Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender der Main-Kinzig-Kliniken, Thorsten Stolz (SPD), und Geschäftsführer Dieter Bartsch ziehen Bilanz.
+
Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender der Main-Kinzig-Kliniken, Thorsten Stolz (SPD), und Geschäftsführer Dieter Bartsch ziehen Bilanz.

Intensivstationen an Grenze

Main-Kinzig-Kliniken ziehen Bilanz: 2020 trotz Pandemie mit „schwarzer Null“ abgeschlossen

  • VonMarah Naumann
    schließen

Teils dramatische Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr vor allem auf den Betrieb in Krankenhäusern. Trotz der Krise schlossen die Main-Kinzig-Kliniken das Jahr 2020 mit einem Plus ab.

Schlüchtern/Gelnhausen - Thorsten Stolz (SPD), Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender der Main-Kinzig-Kliniken, stellte bei der Präsentation der Jahresbilanz die besonderen Leistungen der Klinikmitarbeiter in den Vordergrund: „2020 war das herausforderndste Jahr in der Geschichte der Main-Kinzig-Kliniken. Die Mitarbeiter haben an beiden Standorten in Gelnhausen und Schlüchtern Großartiges geleistet und sind bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gegangen.“

Bis 1. Juli dieses Jahres wurden insgesamt 1188 Corona-Patienten in den Kreiskliniken behandelt, davon 250 in Schlüchtern. In der Bergwinkelstadt war der Anteil der Intensivpatienten mit sieben jedoch weitaus geringer als in Gelnhausen. Dort wurden 215 der 938 Corona-Patienten intensivmedizinisch betreut. Wie Dieter Bartsch als Geschäftsführer der Main-Kinzig-Kliniken erläuterte, habe man die Behandlung der Covid-Patienten vor allem auf den Standort Gelnhausen konzentriert.

Main-Kinzig-Kliniken ziehen Bilanz: 2020 trotz Pandemie mit „schwarzer Null“ abgeschlossen

Der Neubau der Intensivstation sei daher genau zur passenden Zeit fertiggestellt worden, betonte Bartsch. Dennoch habe sich der Klinikalltag in der Pandemie geändert: Die Auslastung der Intensivbetten habe stets bei annähernd 100 Prozent gelegen. Diese Belastungsgrenze sei jedoch auch schon vor der Pandemie erreicht worden. Bartsch betonte, dass dennoch kein Corona-Patient habe abgewiesen werden müssen. Man habe sich personell stets auf die Anzahl der Covid-Patienten eingestellt.

Trotz des Wegfalls der planbaren Eingriffe seit März 2020 und dem dadurch fehlenden Umsatz sowie weitaus geringere Patientenzahlen schlossen die Main-Kinzig-Kliniken das Jahr 2020 mit einem Plus in Höhe von 122.000 Euro ab. Der Gesamtumsatz im vergangenen Jahr beträgt damit 170 Millionen Euro – eine Steigerung von 15 Millionen Euro im Vergleich zu 2019. Durch mehr Personal und die Verwendung von mehr Schutzausrüstung seien die Ausgaben jedoch höher gewesen. Das Investitionsvolumen für Umbau- und Erweiterungsprojekte 2020 betrug 75 Millionen Euro, davon 11 Millionen am Standort Schlüchtern.

(Lesen Sie hier: Erst kürzlich haben die Main-Kinzig-Kliniken ihre Corona-Regeln angepasst)

Bartsch sieht Bund und Länder gefordert - „Pandemie ist wie ein Brennglas, das Schwachstellen aufzeigt“

Die „schwarze Null“ wurde laut Landrat Stolz nur durch den Rettungsschirm der Bundesregierung und die Erhöhung des Eigenkapitals durch den Kreis in Höhe von insgesamt 22 Millionen Euro (10 Millionen Euro 2021 und jeweils 4 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren) erzielt.

„Die Möglichkeiten der Unterstützung sind irgendwann ausgeschöpft“, machte der Landrat des Main-Kinzig-Kreises deutlich und forderte: „Bund und Länder müssen handeln.“ Das sieht auch Geschäftsführer Bartsch so: „Die Pandemie ist wie ein Brennglas, das Schwachstellen aufgezeigt hat.“ Dabei seien drei Aspekte aufgefallen, die es zu ändern gelte: Neben einem neuen Finanzierungssystem für Krankenhäuser seien mehr finanzielle Mittel für den Ausbau der technischen Infrastruktur nötig, etwa für medizinische Geräte.

Der „ausufernde Dirigismus aus Berlin, der bis ans Bett des Patienten reicht“, sei ein weiteres Problem. Damit meint Bartsch den Bürokratie-Aufwand, in den ein Großteil der Arbeitszeit von Pflegekräften investiert werden müsse. Dass die Patientenversorgung auch mit weniger Büroarbeit möglich sei, habe die Pandemie gezeigt. Viele Vorgänge seien kurzzeitig ausgesetzt worden, was die Mitarbeiter als Entlastung empfunden hätten.

Das könnte Sie auch interessieren