Am Amtsberg, unweit des ehemaligen Amtsgerichts, trafen sich 180 bis 200 Menschen zu einer Kundgebung.
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Am Amtsberg, unweit des ehemaligen Amtsgerichts, trafen sich 180 bis 200 Menschen zu einer Kundgebung.

Anti-Rassismus-Demo

Zwei Monate nach rassistischem Überfall in Schlüchtern: 200 Bürger versammeln sich am Tatort

  • Alexander Gies
    VonAlexander Gies
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Knapp zwei Monate nach dem rassistischen Überfall auf einen 57-jährigen Schlüchterner kamen am Donnerstagabend 180 bis 200 Bürgerinnen und Bürger am Tatort zusammen, um für ein friedliches Miteinander einzutreten.

Schlüchtern - Am 19. Mai um 19.45 Uhr – zur selben Uhrzeit, zu der am gestrigen Donnerstag die Kundgebung begann – war der Schlüchterner Opfer eines brutalen Überfalls geworden, bei dem er nicht nur rassistisch beleidigt, sondern auch so schlimm gewürgt wurde, dass er um sein Leben fürchtete.

Clas Röhl, schon lange in der Flüchtlingsarbeit engagiert, und Amöne Nowottny hatten nicht nur kurz nach der Tat eine Unterschriftenaktion gestartet, an der sich 160 Schlüchterner beteiligten, sie hatten auch die Kundgebung am Donnerstagabend in Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis) initiiert. Es sollte eine Kundgebung aus den Reihen der Bürgerschaft sein Auch wenn die Redner bisweilen Ämter bekleiden, so sprachen sie doch als Mitmenschen. Röhl sprach von „einer widerlichen Tat“. Er sei immer noch entsetzt und empört, dass so etwas in Schlüchtern habe passieren können. Trotz des Alltagsrassismus’, den viele Migranten erleben müssten, besitze das Zusammenleben in Schlüchtern angesichts vieler guter Taten doch eine gute Grundlage. „Wir müssen uns aber laut melden, wenn so etwas passiert“, forderte Röhl.

Main-Kinzig-Kreis: 200 Menschen demonstrieren nach rassistischem Überfall

Jansheed Butt, 20 Jahre alt, in Schlüchtern geboren und aufgewachsen, freute sich, dass sich so viele um ein friedliches Miteinander bemühten. Es sei wichtig, dass „wir nicht schweigen, sondern zusammenstehen“. Butt erinnerte an Enver Simsek, das erste Opfer des NSU aus der Bergwinkelstadt, und dankte der mutigen Zeugin, die sich den Angreifern am 19. Mai entgegengestellt hatte.

Pfarrer Wilfried Battefeld gedachte zunächst der Opfer des Unwetters im Westen Deutschlands und forderte dann, Christen dürften nicht abseits stehen, wenn es zu rassistischen Übergriffen komme. Die Tradition der Gastfreundschaft sei eine „heilige Pflicht“, so Battefeld, die für alle Religionen gelte. Man dürfe den Fremdling nicht „bedrücken“, sondern solle ihn lieben wie sich selbst, fordere Jesus. „Damit ist doch alles gesagt. Noch Fragen?“, rief Battefeld. Unter Applaus schloss er: „Das Wort Freund beginnt mit f und endet mit d. Ein a ist nicht in Sicht und wird auch nicht benötigt.“

200 stehen für friedliches Miteinander ein

Am Amtsberg, unweit des ehemaligen Amtsgerichts, trafen sich 180 bis 200 Menschen zu einer Kundgebung.
Am Amtsberg, unweit des ehemaligen Amtsgerichts, trafen sich 180 bis 200 Menschen zu einer Kundgebung. © Alexander Gies
Am Amtsberg, unweit des ehemaligen Amtsgerichts, trafen sich 180 bis 200 Menschen zu einer Kundgebung.
Am Amtsberg, unweit des ehemaligen Amtsgerichts, trafen sich 180 bis 200 Menschen zu einer Kundgebung. © Alexander Gies
Am Amtsberg, unweit des ehemaligen Amtsgerichts, trafen sich 180 bis 200 Menschen zu einer Kundgebung.
Am Amtsberg, unweit des ehemaligen Amtsgerichts, trafen sich 180 bis 200 Menschen zu einer Kundgebung. © Alexander Gies
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Am Amtsberg, unweit des ehemaligen Amtsgerichts, trafen sich 180 bis 200 Menschen zu einer Kundgebung. © Alexander Gies
Am Amtsberg, unweit des ehemaligen Amtsgerichts, trafen sich 180 bis 200 Menschen zu einer Kundgebung.
Am Amtsberg, unweit des ehemaligen Amtsgerichts, trafen sich 180 bis 200 Menschen zu einer Kundgebung. © Alexander Gies

Ijaz Ahmed Janju, Imam der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland, der auch das Opfer angehört, betonte, der Koran fordere die Menschen dazu auf, die Würde des anderen nicht zu verachten. „Wir sind alle unterschiedlich, ja, aber das ist belanglos, denn vor Gott sind wir alle gleich“, so der Imam. Er rief dazu auf, gegen jede Form des Rassismus vorzugehen und für ein friedvolles Miteinander einzutreten.

Demo in Schlüchtern: „Rassismus passt nicht in aufgeklärte Gesellschaft“

Pfarrer i.R. Joachim Truß sieht „das Land an allen Ecken in Gefahr“. Überall werde gezündelt. Jeder stehe gegen jeden. Dabei sei es doch so wichtig, dass man auf den anderen achte. „Wir brauchen ein Zeichen der Versöhnung“, forderte Truß. Er zeigte sich zufrieden damit, dass die Stadt Schlüchtern die Synagoge erworben habe. Sie sei nötig, um den jungen Menschen zu zeigen, wohin Hass und Antisemitismus führen können.

Der Schlüchterner Unternehmer Matthias Hebeler erklärte am Beispiel der Corona-Pandemie, dass niemand auf der Welt mehr allein solche Probleme lösen könne. „Wir leben nicht auf einer Insel. Nur miteinander geht’s“, so Hebeler, der betonte: „Rassismus passt nicht in eine aufgeklärte Gesellschaft.“

Für Nurhan Wendt, seit 1975 in Deutschland, ist Schlüchtern seit 20 Jahren ihre Heimat. Die Tat habe sie aber erschüttert und Angst gemacht. „Doch tagtäglich mit Angst zu leben, das macht kaputt“, gestand sie: „Hass wird gelernt. Dann kann man auch Liebe lernen.“ Zunächst hatte die Tochter des Opfers sprechen wollen, doch davon nahm sie dann Abstand.

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