Laut dem IHK-Bericht steckt der Handel tief in der Krise, mit Ausnahme des boomenden Internet-Shoppings. (Symbolfoto)
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Laut dem IHK-Bericht steckt der Handel tief in der Krise, mit Ausnahme des boomenden Internet-Shoppings. (Symbolfoto)

Konjunkturbericht der IHK

Tief in der Krise: Handel, Gastronomen und Hotellerie im Main-Kinzig-Kreis leiden unter Corona-Beschränkungen

Geschlossene Geschäfte, Kurzarbeit und Ausgangssperren: Die Corona-Bekämpfung behindert derzeit augenscheinlich die Wirtschaft massiv. Die Nachfrage der Verbraucher lahmt, deren spontane Kauflust liegt weitgehend am Boden. Eine Folge: Die Konjunktur tritt vielfach bestenfalls auf der Stelle. 

Region - Nicht nur die Gastronomie, die Hotellerie und der innerstädtische Einzelhandel leiden massiv unter den Corona-Beschränkungen des Alltags, auch immer mehr Industriebetriebe spüren die Folgen. Das ist kein Wunder: Wenn viele Kunden weniger konsumieren und, weil in Kurzarbeit, auch weniger Geld ausgeben können, schlägt dies nach einer Vorlaufzeit auf die vorgelagerten Wertschöpfungsketten durch. Über diesen indirekten Weg sind mittlerweile auch viele Erzeuger von Ge- und Verbrauchsgütern von der coronabedingten Nachfrageschwäche betroffen. Lediglich die Sparten Bauwirtschaft, Internethandel, einige Dienstleistungszweige sowie exportstarke Industrieunternehmen heben sich leicht positiv von der grauen bis tiefschwarzen Bewertung einer sehr verhaltenen konjunkturellen Entwicklung ab.

Ein Problem: Immer häufiger mangelt es an Eigenkapital. Es ist in den vergangenen Monaten dahin geschmolzen wie in jüngsten Tagen der Schnee. Und die zugesagten Überbrückungshilfen greifen nicht immer wie erhofft. Ohne eine solide Eigenkapitaldecke leidet aber die Kreditwürdigkeit von Firmen, die deswegen beim konjunkturellen Neustart nicht mehr mitziehen können, befürchtet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern nach Auswertung ihrer aktuellen Konjunkturumfrage. (Lesen Sie hier: Der IHK Konjunkturbericht aus Fulda).

Main-Kinzig-Kreis: Handel, Gastronomen und Hotellerie leiden unter Corona-Beschränkungen

Derzeit bezeichnen 24,4 Prozent der Unternehmen ihre wirtschaftliche Lage als „gut“. Das sind 9,6 Punkte mehr als im Mai 2020, aber fast zehn Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Als „schlecht“ bewerten aktuell 31,1 Prozent der Unternehmen ihre Lage. Zur Erinnerung: Vor einem Jahr stuften lediglich 10,7 Prozent der antwortenden 206 Unternehmen aus dem Main-Kinzig-Kreis ihre Lage als schlecht ein.

„Manche Unternehmen kommen mit der neuen Lage einigermaßen gut zurecht, in Einzelfällen hilft sie ihnen sogar. Auf der anderen Seite stehen diejenigen Unternehmen, die derzeit keinen Ausweg aus der Krise finden. Hier läuft etwas auseinander, das auch grundsätzlich gesunde Unternehmen bedrohen kann“, analysiert IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde. Er gibt zu bedenken, dass bei Krisen im Wirtschaftskreislauf immer die Gefahr einer Ausbreitung besteht. Quidde: „Wenn fast ein Drittel aller Unternehmen die Lage als schlecht bezeichnet, dann ist das noch nicht der Beginn einer Krise, aber es ist ein Alarmzeichen. Denn wenn die Gegenwart kein Vertrauen einflößt, dann hängt es umso mehr an der Zukunftserwartung.“

Gunther Quidde: „Hier läuft etwas auseinander, das auch gesunde Unternehmen bedrohen kann“

Und da liegt das zweite Problem: Bei fast einem Drittel (30,1 Prozent) der antwortenden Unternehmen gibt es derzeit keinen Lichtblick für den weiteren Jahresverlauf. Ihnen stehen 26,8 Prozent Optimisten gegenüber. „Damit haben sich die Erwartungen seit September etwas verbessert, aber das ist in Verbindung mit der pessimistischen Einschätzung der Gegenwart nicht genug, um einen selbsttragenden Aufschwung zu erreichen“, warnt Quidde.

Der IHK-Konjunkturklima-Indikator schneidet mit 95,0 Punkten zwar etwas besser ab als im September 2020 (91,7) und deutlich besser als im vergangenen Mai (63,4), aber Anfang 2020 stand er noch bei 107,2, Anfang 2019 bei 120,5 und im Januar 2018 auf sensationell guten 131,9 Punkten. „Die sich 2019 langsam ankündigende Abschwächung der regionalen Konjunktur ist 2020 durch die Corona-Krise massiv verstärkt worden. Schaffen wir nicht bald die Trendwende, wird auch 2021 ein Krisenjahr sein“, sorgt sich Quidde.

IHK-Bericht: Handel steckt tief in der Krise, mit Ausnahme des boomenden Internet-Shoppings

Laut dem IHK-Bericht steckt der Handel tief in der Krise, mit Ausnahme des boomenden Internet-Shoppings. Im Dienstleistungssektor ist die Lagebewertung sehr uneinheitlich. Quidde meint, die Branche stehe vor einem Umbruch. Die Banken und Sparkassen kämpften nach wie vor mit niedrigen Zinsen, und sie „erwarten mit Recht eine Blutspur in ihren Bilanzen, sobald Insolvenzen wieder erlaubt sind“. Die Lage der Industrieunternehmen wertet Quidde als deutlich negativ, seien doch die Erwartungen zuletzt wieder nach unten korrigiert worden. Produzenten von Ge- und Verbrauchsgütern – in diese Gruppe fallen auch die krisengeschüttelten Kfz-Zulieferer – zeigen sich verhalten. Eine gute Nachricht: „Die Exporterwartungen der Industrie sind deutlich gestiegen. Aber die Nachfrage aus China kann keine Konjunkturlokomotive für uns sein“, ergänzt Quidde.

Einen Hoffnungsschimmer macht der IHK-Chef aber noch aus: „Der Anteil der Investitionen, die für Produktinnovationen getätigt werden, liegt mit 62,5 Prozent bei den Investitionsgüterproduzenten hoch und kommt selbst im schwer getroffenen Gastgewerbe auf 16,7 Prozent. Das hilft nicht heute und nur wenig morgen, ist aber die Grundlage für ein besseres Übermorgen.“ (tim)

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