hatte auch Restauratorin Susanne Riek, die an einer kleinen Stelle stichprobenartig den Putz abtrug, um zu schauen, ob sich darunter Malereien befinden – und prompt fündig wurde.

Die Restauratorin stieß auf ein Muster in dunklem Rot und hellem Grün. Doch die Besonderheit zeigte sich erst beim weiteren Freilegen der Wand: Direkt über dem mittlerweile geschlossenen Türbogen prangt ein Stierkopf mit einer goldenen Zackenkrone und einer Glocke unter dem Maul. Das Motiv gibt Leipold und Riek Rätsel auf. „Erst dachten wir, es könnte sich um die Darstellung der vier Evangelistensymbole handeln, also Stier, Löwe, Adler und Mensch. Aber es gab keine Anzeichen für weitere Malereien“, berichtet Leipold. Eine Erklärung erhofft er sich nun vom Schlüchterner Stadtarchivar Bernd Ullrich und einem Kunsthistoriker des Landeskirchenamts.

Trotz blasser Farben ist der Stierkopf auf der Wand gut zu erkennen.

Nachdem das Klosterkuratorium der Restaurierung zugestimmt hatte, konnten die Arbeiten beginnen. Seit Beginn der Sommerferien ist Restauratorin Susanne Riek nun damit beschäftigt, einen Teil der Wandmalereien freizulegen und historisch korrekt zu ergänzen. Dafür kommen wasserlösliche Farben zum Einsatz, die sich in die Stellen mit der originalen Bemalung harmonisch einfügen und diese nicht zerstören. „Die Malereien sind wirklich wunderschön und sehr fein gearbeitet. Wenn man ganz nah herangeht, sieht man die feinen Pinselstriche“, ist Riek von der Arbeit der Künstler vor über 500 Jahren begeistert.

Eine genaue Datierung der Malereien steht derzeit noch aus. Es gibt jedoch einige Anhaltspunkte, wie Leipold verrät: „Wir schätzen die Entstehungszeit auf das 15. oder Anfang des 16. Jahrhunderts. Das passt zu den Jahreszahlen 1512 und 1521, die im Brunnenraum zu finden sind und auf dessen Entstehungszeit hinweisen. Zu dieser Zeit ließ der damalige Abt, Christian Happ, das Kloster umfassend erneuern.“

Bei Renovierung im Kloster entdeckt: 500 Jahre alter Stierkopf gibt Rätsel auf

Die Restaurierung der Wandmalereien kostet insgesamt rund 25.000 Euro – eine Investition, die sich lohnt, wie Rene Leipold findet. Nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten sollen die Malereien dann unter anderem bei Klosterführungen besichtigt werden können.

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