Sie zogen eine Bilanz zur diesjährigen Ernte im Main-Kinzig-Kreis: (von links) Matthias Wacker, Frank Giebisch, Gerhard Giebisch, Kreisbauernverbandschef Mark Trageser, Jens Pleger, Kreislandwirt Bruno Wörner und Richard Uffelmann.
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Sie zogen eine Bilanz zur diesjährigen Ernte im Main-Kinzig-Kreis: (von links) Matthias Wacker, Frank Giebisch, Gerhard Giebisch, Kreisbauernverbandschef Mark Trageser, Jens Pleger, Kreislandwirt Bruno Wörner und Richard Uffelmann.

Spargel, Erdbeeren, Getreide

Weniger Ertrag, geringere Qualität: Ernte im Main-Kinzig-Kreis schlechter als erwartet

  • VonMarah Naumann
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Erwartet hatten sie eine Rekordernte. Doch wegen des ausgebliebenen Sonnenscheins im Mai fällt die Bilanz der Landwirte im Main-Kinzig-Kreis verhaltener aus als im Frühjahr noch angenommen.

Main-Kinzig - „Im Frühjahr hatten wir noch die Hoffnung auf eine gute Ernte. Doch dann kam die Ernüchterung. Wir haben im Main-Kinzig-Kreis noch relativ gute Erntebedingungen im Vergleich zu anderen Regionen wie etwa Nordhessen“, betonte Mark Trageser, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Main-Kinzig, beim Erntegespräch des Verbands auf dem Baumwieserhof (Familie Giebisch) in Langenselbold.

Der Grund für die nurmehr durchschnittliche statt erhoffte Rekordernte ist die Wetterlage. „Wir waren sehr optimistisch, weil es im Februar schon Sonnentage mit über 20 Grad gab. Und dann kam der Mai. Der war verregnet und kalt“, stellte Kreislandwirt Bruno Wörner (Erlensee) fest. Negativ habe sich auch eine kurze Hitzeperiode auf die Ernte ausgewirkt. Auch im Kreis Fulda klagen Landwirte über schlechte Qualität bei der Getreideernte.

Main-Kinzig-Kreis: Ernte schlechter als erwartet - Bauern nennen Gründe

Im Hinblick auf die Sonderkulturen wie Spargel und Erdbeeren berichtete Wörner von einer unterdurchschnittlichen Ernte. „Die Qualität ließ wegen Fäulnis der Früchte zu wünschen übrig. Die Erdbeer-Ernte wurde in diesem Jahr deshalb schon Ende Juni statt Mitte Juli beendet.“

Mit Blick auf den Weizen im Altkreis Hanau befinde man sich auf dem Niveau der vergangenen Jahre, erläuterte Matthias Wacker. Die Weizenernte solle in der laufenden Woche abgeschlossen werden. Dies sei durch viel Regen in den vergangenen Wochen nicht möglich gewesen. „Es gab zwar viel Niederschlag, aber dadurch auch Pilz-Erkrankungen. Der Hauptwirkstoff gegen solche Erkrankungen fiel weg“, stellte Wacker fest. Viele Zulassungen für Wirkstoffe in Insektiziden oder auch Düngemitteln seien ausgelaufen.

Zudem schränkt die neue Düngemittelverordnung laut Mark Trageser den Handlungsspielraum der Landwirte ein: „Das Instrument des Nachjustierens ist nicht mehr möglich. Früher konnte man in einem regenreichen Mai nochmal etwas nachdüngen, das geht jetzt nicht mehr.“

Die Landwirte sind sich einig: Zu viel Regen und zu wenig Sonne sind 2021 der Grund für den eher durchschnittlichen Ertrag bei Raps, Weizen und Gerste. „Aus Sicht des Handels fehlen bei den Feldfrüchten etwa eine bis anderthalb Tonnen pro Hektar, sowohl bei Weizen als auch bei Raps. Das heißt, dass im Main-Kinzig-Kreis bei einer Fläche von 23.000 Hektar Ackerland in diesem Jahr etwa 7000 Tonnen Getreide fehlen“, konstatierte Jens Pleger von der Raiffeisen Waren GmbH.

Trotz „relativ guter Erntebedingungen“ im Main-Kinzig-Kreis weniger Ertrag und geringere Qualität

Die Preise auf dem Weltmarkt gingen jedoch nach oben, weshalb die fehlenden Erträge durch höhere Einnahmen ausgeglichen würden. Der Erlös sei daher etwa auf demselben Niveau wie im vergangenen Jahr. (Lesen Sie hier: Fahrschul-Lkw fährt 120 Heuballen für Landwirte ins Flutgebiet)

Richard Uffelmann zog ein Resümee der diesjährigen Ernte im Altkreis Schlüchtern. Die Wintergerste sei mittlerweile abgeerntet, Weizen und Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen, stünden zu 80 Prozent noch auf dem Feld. Zudem gebe es einen überdurchschnittlich hohen Strohertrag.

Anbauflächen im Main-Kinzig-Kreis

23.000 Hektar Ackerland
24.500 Hektar Dauergrünland
6800 Hektar Weizen
5000 Hektar Mais
2800 Hektar Gerste
1800 Hektar Raps
Hinzu kommen geringe Mengen an Roggen, Triticale und Erbsen.

„Im Altkreis Schlüchtern gibt es mehr Vieh haltende Betriebe. Diese haben sehr gelitten unter der Trockenheit in den letzten drei Jahren“, betonte Uffelmann. In diesem Jahr sei das Gras für Silage im Bergwinkel jedoch gut gewachsen. Der Mais „steht gut da“, wie Mark Trageser auch für den übrigen Landkreis feststellte. Ein großes Problem sei derzeit eine stark wachsende Population von Wildschweinen, die die Ernte zerstören, stellte Uffelmann fest. Und: „Dagegen kann man leider nicht sehr viel tun.“

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Die Landwirte hoffen nun auf die Weizenernte in dieser Woche. Doch erst auf dem Feld werde sich zeigen, ob sich die Körner noch als Backweizen für Mehl eignen oder wegen einer beginnenden Keimung aufgrund des Regens in den vergangenen Wochen nur noch zu Futterweizen verarbeitet werden können.

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