Stadtschule Schlüchtern
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Die FDP hat im Kreistag eine Anfrage zum Corona-Ausbruch im September in Schulbussen im Bereich Schlüchtern (hier die Stadtschule) gestellt. (Archivfoto)

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Main-Kinzig-Kreis: Drei Tote nach Corona-Ausbruch in Schulbussen in Schlüchtern

  • Alexander Gies
    VonAlexander Gies
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Der Corona-Ausbruch in den Schulbussen des Bergwinkels Ende September und die mit ihm in Zusammenhang stehenden Ansteckungen mit dem Coronavirus haben für Tote gesorgt: In Schlüchtern sind drei Personen gestorben.

Schlüchtern - Wie die Verwaltung des Main-Kinzig-Kreises am Freitag auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilte, kam es im Zeitraum vom 13. bis 17. September zu insgesamt 184 positiven Fällen. Diese sind auf den Corona-Ausbruch im regionalen Schulbusverkehr zurückzuführen. Vor wenigen Tagen sprach der Kreis noch von 85 Fällen. Die Zahl basierte allerdings auf dem Stand vom 3. Oktober - inzwischen hat die Verwaltung aktualisierte Daten vorgelegt.

Von den jetzt 184 positiven Fällen entfielen 124 auf Kinder und 60 auf Erwachsene, die wohl überwiegend von ihren (Schul-)Kindern infiziert worden waren. Von diesen 184 Menschen waren 115 „symptomatisch“, sie zeigten also Krankheitssymptome. Über die Schwere der Erkrankung gab es keine Angaben.

Main-Kinzig-Kreis: Corona-Ausbruch in Schulbussen fordert drei Tote

Wie die Kreisverwaltung auf Nachfrage mitteilt, mussten acht der 184 Personen im Krankenhaus behandelt werden; drei davon auf der Intensivstation. Letztlich sind drei Personen, die sich im Rentenalter befanden, im Zusammenhang mit dem außergewöhnlich starken Ausbruch im Kreis gestorben. Ein Busfahrer befand sich nicht darunter, erklärte die Pressestelle zu entsprechenden Gerüchten.

Allerdings befand sich unter den Verstorbenen ein Angehöriger eines Busunternehmens, dessen Infektion auf diesen Ausbruch zurückgeführt werden könne. Das RKI hat wissenschaftliche Mitarbeiter in den Kreis geschickt, um die Details des Ausbruchs zu erforschen. Die Datenerhebung und Auswertung dauern noch an.

Main-Kinzig-Kreis: Nach Corona-Ausbruch - Luftfilter für Schulbusse Mangelware

Aus der Antwort des Kreisausschusses auf eine Anfrage der FDP geht hervor, dass im Zeitraum 13. bis 17. September rein rechnerisch etwa 1090 Fahrgäste pro Schultag diesem besonders starken Corona-Ausbruch ausgesetzt waren.

Die FDP fragte den Kreisausschuss zuletzt auch nach den Hygienemaßnahmen in den Bussen. Dieser erklärte, es gäbe „regelmäßige Reinigungsintervalle“. Darüberhinaus seien die Busfahrer angehalten, in Fahrpausen Haltestangen und dergleichen zu desinfizieren. Die Fahrer seien durch Spuckschutzwände geschützt, in den Bussen gelte die Maskenpflicht. Über die Einhaltung der Regeln wache ein Sicherheitsdienst.

Ausschuss ist sich sicher: Hygienekonzept hat sich bislang bewehrt

Ob die Busfahrer sich vor Fahrtantritt testen, darüber liegen dem Kreisausschuss keine Informationen vor. Der Arbeitgeber stelle zwar Tests zur Verfügung, diese müssten aber nicht verpflichtend genutzt werden. Das gelte auch für das Impfen: „Die Frage nach dem Impfstatus ist aktuell nur in eingeschränkten Fällen für einen begrenzten Zeitraum erlaubt“, heißt es in der Antwort. Grund ist, dass es in Deutschland keine allgemeine Impfpflicht gibt.

Als Konsequenz aus dem Vorfall rund um Schlüchtern, so der Kreisausschuss, habe man zum einen dafür gesorgt, dass alle Schülerverkehre weiter laufen und zum anderen das Sicherheitspersonal gezielt auf diesen Linien eingesetzt. Das Hygienekonzept habe sich mit Ausnahme dieses Ereignisses bewährt. Die Maßnahmenkette habe erfolgreich funktioniert, und der Corona-Ausbruch habe kurzfristig eingedämmt werden können.

Grundsätzlich gebe es keine Erkenntnisse, dass Schulbusse mit einer normalen Kapazitätsauslastung zu einem erhöhten Infektionsgeschehen beitrügen, teilt der Kreisausschuss mit. Und sollte die Auslastung über 80 Prozent liegen, so würden zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt. Diese Erweiterung habe man zum Beginn des aktuellen Schuljahres fortgeführt und sogar noch ausgeweitet.

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Auf Anfrage der FDP teilte der Kreisausschuss mit, dass eine zusätzliche Fahrt netto mindestens 180 Euro koste. Es könnten aber nicht beliebig viele zusätzliche Busse eingesetzt werden, weil sowohl Fahrer als auch Busse zu den Hauptverkehrszeiten „nur sehr eingeschränkt verfügbar seien“.

Bereits im März war beschlossen worden, in ausgewählten Fahrzeugen UV-C-Desinfektionsgeräte „Typ Soluva Air V“ des Unternehmens Heraeus Noblelight zu installieren. Im Bereich Bergwinkel sind dafür insgesamt 24 Fahrzeuge und drei Personenanhänger für die Nachrüstung vorgesehen.

„Bedingt durch Lieferschwierigkeiten des Herstellers konnte im August bislang nur ein Fahrzeug nachgerüstet werden.“ Es zeichne sich jedoch ab, dass die Auslieferung „in den kommenden Wochen erfolgen“ werde.

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