Der Feriengast attackierte den Vermieter seiner Ferienwohnung mit Pfefferspray. (Symbolbild)
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Der Feriengast attackierte den Vermieter seiner Ferienwohnung mit Pfefferspray. (Symbolbild)

Angst vor Einbrecher?

Kurioser Vorfall im Main-Kinzig-Kreis: Feriengast aus Hamburg attackiert Vermieter mit Pfefferspray

Da halfen alle Unschuldsbeteuerungen nichts: Ein 45-Jähriger wurde vor dem Amtsgericht Gelnhausen wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Richterin Sarah Lehmann verhängte gegen den Hamburger eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro (100 Tagessätze à 10 Euro).

Bad Orb - Die Geschichte dazu dürfte wohl in Bad Orb (Main-Kinzig-Kreis) ziemlich einmalig gewesen sein. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Hanau war der 45-Jährige, der sich selbst als „nicht arbeitsfähig“ bezeichnete, Ende November 2019 mit seiner 72-jährigen Mutter zum Erholen in die Kurstadt im Spessart gefahren. Dort bezogen sie die Ferienwohnung eines älteren Ehepaares, die sie zuvor gebucht hatten.

Doch schon bald gab es Probleme, weil angeblich der Fernseher und die Waschmaschine nicht funktionierten, schilderte der Verteidiger des Mannes. Seine Mutter habe sich daraufhin mehrmals im Touristenbüro beschwert. Dann kündigte der Vermieter seinen Besuch an, um zu reparieren.

Main-Kinzig-Kreis: Feriengast attackiert Vermieter mit Pfefferspray

An dem Tattag sei der Angeklagte früh eingedämmert. Plötzlich sei er durch Stimmen und Schreie wach geworden. Seine Mutter sei an sein Bett gekommen und habe gerufen: „Da ist ein Einbrecher.“ Also sei er aufgestanden und zur Eingangstür gegangen. „In Panik“ habe er dann auf den Mann das Reizgas gesprüht, so die Einlassung des Verteidigers.

Ganz anders die Sichtweise des Geschädigten. Er sei den beiden Feriengästen von Anfang an freundlich begegnet. Es habe jedoch nicht lange gedauert, bis die Beschwerde über angeblich defekte Geräte eingegangen sei – wobei es eine Waschmaschine in der Wohnung gar nicht gebe.

Er habe zeitnah zurückgerufen und sich beim Sohn erkundigt. Dieser habe angegeben, es sei alles in Ordnung. Doch die Mutter beschwerte sich weiter, sodass ihn die Kurverwaltung mahnte, er möge die Missstände beheben. Schließlich kam man überein, am Tattag in der Wohnung nach den Mängeln zu schauen. (Lesen Sie auch: Gelnhausen: 51-jährige Mutter muss ins Gefängnis)

Attacke mit Pfefferspray: Vermieter sah nichts mehr und schrie vor Schmerzen

Zusammen mit seiner Frau fuhr der 81-Jährige dann gegen 20.30 Uhr zur Wohnung, wo noch Licht gebrannt habe, auf Klingeln aber niemand öffnete. Auf Rufen habe die 72-jährige Hamburgerin geantwortet, sie „empfängt heute keine Gäste mehr“.

Der Vermieter machte sich jedoch Sorgen um den Sohn, der sein Ansprechpartner war und von dem er seit Stunden nichts gehört hatte. Um nicht vergeblich rund 60 Kilometer nach Orb angereist zu sein, kündigte der 81-Jährige nach eigenen Angaben laut an, dass er nun die Tür aufschließe.

Kaum hatte er das getan und die Tür etwas aufgestoßen, habe ihn der Angeklagte mit dem Pfefferspray attackiert. Der Angriff sei so heftig gewesen, dass er nichts mehr sehen konnte, sondern vor Schmerzen nur noch herumschrie. Auch seine Frau bekam etwas ab. Beide mussten anschließend in eine Fachklinik. Die Mutter räumte ein, das Pfefferspray „wegen Wildschweinen“ immer dabei zu haben. (ls)

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