Ein Roboter arbeitet in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen an einem ID.3.
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Die Zukunft wird automatisierter – da sind sich die Veranstalter der ersten Robotics Week Hessens in Gelnhausen sicher.

Auftakt der „Robotics Week“

Roboter und 3D-Drucker statt Drehbank: Experten diskutieren Automatisierung im Mittelstand

  • VonMarah Naumann
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Die Zukunft wird automatisierter – da sind sich die Veranstalter der ersten Robotics Week Hessens in Gelnhausen sicher. Den Auftakt der Woche bildete am Montagabend eine Gesprächsrunde rund um die Themen Automatisierung, Ausbildung und Berufsentwicklung.

Main-Kinzig - Initiiert wird die erste hessische Roboter-Woche von den Betreibern des „MakeIT-Makerspace“ in Gelnhausen. Die Frage des Gesprächsabends, der live via Youtube aus der Konzerthalle Bad Orb übertragen wurde, lautete: „Wie bekommen wir den Mittelstand fit für die Zukunft?“

„Der Mittelstand im Main-Kinzig-Kreis ist schon fit, aber wir müssen ihn fit machen für die Anpassung“, stellte Walter Dreßbach, Referatsleiter Wirtschaft und Arbeit im Main-Kinzig-Kreis, fest. Damit spielte er auf die Pensionierung der Menschen aus den geburtenstarken Jahrgängen 1946 bis 1964 an, wodurch bald zahlreiche Arbeitskräfte fehlten. „Wir müssen die Arbeiter von anderswo herholen, oder aber die selbe Arbeitsleistung mit weniger Menschen schaffen“, stellte er fest. Deshalb sei die Automatisierung von Arbeitsprozessen unumgänglich.

Main-Kinzig-Kreis: Experten diskutieren Automatisierung im Mittelstand

Alexander Trebing, Geschäftsführer der Technologie-Firma Cretec, betonte, dass es sinnvoll sei, zunächst kleine Schritte zu automatisieren, etwa das Entnehmen von Artikeln aus Dreh- und Fräsmaschinen. Im Hinblick auf die Automobilzulieferer-Firmen im Kreis stellte Dreßbach fest: „Der Zerspanungstechniker könnte in absehbarer Zeit vom 3D-Drucker abgelöst werden.“ Dabei sollten auch langjährige Mitarbeiter offen sein für Neues: „Wenn die Drehbank nicht mehr benötigt wird, muss der Dreher etwas anderes lernen.“

Professor Dr. Bernd Jörs, Lehrkraft für Informationswirtschaft an der Hochschule Darmstadt und Kerstin Cieslik-Pfeifer, Geschäftsführerin der Wirtschaftsinitiative Mittelstand Main-Kinzig, waren sich einig: „In den Unterricht an Schulen sollte mehr Praxisorientierung eingebracht werden. Viele Lerninhalte sind immer noch sehr theoretisch.“ Auch Christian Romeis ist der Meinung, dass Schulunterricht und Studiengänge oftmals noch „sehr statisch“ seien und deshalb von der Technologie überholt würden.

Programm

Das IT-Makerspace „MakeIt“ in Gelnhausen ist eine Werkstatt für Zukunftstechnologien. Neben Workshops zu verschiedenen Themen arbeiten Entwickler dort an eigenen Projekten. Das Makerspace veranstaltet Hessens erste Roboter-Woche gemeinsam mit führenden Unternehmen der Branche in Zusammenarbeit mit den Beruflichen Schulen Gelnhausen und dem Main-Kinzig-Kreis. Unternehmer konnten sich im Vorfeld anmelden und haben bis Mittwoch die Gelegenheit, sich zu Automatisierung und Robotik beraten zu lassen, etwa in den Bereichen Fertigung, Qualitätssicherung und Logistik. Schülerinnen und Schüler können morgen dann ebenfalls die Roboter erleben. Beim „Challenge Day“ am Freitag dürfen sie die Greiferarme und auch den Sprengstoffroboter „Bodo“ testen.

„Roboter werden künftig in Jobs eingesetzt, die nicht mehr so beliebt sind, etwa in einer heißen Maschinenhalle“, ist sich Makerspace-Betreiber Christian Romeis sicher. Weitere Einsatzmöglichkeiten fänden sich zudem bereits in gefährlichen Berufen, etwa bei der Entschärfung von Sprengstoff. Als praktisches Beispiel hatte Romeis „Bodo“ dabei, einen Sprengstoffroboter, der mittlerweile im Makerspace in Gelnhausen bewundert werden kann. (Lesen Sie hier: Edag Group präsentiert Digitalministerin den CityBot: Das kann der Roboter)

Experten sind sich einig: Mehr Praxisorientierung an Schulen

Die Befürchtung, dass Roboter künftig Arbeitsplätze ersetzen könnten, kommentierten die Teilnehmer der Gesprächsrunde vielfältig. „Das ist wie in der Computerbranche – am Ende kam ein riesiges Berufsfeld hinzu. Die Arbeit wird nicht weniger, aber anders“, stellte Trebing fest. Und Walter Dreßbach betonte: „Wir brauchen Unterstützung aus den Bereichen Künstliche Intelligenz und Robotik. Deshalb ist es gut, dass Unternehmer das Thema aufgreifen und sich damit auseinandersetzen.“ Das Video der Gesprächsrunde ist online abrufbar.

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