Mit Mundschutz am Flughafen: So sieht die neue Normalität aus.
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Mit Mundschutz am Flughafen: So sieht die neue Normalität aus.

Aus den Risikogebieten

Viele Neuinfektionen über Einreisende: Reiserückkehrer bringen Coronavirus in den Main-Kinzig-Kreis

Die Sommerferien sind schon zur Hälfte vorbei – und die ersten Urlauber kommen zurück. „Wir bemerken eine deutliche Zunahme an Meldungen beim Gesundheitsamt von Einzelnen oder ganzen Familien, die sich in einem Risikogebiet für Covid-19 aufgehalten haben. Das ist positiv zu bewerten, da immer mehr ins Bewusstsein rückt, dass sich Rückkehrer aus Risikogebieten beim Gesundheitsamt zu melden haben“, so Landrat Thorsten Stolz (SPD). Doch diese Medaille hat zwei Seiten.

  • Die ersten Urlauber kommen zurück und melden sich beim Gesundheitsamt im Main-Kinzig-Kreis.
  • Landrat Thorsten Stolz merkte aber auch an, dass die Corona-Neuinfektionen auf die Reiserückkehrer zurückzuführen seien.
  • In den vergangenen zwei Wochen kamen mehr als 40 Covid-Fälle im Main-Kinzig-Kreis hinzu.

Main-Kinzig - „Parallel dazu sehen wir leider auch bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus, dass diese in den meisten Fällen auf Reiserückkehrer zurückzuführen sind“, erklärt das Kreisoberhaupt weiter.

Für ihn ist diese erste Bilanz auch eine Bestätigung dafür, dass der Main-Kinzig-Kreis im Hinblick auf Reiserückkehrer aus Risikogebieten eine weitergehende Regelung getroffen hat, um beispielsweise Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen zu schützen.

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Viele Reiserückkehrer haben das Coronavirus ins Kinzigtal gebracht

Als Risikogebiete weist das Robert-Koch-Institut die Staaten aus, in denen ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem Corona-Virus besteht. Wer in Hessen lebend, aus einem Risikogebiet zurückkehrt, hat sich unverzüglich nach der Einreise auf direktem Weg in die eigene Häuslichkeit zu begeben und sich für einen Zeitraum von 14 Tagen zu isolieren.

Ausgenommen sind Reiserückkehrer aus Risikogebieten, die mittels ärztlichem Zeugnis und molekularbiologischem PCR-Test ihre Nicht-Infektion nachweisen können und im Alltag nicht in einer sensiblen Einrichtung wie Schulen oder Kitas unterwegs sind.

Zahlen von Neuinfektionen doppelt so hoch wie vor Sommerferien

Der Kreis geht damit bei der Prävention über die Landesverordnung hinaus (siehe Kasten). Mittels Allgemeinverfügung hatte der Main-Kinzig-Kreis dies gleich zu Ferienbeginn erlassen.

Gingen beim Main-Kinzig-Kreis bis vor Kurzem wöchentlich durchschnittlich 80 Meldungen ein, so lag die Zahl in der dritten Sommerferienwoche schon doppelt so hoch. Einen Anstieg verzeichnet der Kreis auch bei den Neuinfektionen. In den vergangenen zwei Wochen kamen mehr als 40 Covid-Fälle hinzu. „Wir hatten in dieser Zeit in Gelnhausen ein lokal eingrenzbares Infektionsgeschehen in Flüchtlingsunterkünften. Rechnet man das heraus, verbleiben noch rund 30 neue Covid-19-Fälle, von denen die meisten auf Einreisende zurückzuführen sind, und die wiederum kamen zum größten Teil aus Risikogebieten“, erläutert Thorsten Stolz.

Hintergrund

Der Main-Kinzig-Kreis hat eine Allgemeinverfügung erlassen, die aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Wochen teilweise über die Verordnungslage des Landes Hessen hinausgeht.

Zum Schutz von „Gemeinschaftseinrichtungen“ wie Schulen, Kindergärten, Pflegeheimen oder Krankenhäusern werden Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die von einer Reise aus einem Risikogebiet zurückkehren, vorsorglich in größerem Maß häuslich isoliert und geschützt. Das betrifft auch jene, die nicht mitgereist sind, aber im selben Hausstand wohnen und in diesen Einrichtungen betreut, unterrichtet oder beschäftigt werden. Für den Zeitraum von 14 Tagen gilt für sie ein Betretungs- und Tätigkeitsverbot in Kindertageseinrichtungen, Kinderhorten, Kindertagespflegestellen, Schulen und sonstigen Ausbildungseinrichtungen.

Der Zeitraum kann nur dann etwas verkürzt werden, wenn der Reiserückkehrer nach frühestens sieben Tagen mit einem ärztlichen Zeugnis und einem adäquaten Corona-Test nachweisen kann, dass er nicht mit dem Corona-Virus infiziert ist. Weitere Auflagen für Angestellte in Pflegeheimen und Krankenhäusern gelten bereits, wobei das Gesundheitsamt dort, wo es nötig erscheint, seinen Ermessensspielraum zugunsten des stärkeren Infektionsschutzes auslegt.

Der Verwaltungsstab des Main-Kinzig-Kreises bewertet regelmäßig das Infektionsgeschehen und sieht sich nach Aussage von Landrat Stolz „in unseren Befürchtungen bestätigt“. Es gebe mittlerweile eine „breitere Unterstützung für unseren Umgang mit Reiserückkehrern aus Risikogebieten, weil das Thema die zuständigen Gesundheitsämter mittlerweile so stark beschäftigt, wie man es diesen Sommer erwarten musste“, bilanziert der Landrat.

Es sei allerdings wichtig, dass sich im Main-Kinzig-Kreis weiterhin alle Zurückgekehrten ebenso an die Auflagen hielten wie die Mitglieder im selben Hausstand. Nur so könne man vor Ort Infektionsketten beenden und ein weiteres Ansteigen der Infektionszahlen verhindern.

Stolz: Wir brauchen Solidarität

„Vor allem muss sich jeder Einzelne ausmalen, was eine Infektionskette im Kindergarten, im Pflegeheim oder im Krankenhaus auslösen würde. Wir brauchen hier das Verständnis, die Sensibilität und die Solidarität jedes Einzelnen. Und dafür möchte ich schon im Voraus danken“, so Stolz.

Ein Verstoß gegen die Allgemeinverfügung kann im Übrigen teure Konsequenzen haben: Wer sich nicht beim Gesundheitsamt meldet, kann mit 500 Euro belangt werden. Steht das Meldeversäumnis mit einem Infektionsgeschehen in Verbindung, können daraus schnell tausende Euro werden. „Derlei Fälle haben wir zum Glück noch nicht gehabt“, so Stolz. Und sie ließen sich ganz gut verhindern, wenn einfache Regeln beherzigt würden: Beim Gesundheitsamt melden und über mögliche Quarantäne-Auflagen informieren sowie Abstands- und Hygieneregeln einhalten – im Urlaub und auch danach. Wegen eines Reiserückkehrers hat es auch einen Corona-Fall an einer Alsfelder Schule gegeben. (tim)

Lesen Sie hier: Rückkehr nach Osthessen: Das gilt für Urlauber aus Risikogebieten Und: Coronatests gehören in Krankenhäusern nun zum Standard. Außerdem: Digitaler Arztbesuch in Corona-Zeiten: Bereitschaftsdienst hilft per Video-Schalte. Reiserückkehrer können sich auf das Coronvirus im Vogelsbergkreis nun im eigenen Testcenter testen lassen.

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