Demonstration der „Bürger-Allianz“ im Schlüchterner Stadtteil Herolz.
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Zur Not will die Herolzer „Bürger-Allianz“ im Sommer erneut in Warnwesten gegen Verkehrslärm demonstrieren.

Lärm und Abgase

Main-Kinzig-Kreis: „Bürger-Allianz“ in Herolz lässt nicht locker - Lärmpegel beschäftigt Tarek Al-Wazir

  • Tim Bachmann
    VonTim Bachmann
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Raser, Verkehrslärm, Abgase: Darunter leiden viele Anwohner der Brückenauer Straße und des Gerlingsbergs an der Ortsdurchfahrt Herolz in Richtung Sinntal schon seit Ewigkeiten. Die „Bürger-Allianz gegen Raserei und Lärm“, angeführt von Rudi Mihm und Ewald Bickert lässt nicht locker, auch wenn es immer wieder Hiobsbotschaften gibt. 

Schlüchtern - „Das ist wie ein Schlag ins Gesicht“, beschreibt Rudi Mihm die Antworten von Minister Tarek Al-Wazir (Grüne) auf eine Kleine Anfrage im Landtag, gestellt vom SPD-Landtagsabgeordneten Heinz Lotz aus Marjoß. Lotz erkundigte sich nach Möglichkeiten des Lärmschutzes und der Temporeduzierung an der Landesstraße 3180. Also nicht nur in Herolz im Main-Kinzig-Kreis, sondern auch in Sannerz.

Minister Al-Wazir verwies auf den aktuellen Lärmaktionsplan Hessen (4. Mai 2020), worin die Ortsdurchfahrt in Herolz beziehungsweise als Gesamtbetrachtung die Ortsdurchfahrten der Landesstraßen 3141, 3180, 2304 sowie 3371 in Sinntal als Lärmkonfliktpunkte ausgewiesen sind. „Mit 90 beziehungsweise 83 Personen, die von Gesamttageslärmpegeln über 65 Dezibel betroffen sind, ist das Ausmaß der genannten Lärmkonfliktpunkte im Vergleich mit anderen betroffenen Gemeinden ähnlicher Größe jedoch eher als unterdurchschnittlich einzuschätzen“, so der Minister.

Main-Kinzig-Kreis: Al-Wazir antwortet „Bürger-Allianz“ gegen Lärm in Herolz

Al-Wazir stützte sich auf eine von der Stadt Schlüchtern im Januar 2019 durchgeführte einwöchige Geschwindigkeitsmessung, bei der 25.198 Fahrzeuge (davon 1398 Laster) registriert wurden. Insgesamt hätten 0,52 Prozent der Fahrzeuge das zulässige Tempo überschritten. Die Gemeinde Sinntal habe an der Brückenauer Straße in den Jahren 2017 bis 2020 insgesamt 39 Messungen vorgenommen: 448 Verwarn- und 19 Bußgeldverfahren. Laut Minister Al-Wazir ist beides „als gering zu bewerten“.

Al-Wazir: „Zur zeitnahen Lösung der beschriebenen Lärmkonflikte [...] kommt der Einbau passiver Schallschutzeinrichtungen in betroffene Wohnimmobilien mit entsprechender Bezuschussung durch das Land Hessen in Höhe von 75 Prozent der Kosten in Betracht.“ Eine finanzielle Erstattung könne gewährt werden, wenn an den betroffenen Wohngebäuden die zulässigen Werte von 64 Dezibel am Tag und 54 in der Nacht überschritten würden. Laut Lärmberechnung von Hessen Mobil träfe dies in Herolz am Tag auf 36 und in der Nacht auf 43 Wohngebäude zu. Für Sannerz liegt keine Lärmberechnung vor. (Lesen Sie hier: Herolz, Sannerz und Sterbfritz liegen an einer vielbefahrenen Landesstraße. Bürgervereine und Bewohner kämpfen für mehr Verkehrssicherheit)

Main-Kinzig-Kreis: „Bürger-Allianz“ gegen Verkehrslärm lässt sich von Antworten nicht unterkriegen

Innerorts könnte zwar auch „Tempo 30“ zum Schutz der Bevölkerung vor Lärm angeordnet werden, erklärt Al-Wazir, allerdings müssten dafür die Richtwerte (für allgemeine Wohngebiete) von 70 Dezibel am Tag und 60 in der Nacht überschritten würden. Da dies in Herolz am Tag an keinem beziehungsweise in der Nacht lediglich an fünf Wohngebäuden der Fall sei, käme eine Temporeduzierung rechtssicher nicht in Betracht.

Eine weitere Niederlage musste die Bürger-Allianz bezüglich der schalltechnischen Beurteilung für die K 932 (Zum Gerlingsberg) einstecken. Die höchsten Pegel ergeben sich mit 60 Dezibel am Tage und 56 in der Nacht, teilt das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) mit. Somit sei keine Lärmminderungsmaßnahme vonnöten, so das RP.

Termin

Die „Bürger-Allianz gegen Raserei und Lärm“ moniert seit langem die Verkehrs- und Lärm-Situation in der Herolzer Ortsdurchfahrt in Richtung Sinntal sowie am Gerlingsberg. Heute sollte um 17 Uhr mit Vertretern der Schlüchterner Grünen sowie Markus Hofmann, Grünen-Landtagsmitglied aus Flieden, ein Austausch stattfinden. Aufgrund von Terminüberschneidungen in der Landeshauptstadt, soll das Gespräch nun am Freitag, 16. Juli, um 17 Uhr auf dem sogenannten GÜT-Gelände in der Brückenauer Straße (Landesstraße 3180) stattfinden, wie Rudi Mihm von der Bürger-Allianz berichtet. Bei Regenwetter steht die Halle der Kelterei Merx zur Verfügung.

Doch Rudi Mihm und die Herolzer Bürger-Allianz lassen nicht locker. Sie wollen sich als nächstes mit der Grünen-Fraktion zusammensetzen (siehe Kasten). Auch ein Austausch mit der CDU steht noch an. Und im Bedarfsfall wolle man nochmals in gelben und orangefarbenen Westen auf das Problem aufmerksam machen. Um eine Verbesserung der Situation zu erreichen, wollen sich die betroffenen Herolzer auch in der städtischen Arbeitsgruppe „Verkehr und Mobilität“ einbringen.

Derweil prüft die Stadtverwaltung Alternativen zu einer stationären Tempomessanlage, wie Ordnungsamtsleiterin Tanja Mittag auf Nachfrage berichtet.

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