Im Seniorenheim „Lebensbaum“ sind in den vergangenen Wochen 30 Bewohner an Corona erkrankt.
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Im Seniorenheim „Lebensbaum“ sind in den vergangenen Wochen 30 Bewohner an Corona erkrankt. (Archivfoto)

Nachfrage bei APZ-Geschäftsführer

Nach Corona-Ausbruch und Hilferuf bei Facebook: Wie ist die Lage im Seniorenheim in Sterbfritz?

  • Lena Quandt
    vonLena Quandt
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Wie ist die Lage im Seniorenheim „Lebensbaum Sinntal“ in Sterbfritz nach dem Ausbruch des Coronavirus? Das hat unsere Zeitung die Verantwortlichen der Alten- und Pflegezentren (APZ) des Main-Kinzig-Kreises gefragt. 

Sterbfritz - Anlass war auch ein Aufruf von Sinntals Rathauschef Carsten Ullrich (SPD) auf Facebook. Darin ging es darum, dem massiven Personalausfall wegen Corona in der Einrichtung durch die Mithilfe von Bürgern entgegenzuwirken. Der Bürgermeister ist von den Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises am 30. Dezember gebeten worden, einen Unterstützungsaufruf auf dem Internetportal Facebook zu posten, erläutert er auf Nachfrage unserer Zeitung. „Anlass war ein massiver Personalmangel im hauswirtschaftlichen Bereich. Dieser Bitte bin ich nachgekommen und habe den Aufruf gepostet“, schreibt er in einer Pressenotiz.

Der Text im Wortlaut: „Liebe Mitbürger, aufgrund der aktuellen Situation in unserer Einrichtung ,Wohn- und Gesundheitszentrum Lebensbaum Sinntal‘ benötigen wir Ihre Unterstützung. Durch die Auswirkung des Corona-Virus sind wir nicht mehr in der Lage, die Bewohnerversorgung vollständig zu gewährleisten. Unsere Bewohner und wir freuen uns über Ihre Mithilfe. Diese benötigen wir dringend in der Hauswirtschaft (zum Beispiel Betten richten, Spüldienste, Zubereitung der Speisen) und bei der niederschwelligen Betreuung unserer Bewohner. Selbstverständlich stellen wir die nötige Schutzkleidung zur Verfügung. Möchten Sie uns unterstützen? Dann melden Sie sich bei unserer Pflegedienstleitung.“

Main-Kinzig-Kreis: Corona-Ausbruch in Altenheim sorgt für Hilferuf über Facebook

Wie es nach dem Aufruf weiterging, das berichtet APZ-Geschäftsführer Dieter Bien auf Nachfrage. Er sagt: „Unser Unterstützungsaufruf, den Bürgermeister Carsten Ullrich in den Sozialen Medien veröffentlicht hat und auf den wir zahlreiche positive und hilfsbereite Rückmeldungen erhalten haben, entstand aufgrund eines kurzfristigen Personalausfalls im Bereich Verwaltung und Hauswirtschaft – und dies ausgerechnet an den Feiertagen zur Jahreswende.“

Vier Helfer seien zwischenzeitlich in der Spülküche eingesetzt worden. In den vergangenen Tagen seien „glücklicherweise“ viele Mitarbeiter wieder aus der Quarantäne zurückgekehrt, „sodass aktuell keine externe Unterstützung mehr in Anspruch genommen werden muss“. Die zahlreichen Rückmeldungen auf den Aufruf habe man „äußerst positiv aufgenommen“ und „als Zeichen der Identifikation mit dem ,Lebensbaum‘ “ gewertet, sagt Bien.

Corona-Ausbruch in Seniorenheim in Sterbfritz: 46 Infektionen und einige Todesfälle

„In allen unseren Einrichtungen haben Pflege- und Betreuungskräfte, aber auch alle anderen Mitarbeiter aus der Verwaltung, der Hauswirtschaft und der Technik, in den zurückliegenden zehn Monaten großartiges geleistet. Gerade aber in den letzten Wochen, in denen wir die zweite Infektionswelle massiv zu spüren bekommen haben, haben die Mitarbeiter durch größtes Engagement, strenge Hygiene- und Schutzmaßnahmen und geradezu übermenschlichen Einsatz noch Schlimmeres verhindert. Nun hoffen wir alle, dass uns durch die anstehenden Impfungen in den kommenden Wochen eine dritte Welle erspart bleibt“, erklärt Dieter Bien und würdigt dabei ebenso die engagierten ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer.

Das am 16. Dezember wegen des Ausbruchs des Coronavirus verhängte Besuchsverbot wurde bis zum 12. Januar verlängert, heißt es weiter. Der Grund: Nach wie vor seien noch sechs aktive Infektionen bei Bewohnern zu verzeichnen. Insgesamt sei es in der Einrichtung in den zurückliegenden vier Wochen zu 30 Infektionsfällen bei Bewohnern, 16 Infektionsfällen bei den Mitarbeitern und „leider auch zu Sterbefällen durch oder in Verbindung mit einer Covid-19-Infektion“ gekommen. Der „Lebensbaum“ zählt 60 Pflegeplätze und circa 70 Mitarbeiter (Lesen Sie hier: Mit dem Corona-Ticker für den Main-Kinzig-Kreis bleiben Sie auf dem Laufenden).

Aktuell habe sich die Corona-Lage spürbar entspannt. Zeitweise hätten sich bis zu 20 Mitarbeiter in Quarantäne befunden, so Bien. Trotz massiver Personalausfälle habe jedoch die pflegerische Versorgung sowie durch die Zusammenarbeit mit der Küche im Altenzentrum Rodenbach und der Seniorenhilfe in Steinau auch die Speisenversorgung sichergestellt werden können.

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