Bundeswehr-Übung mit Panzern am Stausee.
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Der „Transportpanzer Fuchs“ (rechts im Bild) stellte einen feindlichen Kampfpanzer dar.

Infanterieschule aus Hammelburg

Sprengstoffkisten ohne Sprengstoff: Manöver der Bundeswehr am Kinzigstausee

Für die in Hammelburg stationierte Bundeswehr ist das Gelände rund um den Kinzigstausee zwischen Ahl und Steinau mit dem angrenzenden Spessartwald seit vielen Jahren ein interessantes und beliebtes Übungsterrain.

Ahl/Steinau - Die Einheiten aus Hammelburg sind mittlerweile in der Bergwinkelregion im Main-Kinzig-Kreis heimisch geworden. Zwei- bis dreimal im Jahr kommen Soldaten zum Manöver an den Stausee und haben diesen auch schon mit Schlauchbooten oder in Tauchanzügen durchquert. Wie die Bundeswehr auf Anfrage mitteilt, wurde die Übung von der XII. Inspektion der Infanterieschule durchgeführt. Hauptsächlich waren Teilnehmer des Lehrgangs „Führer eines Jagdkommandos“ aus ganz Deutschland dabei. Darüber hinaus waren der „Jägerlehrzug“ und weitere Soldaten der Infanterieschule als „Feindkommando“ eingesetzt.

Hauptmann und Presseoffizier Jan Volkmann war als Beobachter vor Ort. Für Volkmann selbst war es ein Heimspiel: Der dreifache Familienvater aus Aufenau ist Vorsitzender des Fußballvereins Melitia Aufenau und seit den Kommunalwahlen im Frühjahr auch Stadtverordnetenvorsteher von Wächtersbach. Er kennt das Gebiet „wie aus der Westentasche“. Volkmann: „Insgesamt nahmen knapp 80 Soldaten an der Übung teil. Die meisten davon waren allerdings im Wald zwischen Seidenroth und Alsberg versteckt.“ (Lesen Sie auch: Kreisspitze dankt Bundeswehr für Einsatz bei Bekämpfung der Corona-Pandemie)

Main-Kinzig-Kreis: Manöver der Bundeswehr - Soldaten üben feindlichen Angriff

Zum „Einsatzbefehl“ sagt Volkmann: „In der Übungslage hatte eine feindliche Macht Deutschland angegriffen und den Kinzigstaudamm unter ihre Kontrolle gebracht. Nachdem die feindliche Front aufgrund eines Gegenangriffs zusammenzubrechen drohte, traf der Feind Vorkehrungen, um den Staudamm zu sprengen und das Kinzigtal zu überfluten. Um dies zu verhindern, setzten die deutschen Streitkräfte ein Jagdkommando ein, welches sich vorbereitet hinter feindliche Linien begab, um den Feind an der Staumauer zu überraschen und diesen wieder unter eigene Kontrolle zu bringen, um so das Kinzigtal zu schützen.“

Die Übung selbst startete bereits am Samstagabend. Über Nacht mussten die Soldaten unbemerkt in die Nähe des Staudamms gelangen. Sie marschierten rund sieben Kilometer mit einem Marschgepäck von etwa 50 Kilo. Das Essen mussten die Soldaten mitnehmen, da es hinter den feindlichen Linien keinen Versorgungstrupp gab. (Lesen Sie hier: Bundeswehr-Hubschrauber landet auf geschützter Insel im Vogelsberg - Nabu erstattet Anzeige)

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„Am Sonntag bezog das Jagdkommando ein Versteck und beobachtete tagsüber die feindlichen Soldaten am Staudamm. Sonntagabend erfolgte dann der Überraschungsangriff“, berichtet Volkmann. Etwa 15 Fahrzeuge waren im Einsatz, darunter ein Transportpanzer „Fuchs“ und das Allschutz-Transportfahrzeug „Dingo“. Beide Fahrzeuge simulierten feindliche Panzer. Darüber hinaus waren auch Geländewagen im Einsatz.

Das Jagdkommando setzte bei der Übung auch eine Drohne vom Typ „Mikado“ zur Aufklärung ein. „Die Drohne ist ein kleiner, unbemannter Vier-Rotor-Hubschrauber mit Elektroantrieb“, erklärt Volkmann. „Mikado“ könne in Echtzeit detaillierte Aufklärungsbilder etwa über Personen, Gruppen, Waffen, Sperren, Fahrzeuge, Plattformen und sonstige Objekte liefern. Die Drohne helfe, „zu identifizieren und ein detailliertes Lagebild schnell verfügbar zu machen. Sie hat eine Reichweite von etwa einem Kilometer“, berichtet Hauptmann Volkmann.

Hintergrund

Die Infanterieschule Hammelburg bildet Offiziere und Unteroffiziere der Infanterie des Heeres aus. In zahlreichen Lehrgängen werden militärische Führer auf allen Führungsebenen unterrichtet. In Übungen werden die Grundlagen der Truppenausbildung der Infanterie vermittelt.

In der Übungslage gab es Holzkisten, die Sprengstoff enthalten sollten. Damit wurde die beabsichtigte Sprengung der Staumauer durch feindliche Soldaten angedeutet. „In Wirklichkeit waren die Kisten aber leer.“ Volkmanns Fazit: „Die Abschlussübung war ein voller Erfolg.“ Alle Lehrgangsteilnehmer haben bestanden, sodass die Bundeswehr nun über 36 neue Jagdkommandoführer verfügt. (Willi Schmitt)

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