Stacheldrahtzaun an der Mauer einer JVA
+
Weil er eine große Menge Drogen in der Wohnung hatte, muss ein 32-jähriger Familienvater nun ins Gefängnis. (Symbolbild)

Keine gute Sozialprognose

Drogen in der Wohnung: Familienvater (32) muss ins Gefängnis - „Schlag nicht gehört“

Richter Andreas Weiß fehlte der Glaube an eine gute Sozialprognose für einen 32-Jährigen. Deswegen verurteilte er den Mann aus dem Main-Kinzig-Kreis wegen des Besitzes von Drogen in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten - ohne Bewährung.

Bad Soden-Salmünster - Am 25. August vergangenen Jahres waren in die Wohnung des Mannes im Main-Kinzig-Kreis die Drogenfahnder angerückt und durchsuchten die Räumlichkeiten. Tatsächlich wurden sie an den verschiedensten Stellen fündig: im Wohnzimmer, Flur, Esszimmer, Küche, sogar im Gefrierschrank fand sich ein bunter Drogenmix mit Cannabis, Ectasy, Kokain und Amphetamin. Bei letzterem war die Menge mit über einem halben Kilo so groß, dass sie für den Eigenverbrauch drei bis vier Jahre gereicht hätte.

So hätte man auf die Idee kommen können, hier wurde Handel betrieben. Doch das stritt der 32-Jährige aus einem Stadtteil in Bad-Soden-Salmünster ab. Alle Rauschmittel seien für den Eigenbedarf gewesen. Kumpels von ihm hätten höchstens ausnahmsweise mal etwas bekommen und das zum Selbstkostenpreis. Er habe das Material in größeren Mengen geordert, um einen Preisvorteil zu haben. (Lesen Sie hier: Radfahrer unter Drogeneinfluss überführt sich selbst)

Main-Kinzig-Kreis: Drogen in Wohnung - Familienvater muss ins Gefängnis

Eine 25-jährige Kriminalbeamtin gab als Zeugin vor dem Schöffengericht Gelnhausen an, man habe bei der Durchsuchung auch keinerlei Verpackungsmaterial oder Geld in szenetypischer Stückelung gefunden, was auf eine Dealer-Tätigkeit geschlossen hätte. Der Angeklagte sei bei der Durchsuchung nicht zuhause gewesen. Mittels eines Schlüsseldienstes mussten sich die Ermittler den Weg in die Wohnung bahnen.

Der Familienvater ist nicht nur drogentechnisch bei den Ermittlungsbehörden bekannt. Insgesamt 15 Einträge weist sein Strafregister auf, quer durch das Gesetzbuch: Diebstähle, Sachbeschädigung, häufig Fahren ohne Fahrerlaubnis und immer wieder Drogendelikte. Deswegen war der Beschuldigte, der aktuell in einem festen Arbeitsverhältnis steht, auch schon in der Vergangenheit zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Zur Zeit des jetzigen Drogenfundes stand er dreifach unter laufender Bewährung.

Mann war vorbestraft - Richter fehlte der Glaube an eine gute Sozialprognose

Dennoch wollte ihm sein Verteidiger eine weitere „Chance in Freiheit geben“ mit einer Bewährungsstrafe von gut einem Jahr. „Gehen sie das Wagnis ein. Es ist die letzte Ausfahrt für meinen Mandanten“, bat er das Gericht. (Lesen Sie auch: „Drogen in jedem Hohlraum“ - Unfall-Wohnmobil mit Marihuana völlig überladen)

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft wollte diesen Schritt nicht mitgehen. Hier sei im Leben des Mannes „ein Einschnitt“ nötig. Er müsse sich seiner Verantwortung stellen. Sie forderte 18 Monate Haft ohne Bewährung. In diesem Sinne urteilte auch das Schöffengericht. Man habe das Gefühl, der 32-Jährige habe „den Schlag noch nicht gehört“, resümierte Richter Weiß. Er sprach von einer „unaufbereiteten Drogenproblematik“ bei dem Kurstädter, da er noch heute Konsument sei. Ihm fehlte zudem der Glaube an eine gute Sozialprognose. (ls)

Das könnte Sie auch interessieren