Vernetzung mit ÖPNV

Premiere in Bad Soden-Salmünster: Autonomer Bus fährt erstmals im regulären Straßenverkehr

  • Hanns-Georg Szczepanek
    VonHanns-Georg Szczepanek
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Mit einigen Monaten Verzögerung beginnt am Mittwoch der Fahrgastbetrieb eines autonom fahrenden Pendelbusses in der Kurstadt Bad Soden-Salmünster.

Bad Soden-Salmünster - Der „Easy“-Bus ist nicht zum ersten Mal in einem sogenannten Testfeld in Hessen unterwegs. Solche gab es ab Herbst 2019 für knapp ein Jahr am Mainufer in Frankfurt (700 Meter Strecke), parallel dazu einige Wochen auf einem Klinikgelände in Wiesbaden (300 Meter), seit September 2020 mit Unterbrechungen auf dem Areal des Touristenmagnets Kloster Eberbach (750 Meter) und nun im Kurgebiet von Bad Soden-Salmünster.

Das Besondere in der Stadt zwischen Spessart und Vogelsberg ist nicht nur die mit 1,3 Kilometern bislang längste Wegstrecke, sondern dass der Selbstfahrbus – nach einigen Testläufen ohne Fahrgäste – erstmals im regulären öffentlichen Straßenverkehr eingesetzt wird.

Main-Kinzig-Kreis: Autonomer Bus fährt in Bad Soden-Salmünster erstmals im regulären Straßenverkehr

In diesem „Mischverkehr“ trifft der autonom fahrende Bus also erstmals auf individuellen (und somit nicht planbaren) Auto-, Fußgänger- oder auch Fahrradverkehr. Bei den bisherigen Einsätzen handelte es sich um weitgehend oder vollständig geschlossene Verkehrsräume.

Der autonom fahrende Kleinbus fährt bis zum Ende des Pilotbetriebs im kommenden November jeweils mittwochs bis sonntags von 13 bis 19 Uhr. Die Mitfahrt ist für die Fahrgäste kostenlos. Zwischen dem Festplatz-Parkplatz am alten Kurpark und der Wendestation am anderen Ende der Strecke (Salztalklinik) liegen weitere sieben fest programmierte Haltepunkte in der Bad Sodener Altstadt, an der Spessart-Therme, einem großen Seniorenwohnheim, der Median Kinzigtal-Klinik und dem Wohnmobil-Stellplatz neben einem Minigolfplatz.

Die Verantwortlichen des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) wollen mit den Pilotprojekten in Kommunen oder an Freizeitzielen neben der Technik auch die Akzeptanz für die neuartigen Fortbewegungsmittel testen, die einen Einstieg in die vernetzte Mobilität markieren. (Lesen Sie hier: Reisebusunternehmen in der Region bemängeln Flickenteppich durch Corona-Regeln)

Der selbstfahrende „Easy“-Bus roll in Zukunft durch Bad Soden-Salmünster.

RMV-Geschäftsführer Dr. André Kavai, ehemals Vizelandrat im Main-Kinzig-Kreis, stellt gestern in Bad Soden heraus, dass der öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) insofern neu konzipiert werden müsse, in dem bisher getrennt geplante Verkehrsarten künftig vernetzt gedacht werden müssten. Selbstfahrbusse wie der „Easy“-Bus, für den der RMV rund 150 000 Euro aufgebracht habe, könnten in Zukunft den Nahverkehr überall dort ergänzen, „wo Bus und Bahn nicht passgenau fahren können“.

Maximal sechs Erwachsene und zwei Kinder können in dem Easy-Bus mitfahren. Coronabedingt dürften es aber in der Regel deutlich weniger sein.

Speziell im ländlichen Raum betreffe dies die ganz frühen oder sehr späten Stunden eines Tages. Wenn eine ausgereifte Fahrzeugtechnik bei Selbstfahrbussen, die im Grunde schon heute ohne Begleitperson auskommen, mit dem On-Demand-Ansatz (Fahrten auf Abruf) kombiniert würden, ergäben sich „völlig neue Perspektiven“ für das Angebot vor Ort, so Kavai. Das Fahrtempo beim autonomen Verkehr zwischen Ortsteilen müsse am Ende natürlich deutlich über den aktuell 11 Stundenkilometern liegen. (Lesen Sie hier: So sollen sich in Fulda Busse und ÖPNV in Zukunft entwickeln)

Das „Easy“-Projekt

Der Name des Pilotprojekts „Easy“ ist eine Abkürzung von Electric Autonomous Shuttle for You („elektrischer Pendelbus für dich“). In dem Projekt testet der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) mit wechselnden Partnern autonome Fahrzeuge auf ihre Einsatzfähigkeit im öffentlichen Personen-Nahverkehr.
In Bad Soden-Salmünster sind die Stadtverwaltung, der Main-Kinzig-Kreis, die kreiseigene Verkehrsgesellschaft und die Kreiswerke-Tochter Regionalverkehr Main-Kinzig Kooperationspartner.
Das Fahrzeug „Arma DL3“ der französischen Firma Navya fährt mit 11 km/h selbstständig auf der 1300 Meter langen Strecke im Kurgebiet. Mittels Sensoren „erkennt“ das Fahrzeug Hindernisse, passt sein Tempo oder stoppt bei Bedarf. Eine Aufsichtsperson (Operator) ist bei jeder Fahrt dabei, greift aber nur für Routenabweichungen ein.

Kreisverkehrsdezernent Winfried Ottmann (CDU) unterstreicht die Vernetzung autonom fahrender Busse mit dem bestehenden ÖPNV. Dies bedeute in der Kurstadt an der Kinzig die Anbindung des Kurgebiets an den Bahnhof im Stadtteil Salmünster. Für Main-Kinzig-Landrat Thorsten Stolz (SPD) trägt der Einstieg in die noch neue Verkehrsart zur „Angleichung der Lebensverhältnisse“ zwischen Metropolregionen und dem ländlichen Raum bei.

Rubriklistenbild: © Hanns Szcepanek

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