Karl Ruhr (85) war der erste Patient, der am Sonntag in einer Altenpflegeeinrichtung in Erlensee gegen das Coronavirus geimpft worden ist.
+
Karl Ruhr (85) war der erste Patient, der am Sonntag in einer Altenpflegeeinrichtung in Erlensee gegen das Coronavirus geimpft worden ist.

Mobile Teams in Altenheimen

Corona-Impfungen im Main-Kinzig-Kreis gestartet: Karl Ruhr (85) war der erste Patient, der geimpft wurde

Auch im Main-Kinzig-Kreis ist die bundesweit angelegte Corona-Schutzimpfung am heutigen Sonntag (27. Dezember) wie geplant und ohne Zwischenfälle gestartet. Die mobilen Teams rückten mit 230 Impfdosen in vier Pflegeeinrichtungen in Erlensee, Gründau, Bad Orb und Ronneburg aus.

Main-Kinzig-Kreis - „Wir sind sehr zufrieden mit dem Auftakt und konnten alle uns zur Verfügung gestellten 230 Impfdosen auch zum Einsatz bringen“, werden Landrat Thorsten Stolz und Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler in einer Pressemitteilung des Main-Kinzig-Kreises zitiert. „Unsere mobilen Teams waren sehr engagiert und konzentriert bei der Sache. Dieser erste Tag hat uns auch wichtige Erkenntnisse darüber gebracht, an welcher Stelle vielleicht noch das ein oder andere nachzubessern ist.“

Corona-Impfungen im Main-Kinzig-Kreis gestartet: Karl Ruhr war der erste Patient

„Die Botschaft heute ist eine der Hoffnung und des Vertrauens. Das ist der Beginn eines Weges zurück in eine neue Normalität. Wir sehen den nächsten Tagen, Wochen und Monaten mit Zuversicht entgegen und freuen uns darauf, wenn die beiden Impfzentren in Hanau und Gelnhausen voll ausgelastet werden können.“ Dies hänge natürlich immer davon ab, wie groß die Menge an Impfstoff sei, die für den Main-Kinzig-Kreis geliefert werde.

Bevor die Einsatzteams ihre Arbeit am Sonntag aufnehmen konnten, ging es in den beiden Impfzentren in Hanau und Gelnhausen zum Corona-Schnelltest, um herauszufinden, ob alle Teammitglieder einsatzbereit sind. Dr. Wolfgang Lenz, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes und Projektverantwortlicher der Impfzentren im Main-Kinzig-Kreis, gab letzte Informationen zum bevorstehenden Einsatz in den Pflegeeinrichtungen.

„Es ist alles vorbereitet, wir können loslegen“, stellte er abschließend fest. Alle Teammitglieder werden negativ getestet. Der Impfstoff war bereits am Samstag im Main-Kinzig-Kreis eingetroffen. Zu den mobilen Teams gehören Ärztinnen und Ärzte, medizinische und pharmazeutische Fachangestellte sowie Mitarbeitende aus dem Rettungsdienst. Sie waren dem Aufruf des Main-Kinzig-Kreises gefolgt und haben sich für eine der Aufgaben beworben.

In jedem der mobilen Corona-Impfteams gibt es einen Arzt oder Ärztin, zwei medizinisch oder pharmazeutische Fachangestellte sowie einen Rettungssanitäter oder -sanitäterin. Zum Auftakt arbeiten die Teams in doppelter Besetzung, damit möglichst schnell genügend Kräfte die Abläufe gut genug kennenlernen, um in anderen Teams bei der Einarbeitung helfen zu können. 

Gegen 10 Uhr traf das erste Corona-Impfteam unter der Leitung von Dr. Silke Hofmann-Bär in Erlensee ein. Die Ärztin der Stadt Hanau wird in den kommenden Monaten für den Main-Kinzig-Kreis als verantwortliche medizinische Leitung des Impfzentrums Hanau das Impfprojekt unterstützten. Zu diesem Zweck wurde sie an das Gesundheitsamt abgeordnet und soll dann auch das künftige Impfzentrum in der August-Schärttner-Halle leiten.

Die ersten Corona-Impfungen verliefen reibungslos. „Ein schöner, ein symbolischer Tag, der für uns alle einen Meilenstein darstellt“, sagte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky. In der Altenpflegeeinrichtung in Erlensee hatte das Team um Pflegedienstleiterin Jessica Mangold diesen Moment gut vorbereitet. In einem Aufenthaltsraum im zweiten Stock gab es genügend Platz, um den gesamten Vorgang mit der Anmeldung, dem Arztgespräch und der eigentlichen Impfung zu organisieren.

Jeweils zwei Personen konnten gleichzeitig betreut werden. Um 10:40 Uhr war die mobile Infrastruktur vollständig aufgebaut. Sabine Keimer verdünnte den aufgetauten Corona-Impfstoff entsprechend der Vorschrift mit steriler Kochsalzlösung und bereitete die Injektionen sorgfältig vor. Bewohner Karl Ruhr verfolgte dieses Treiben bereits vom Flur aus. Er war dann auch der erste Patient. In vier Wochen wird er 86 Jahre alt. Dann will er gegen das Virus geschützt sein.

Die erfahrene Arzthelferin Martina Schmitt erläuterte kurz noch einmal das Procedere und dann war der erste Stich auch schon Geschichte. Für Karl Ruhr „keine große Sache“, schließlich hatte er in seinem langen Leben schon viele Impfungen erlebt. Die Mitglieder des Impfteams achteten in Abstimmung mit dem Pflegepersonal darauf, dass die Bewohnerinnen und Bewohner im Anschluss noch eine Weile beobachtet werden, um auf eventuelle Auswirkungen reagieren zu können.

Doch nach Rückmeldung aus allen vier Pflegeinrichtungen gibt es keine Komplikationen. Der zweite Patient im „Haus Rosengarten“ ist Uwe Bakker (77), der die Prozedur ebenfalls völlig unaufgeregt erlebt. Insgesamt hatten sich rund 70 der insgesamt 80 Bewohnerinnen und Bewohner zur Impfung angemeldet. Und auch ein großer Teil des Personals nutzt die Gelegenheit, sich immunisieren zu lassen.

Uwe Bakker (77) war der zweite Patient, der am Sonntag im „Haus Rosengarten“ in Erlensee gegen das Coronavirus geimpft worden ist.

Auch im Seniorenzentrum Gründau wurden unter der Leitung von Professor Dr. Dirk Maybauer vom Gefahrenabwehrzentrum des Main-Kinzig-Kreises mit wenigen Handgriffen Tische und Stühle gerückt, Spritzen, Pflaster und Desinfektionsmittel bereitgestellt und alles vorbereitet, um die einzelnen Corona-Impfdosen zu portionieren. Schließlich erhält als erste Pflegefachkraft Anita Kohlenberger eine Impfdosis in den Muskel des Oberarms gespritzt. 

„Lehnen Sie sich bitte an und entspannen Sie sich. Haben Sie Angst vor Spritzen?“, das waren die einleitenden Sätze, bevor der Oberarm – rechts oder links – desinfiziert wurde Mit zwei Fingern wurde der Muskel zusammengedrückt. Die Spritze beförderte den Corona-Impfstoff direkt in den Muskel. Das Ganze dauerte nicht mal eine Minute, dann klebte schon das Pflaster auf der Einstichstelle.

Wie Anita Kohlenberger ist auch Pflegefachkraft Sabine Junge gerne bereit, sich frühzeitig gegen das SarsCoV-2-Virus impfen zu lassen. „Ich will dazu beitragen, dass möglichst schnell wieder Normalität im Pflegeheim einkehren kann“, sagt sie. „Ich sehe ja jeden Tag, welche Einschränkungen unsere Bewohnerinnen und Bewohner hinnehmen müssen. Sie bekommen weniger Besuch und können auch nicht an Festen teilnehmen. Dabei gehören Kontakte doch zur Lebensqualität dazu, gerade in diesem Alter.“

Drei Wochen später werden die Teams des Gesundheitsamtes erneut in den vier Einrichtungen erscheinen, um die zweite Impfung zu vollziehen. Bis zu dem Datum wir dieser Vorgang aber voraussichtlich bereits Routine sein, denn laut Plan sollen bis dahin täglich bis zu 2000 Personen im Main-Kinzig-Kreis geimpft werden. Die nächste Lieferung des Corona-Impfstoffs mit 1290 Dosen wird im Laufe des Montags erwartet.

Auch im Landkreis Fulda sind am heutigen Sonntagmorgen die Corona-Impfungen gestartet. Fünf mobile Teams rückten dazu aus. Begonnen wurde im Landkreis Fulda wie im Main-Kinzig-Kreis auch in Pflegeeinrichtungen: Das Personal und die Bewohnerinnen und die Bewohner von drei Altenheimen erhielten am Sonntag die erste Corona-Impfung. (sar)

Das könnte Sie auch interessieren